Gut besuchte Eröffnung

    Nun ist es soweit: Das Künstlerehepaar Christa & Werner Menzel von der Agentur C, Betreiber der Kunstgalerie im Alten Rathaus, hat am vergangenen Sonntag seine letzte Ausstellung eröffnet. Aus diesem Anlass gab es einen kleinen Empfang, zu dem viele alte Weggefährten, Freunde und Künstler, wohlwissend um diesen besonderen Tag, gekommen waren. Aber natürlich kamen sie alle auch wegen der Werkschau unter dem Titel „Zirkus Leben“ des Künstlers Gerhard Goßmann. Gerhard Goßmann war nicht nur ein herausragender Illustrator und Grafiker, der Schatz an Malerei, den er hinterließ, ist ebenso wichtiger Teil seines Gesamtkunstwerks wie Grafiken und Zeichnungen. Der als Buchillustrator berühmt gewordene Künstler zeigt in seinen Ölbildern eine ganz andere Seite: Seine Illustrationen siedeln stets nah am zugehörigen Text, verstehen sich als uneitle Dienstleister des Wortes. Es sind Bilder, die dem Kopfkino des Lesers auf die Sprünge helfen in Zeiten, da Film und Fernsehen noch lange nicht, wie heute üblich, den Zuschauer mit allen möglichen Bildern aus allen möglichen Gegenden der Welt tagtäglich aufs Neue überrumpeln. Auf ganz andere Weise nah am Leben – die Malerei. Nicht als plattes Abbild der Realität, sondern vielmehr als üppiges Angebot für Interpretationsmöglichkeiten. Wie anders soll man das immer wiederkehrende Motiv des Heißluftballons entschlüsseln, wenn nicht als Gleichnis für eine Sehnsucht nach der Selbstverständlichkeit der Freiheit. Goßmann war Humanist, aber weit weg von dem, was man einen angepassten Linientreuen nennen könnte. Die Schmetterlinge, ein häufig in seinen Bildern wiederkehrendes Motiv, kann man ganz allgemein als das Schöne und wundervoll Leichte des Lebens sehen, wenn man sie denn sieht. Goßmanns Gesellschaftskritik, sofern es solche sein soll, äußert sich sehr subtil. So poltrig er bei unterschiedlichsten Anlässen zuweilen seinen Unwillen kundtat, so geschickt platzierte er Metaphern in seinen Arbeiten. In den Werken, die Situationen mit Clowns, Musikanten und anderen Zirkusthemen darstellen, wird der Betrachter zum Nachdenken über ein freies und heiteres Sein aufgefordert. In den phantasievollen Stücken, in denen Musiker/Künstler/Menschen allesamt freiheitsliebende Ballonfahrer, vielerlei gefährlichem Meeresgetier bedenklich nahekommen, scheint Goßmann die nahe Zukunft der 1990er Jahre vorweg zu ahnen. Treffsicherer als so mancher schaffende Zeitgenosse…

    Also viel Vergnügen bei der aufgeschlossenen Betrachtung der Werke dieses Künstlers, der in diesem Monat 105 Jahre alt geworden wäre.

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