Eisenhüttenstadt im Ausnahmezustand

    Schreiende Verletzte im Zug, Qualm aus den Fenstern in der achten Etage eines Speichers und viele Brandherde im Wald – all das gehörte zur Großübung im Katastrophenschutz rund um Eisenhüttenstadt. 60 Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdienst und weiteren Organisationen, die sich im Katastrophenschutz engagieren, waren im Stadtbild von Eisenhüttenstadt nicht zu übersehen. Immer wieder hallten die Sirenen durch die Straßen. Gemeinsam mit Feuerwehren aus dem Landkreis Celle übten die Einsatzkräfte aus dem Landkreis Oder-Spree vier verschiedene Szenarien. Die waren mit Bedacht gewählt, damit alle Kräfte zum Einsatz kamen. Über 330 Mitstreiter nahmen an der Übung teil. Das Übungsszenario sah vor: Nach langanhaltender Hitze und Trockenheit gab es Sturm, Blitzeinschläge, Starkregen. Viele Bäume waren umgestürzt und die Einsatzkräfte hatten im ganzen Kreis mit Hausbränden, Wasserfluten und Waldbränden zu tun. Auch der Raum Eisenhüttenstadt war betroffen. In der Nähe des Bahnhofs lagen Bäume auf den Schienen. Beim Auffahren eines Kesselwagens mit einer ätzenden und leicht entzündbaren Flüssigkeit auf einen umgestürzten Baum gab es ein Leck. Dazu Qualm, ein Verletzter am Boden liegend und die Gefahr der Explosion. Solch eine Übungslage verlangt allerhand Organisation. Der Bahnverkehr musste weitergehen, aber es durfte auch kein Zug in die Gefahrenstelle einfahren. Die Güterzüge und der Regionalexpress 1 mussten langsam auf entfernt liegenden Gleisen die Gefahrenstelle passieren. Auch wurden Straßen gesperrt, damit die Einsatzfahrzeuge freie Fahrt hatten. Für die Einsatzkräfte aus allen Bereichen war höchste Konzentration gefragt. Und alle Szenarien wurden von Schiedsrichtern und Beobachtern genau unter die Lupe genommen. Schließlich soll im Ernstfall alles wie am Schnürchen laufen, was in einem Übungsszenario mitunter noch etwas zäh zu sein scheint. Warum aber nun gerade so eine Großübung? „Die Katastrophenschutzeinheiten müssen immer wieder bestimmte Abläufe und die Zusammenarbeit trainieren“, sagt Kreisbrandmeister Klaus-Peter Schulz. Darüber hinaus gibt es eine nun bereits 25 Jahre währende enge Zusammenarbeit im Katastrophenschutz mit dem Landkreis Celle. Alle zwei Jahre findet abwechselnd in den beiden Landkreisen eine gemeinsame Übung statt. Trotz oder gerade wegen der Entfernung von ca. 350 Kilometern gibt es viele positive Ansätze für das gemeinsame Üben. Schon allein das Fahren im Verband über lange Strecken will geübt sein, auch das Zusammenwirken mit fremden Einsatzkräften, die Orientierung im unbekannten Territorium ohne Ortskenntnisse. All das kann bei größeren Einsatzlagen überlebensnotwendig sein. „Die Einsatzkräfte haben alle einen guten Ausbildungsstand und haben die Aufgaben mit viel Engagement gelöst“, berichtet Michael Buhrke, der als Dezernent verantwortlich für den Katastrophenschutz ist. Die Kameraden nutzen natürlich dieses Zusammentreffen auch immer wieder, um Erfahrungen auszutauschen, Freundschaften zu pflegen und am Abend gemeinsam über die Anekdoten des Tages zu lachen. Sogar die Landräte beider Kreise zeigten mit ihrer Anwesenheit die Bedeutung dieser Zusammenarbeit. Landrat Rolf Lindemann bedankte sich mit herzlichen Worten bei allen Kameraden für ihren Einsatz und die stete Bereitschaft zu helfen. „Vielen Dank vor allem auch an Ihre Familien, die Ihnen die Freiräume für diese wichtige Aufgabe geben“, ergänzt er anerkennend. Auch der Celler Landrat Klaus Wiswe schloss sich dem an und bekräftigte seinen Willen, auch in der Zukunft weiter diese Zusammenarbeit zu fördern.

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