Es geht nur gemeinsam!

    Das Reinheitsgebot beim Bier ist „speziell“ – auf dessen Einhaltung wird seit Jahrhunderten peinlichst genau geachtet. Auch wenn es schon einige wenige Berichte in den Medien gab, dass bei großen Marken Inhaltsstoffe gefunden wurden, die eben nicht ins Bier gehören. Welch ein Frevel! In Deutschland unterliegt fast alles einem Regelwerk, wie kann dann so etwas passieren?
    Brandenburg und seine Privatbrauereien sind nicht auf dem Trip „Masse statt Klasse“. Das Gegenteil ist hier der Fall. Individualität ist das Maß aller Dinge. Und damit fahren die Privatbrauereien sehr gut, denn in vielen Regionen entsteht gerade ein Umdenken: Man glaubt wieder an seine Heimat, ist bestrebt, beim örtlichen Bäcker, Fleischer und eben auch beim Brauer zu kaufen. Das ist Heimatliebe, man hat etwas, womit man sich identifizieren kann. Und die Biere sind individueller denn je! Was es da alles gibt, lässt so manchen Gaumen verzücken, die Bier-Lobby wächst zusehends. Um mehr Wirkung zu erzielen, hat sich in Brandenburg der „Verein zur Förderung Brandenburger Klein- und Gasthausbrauereien und regionaler Infrastrukturen e.V.“ gegründet. Das Ziel liegt klar auf der Hand: Gemeinsam mehr erreichen! Im letztem Jahr wurde beispielsweise in Finsterwalde, dem Gründungsort des Vereins, das 2. Brandenburger Brauereitreffen sehr erfolgreich gefeiert. Dazu hatte man sich eine Menge einfallen lassen, 10 Brauereien waren mit vor Ort – und der Genuss war spürbar. Es hat sich natürlich herumgesprochen, dass es in Brandenburg engagierte Brauer gibt, die es wissen wollen und auch das Potenzial dazu haben. So hatte man im November letzten Jahres zur Mitgliederversammlung nach Fürstenwalde ins „Rathausbräu“ im Alten Rathaus geladen. Hier wurde diskutiert, Pläne geschmiedet und neue Mitglieder rekrutiert, die ihrerseits mit Know-how punkten konnten. Ein weiterer wichtiger Unterstützer ist der Pro Agro-Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region Berlin-Brandenburg e.V. Das Thema „500 Jahre Reinheitsgebot“ stand natürlich im Mittelpunkt der Versammlung. Und was daraus geworden ist, konnte man am vergangenen Wochenende in Potsdam auf dem Luisenplatz erleben. Der Brunnen auf dem Luisenplatz, der von Lenné 1855 entworfen wurde und mit einer nahezu 10 Meter hohen Fontäne die Mitte zeichnete, bildete auch den Mittelpunkt des Festes. Drumherum schmiegten sich die zum Verweilen und Genießen einladenden Bierzeltgarnituren. Im weiteren Halbkreis bildeten die Brauereien eine Flaniermeile der besonderen und individuellen Gerstensäfte. Die Wetterlage war höchst erfreulich für die Veranstalter, auch wenn es am Morgen noch nicht so ausgesehen hatte. Um 11 Uhr, zur feierlichen Eröffnung des 3. Brauereitreffens in der Landeshauptstadt gab es Sonne mit leichter Wolkenlage, genau richtig für dieses Fest – nicht zu warm, aber auch nicht zu kalt. Jörg Kirchhoff von der Braumanufaktur Forsthaus Templin und Kai Rückewold, Geschäftsführer der Pro Agro, waren maßgeblich an der Organisation beteiligt und eröffneten gemeinsam das Fest. In ihren Ausführungen begrüßten sie natürlich ihre Mitstreiter der 13 Brauereien, die aus ganz Brandenburg, von Wittenberge bis Finsterwalde in der Lausitz, gekommen waren. Auch die vielen Gäste, unter anderem der Minister für Wirtschaft und Energie, Albrecht Gerber, sowie der Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Jann Jakobs, und natürlich die 1. Bierkönigin Brandenburgs, Caro Kebermann, wurden herzlich begrüßt. Minister Albrecht Gerber betonte, dass die Wirtschaft und das Bier unweigerlich zusammen gehören, dass sie ein wichtiger Wirtschaftszweig im Lande sind und dass die Landwirtschaft dadurch auch gestärkt würde, denn die Zutaten des Bieres würden ja schließlich auch in Brandenburg angebaut. Darüber hinaus sehe man das Potenzial der Kleinbrauereien und beobachte, dass es den Großbrauereien mittlerweile auch an Absatz fehle und die Freunde des Gerstensaftes nach neuen Sorten und Braukünsten Ausschau hielten. Dieses Fest sei genau das richtige, um hier seine persönliche Geschmacksrichtung zu finden. Jann Jakobs freute sich, dass dieses Fest in Potsdam stattfindet und das auch noch fast im Mittelpunkt der Stadt. Er lobte die Individualität der Brauereien, sprach vom Weggang einer großen Brauerei, aber auch davon, dass sich drei neue Brauereien etabliert hätten. Er rief dazu auf, sich von der Vielfalt der Biere ein Bild zu machen. Nicht umsonst wären so viele Brauer hierhergekommen. An das Gewissen appellierend, sagte er zum Schluss: „Wenn man ein Bier trinkt, soll es möglichst aus der Region sein!“ Die Potsdamer Riesengarde „Lange Kerls“ übernahm den historischen Part zum Fassanstich durch Jann Jakobs und Kai Rückewold: Sie gaben noch einen Salut – und das Fest war eröffnet. Eine kurze Weile dauerte es noch, bis sich die 13 Braumeister zusammengefunden hatten, um dann gemeinsam symbolisch ihre „Brandenburger Bierstraße“ zu eröffnen. Veit Klaue, einer der vier „Finsterwalder Sänger“, der auch gleichzeitig für das Sängerstadt-Marketing den Hut auf hat – im wahrsten Sinne des Wortes – wird mit dem Fahrrad diese Strecke bewältigen. Wir dürfen gespannt sein…

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