Geschätzter Arzt, Hochschullehrer und Wissenschaftler – und begeisterter Ornithologe

    Chefarzt des Instituts für Pathologie im Helios Klinikum Bad Saarow im Gespräch

    Mit der Reihe „Hör mal zu“ hat das Team des Vereins des Scharwenka Kulturforums in Bad Saarow ein gutes Händchen bewiesen. Gerlinde Stobrawa, die durch diese Abende führt, hatte sich diesmal einen besonderen Gesprächspartner eingeladen, nämlich keinen Geringeren als Univ. Prof. Dr. med. habil. Stefan Koch, Chefarzt des Instituts für Pathologie im Helios Klinikum Bad Saarow. Der kleine Saal des Hauses schien an diesem Abend einfach nicht auszureichen, es mussten noch Sitzgelegenheiten gefunden werden, um dem großen Andrang der Gäste Herr zu werden. Derweilen begrüßte Gerlinde Stobrawa den Arzt, Hochschullehrer und Wissenschaftler Stefan Koch mit einer sehr persönlichen Frage: Wie tickt denn nun so ein Professor und das auch noch aus Bad Saarow? Darauf wurde noch kurzerhand festgelegt, wie der Abend ablaufen soll: Es wird immer ein kleiner Abriss des Lebens gezeichnet.

    Stefan Koch, in Berlin Pankow geboren, ist behütet im Kreise der Familie zusammen mit seinem Bruder aufgewachsen. Sein Vater war ein begeisterter Fußballfan, ebenso wie sein Bruder, nur Koch selber hat mit Fußball nichts am Hut. Er erzählte, dass der Vater kurzerhand beide Söhne beim Fußball anmeldet hätte. Sein Bruder machte dann seinen Weg in diesem Sport und hätte sogar mal beim 1. FC Union gespielt. Er hingegen konnte es mit Vater und Trainer regeln, dass er doch etwas anderes machen durfte. Dann fiel der Name Professor Dr. Dr. Dathe – und da ging ein Raunen durchs Publikum, denn wer kennt diesen Namen nicht. Er war der Direktor des Tierparkes Berlin, wo Kochs Vater als Bauingenieur im Entwicklungsteam des Parks Anfang der 50ziger mitarbeitete. Als Stefan Koch, so erzählte er weiter, zur Welt kam, bekam sein Vater ein Glückwunschtelegramm von Dathe, in dem stand: „Herzlichen Glückwunsch zu 1,0 Koch!“ Unter Zoologen kennzeichnet die 1,0, dass etwas männlich ist.

    Stefan Koch hat nämlich ein sehr spezielles Hobby, was definitiv nichts mit sportlichen Herausforderungen zu tun hat. Natürlich war der Tierpark teilweise prägend, der Tierpark-Klub sei ein wahres Erfolgserlebnis gewesen, die Pädagogen kümmerten sich hier leidenschaftlich um die Jugendlichen mit naturwissenschaftlichen Ambitionen: Heute ist Koch ein begeisterter Ornithologe, seine Anfänge fanden hierbei auf den ehemaligen Rieselfeldern in Französisch Buchholz statt und er sei bis heute Rudolf Virchow dankbar, denn dieser hatte diese einst anlegen lassen. Dort könne man am besten die Vogelwelt beobachten.

    Seine schulischen Leistungen brachten Prof. Koch bis auf die EOS Carl von Ossietzky, und da traf er dann mit den Kindern der Mitglieder des Politbüros und der Botschafter der befreundeten Bruderstaaten zusammen. Berührungsängste gab es keine, allerdings kannten manche dieser Kinder die Welt von zwei Seiten – das war nicht im Sinne der Ideologie und des Klassenkampfes. Die Carl von Ossietzky-Schule war demzufolge ein Brennpunkt der politischen Meinungsbildung, die jungen Leute wurden, wie man heute sagen würde, „eingenordet“. Zwei Schlüsselerlebnisse waren in der Berufswahl von Prof. Dr. Koch prägend: Als Schüler war er in der Vogelwarte auf Hiddensee. Dort gab es zu dieser Zeit einen sehr bekannten Ornithologen, 

    Prof. Dr. Hans Schildmacher, den er fragte, was er denn nun aus seiner Sicht machen könne, nahm ihm jedoch im selben Satz den Wind aus den Segeln, indem er sagte, er könne doch Biologe werden. Daraufhin war wohl ein kurzes Schweigen angesagt und der Professor riet ihm davon ab, weil die Biologie nur ein kleines Feld der Wissenschaft wäre und schlug ihm die Medizin vor. Das zweite Schlüsselerlebnis hatte Koch beim vormilitärischen Unterricht: Die Offiziere der NVA, die sich in den Unterricht mit einbrachten, zeigten auf, dass es auch bei der Armee Ausbildungsmöglichkeiten zum Mediziner gab. Für Stefan Koch war das ebenfalls eine Option, allerdings mit einem entscheidenden Nachteil, denn es gab da eine 25-jährige Kündigungsfrist, scherzte er. Er ging dann nach Greifswald und studierte Humanmedizin, dachte hierbei aber an die Chirurgie. Aber wie so oft im Leben, kommt alles ganz anders als man denkt. Er fand Begeisterung an der Anatomie, lernte seine Frau kennen, das erste Kind kam in der Studienzeit, beide bissen sich durch und machten gemeinsam ihr Diplom. Stefan Koch hatte zwar alles von der Pike auf gelernt, wollte aber auch gern mal als Mediziner im klassischen Sinne gearbeitet haben, um der Praxis willen. Er wurde dann im Zuge des Militärdienstes nach Bad Saarow befohlen. Ihm gegenüber saß

    Oberstleutnant Prof. Dr. Heber, sein – wie sich dann noch rausstellen sollte – Vorgesetzter. Beide Lebensläufe ähnelten sich. Heber übte eine gewisse Faszination auf Koch aus, denn dieser konnte sein umfangreiches Wissen unheimlich gut vermitteln. Koch ist ihm bis heute sehr dankbar dafür. Nun war es aber so, dass Saarow keinen Anatomen brauchte, sondern einen Pathologen. Prof. Dr. Heber sah in Koch genau dieses Potenzial – und von da an war und ist er DER Pathologe, der bis heute ein gefragter Arzt, Hochschullehrer und Wissenschaftler ist.

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