Uraufführungsinszenierung auf der Hinterbühne

    Letzten Donnerstag wurden mit der Preisverleihung des 22. „Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker“ die Kleist-Festtage eröffnet. In diesem Jahr ging die renommierte Auszeichnung an Franziska vom Heede, Jahrgang 1991, für ihr Stück Tod für eins achtzig Geld – Verwertungsprinzipien/Überlebensstrategien. Die Preisträgerin und die Laudatorin Kathrin Röggla steckten aufgrund des Sturms Xavier am Donnerstagabend in Berlin fest. Die Laudatio der österreichischen Schriftstellerin konnte das Publikum trotzdem hören – am Telefon, aus dem Taxi im Verkehrschaos in Berlin. So etwas gab es bei der Verleihung des Kleist-Förderpreises noch nie und wird dem Publikum sicher lange in Erinnerung bleiben. Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke überreichte anschließend den Preis an Franziska vom Heedes Mutter, die aus Hamburg anreiste.

    Nach der Preisverleihung war auf der Hinterbühne des Kleist Forums die Uraufführungsinszenierung, produziert vom Schauspiel Hannover in der Regie von Nick Hartnagel, zu sehen. Das Publikum konnte sich auf der Hinterbühne frei zwischen verschieden Spielorten bewegen. So schrieb Sascha Westphal nach der Uraufführung: „Das Wuchernde des Stücktextes hat Regisseur Nick Hartnagel und Bühnenbildnerin Tine Becker zu einer fast schon genial zu nennenden Raumlösung inspiriert.“ (nachtkritik.de)

    Seit 1996 vergeben die Stadt Frankfurt (Oder), das Kleist Forum, die Ruhrfestspiele Recklinghausen und die Dramaturgische Gesellschaft jährlich den Kleist-Förderpreis. Der mit 7.500 Euro dotierte Preis gilt als Wegbereiter vieler, mittlerweile international renommierter Autorinnen und Autoren. Neben dem Preisgeld erfahren die Preisträgerinnen und Preisträger vor allem durch die Uraufführungsgarantie des ausgezeichneten Stücks eine größtmögliche Förderung.

    In der Jury-Begründung hieß es: Phantasievoll und überraschend setzt sich Franziska vom Heede in ihrem Stück mit Verwertungsprinzipien und Überlebensstrategien auseinander. Ihr gelingt es, mit splitterhaften Szenen, die kaleidoskopartig ineinander greifen, eine ganz eigenartige Welt zu schaffen – skurril und ernsthaft zugleich. In den teilweise absurden, großen Sprachbildern spielt ein Supermarkt die zentrale Rolle als Ort des Geschehens und als Parabel einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft.

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