Selbstlos, solidarisch, aufopferungsvoll

    Woidke erinnert an Heldenmut und Einsatz der Helfer

    Fast 290 Millionen Euro in Oder-Hochwasserschutz investiert

    Ministerpräsident Dietmar Woidke hat den gemeinsamen Kampf von zehntausenden ehrenamtlichen Helfern und Anwohnern sowie von THW, Feuerwehren und Bundeswehr gegen die Oder-Flut von 1997 als eine „wunderbare Erfahrung von Solidarität und Mitmenschlichkeit“ gewürdigt. Bei einer Gedenkveranstaltung des Kreises Oder-Spree und der Landesregierung in Eisenhüttenstadt sagte er: „Die Helfer haben bis zur völligen Erschöpfung dafür gekämpft, Häuser und Höfe von vielen Tausend Menschen zu retten. Ich danke all jenen, die damals so selbstlos angepackt haben. Aus dem Hochwasser sind jedoch auch wichtige Lehren gezogen worden: Wir haben erheblich in den Deichbau investiert und geben den Flüssen mehr Raum“.
    Bis heute sind 162 der 185 Kilometer Deiche entlang der Oder erneuert und verstärkt. Dafür wurden mehr als 287 Millionen Euro aus EU-, Bundes- und Landesmitteln investiert. Derzeit läuft auf einem drei Kilometer langen Abschnitt zwischen Ratzdorf und Eisenhüttenstadt der letzte Teil der Deichrückverlegung an der Neuzeller Niederung. Insgesamt werden die Arbeiten zur Sicherung der Hauptdeiche bis 2023 abgeschlossen sein. Auch an Elbe, Spree, Schwarzer Elster und kleineren Nebenflüssen laufen Deich-Erneuerungen und Arbeiten zur Verbesserung des Rückhalts von Hochwasser. Das Land investiert dafür jährlich 30 bis 35 Millionen Euro aus EU-, Bundes- und Landesmitteln. Zudem läuft das Nationale Hochwasserschutzprogramm, das Bund und Länder als Reaktion auf die Hochwasserkatastrophe an der Elbe im Sommer 2013 beschlossen hatten.
    Für die acht Brandenburger Projekte des Programms ist ein Investitionsbedarf von mehr als 300 Millionen Euro von Bund (60 Prozent) und Land (40 Prozent) veranschlagt. Dabei geht es insbesondere an Elbe und Oder um mögliche Flutungspolder, darunter in der Ziltendorfer und in der Neuzeller Niederung (70 bzw. 43 Millionen Kubikmeter Wasser). Dietmar Woidke: „Obwohl die Oder-Flut 20 Jahre zurückliegt, sind die Bilder noch sehr präsent: die vollgelaufene Ziltendorfer Niederung, die überschwemmte Ernst-Thälmann-Siedlung, die geflutete Ortschaft Aurith, die im Wasser stehenden Häuser im Fürstenberger Kietz. Die Siedlungen konnten gerade noch rechtzeitig evakuiert werden. Sirenen heulten, Busse fuhren vor, Einwohner wurden zum Einsteigen gedrängt, die Dörfer wurden abgeriegelt.“ Dabei sei Hilfe aus ganz Deutschland, aus Polen und Tschechien, aus aller Welt gekommen: „Das waren wunderbare Gesten. Die betroffenen Menschen standen dennoch unter Schock und waren verzweifelt angesichts des Ausmaßes der Zerstörung.“ Dramatisch verlief auch die Rettung des Oderbruchs. Woidke: „Als ein Böschungsriss bei Hohenwutzen am 30. Juli die Deichkrone erreichte, schien das Schicksal des großen historischen Siedlungsgebietes besiegelt. Es war einzig und allein den tausenden Helferinnen und Helfern zu danken, dass die Existenz von rund 20.000 Menschen nicht in schlammigen Fluten versank. Mit fast übermenschlicher Einsatzbereitschaft und bis zur völligen Erschöpfung sind acht Millionen Sandsäcke gefüllt und gigantische Rettungsmaßnahmen organisiert worden.“ Er erinnerte auch an das „beherzte Vorgehen“ des damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und des Umweltministers Matthias Platzeck. Beide hätten in größter Not die volle Verantwortung übernommen. Die Menschen seien noch heute dankbar, dass Stolpes Versprechen eingelöst wurde, wonach niemand seine Heimat verlieren sollte. Verursacht worden war die Flut durch das Tiefdruckgebiet „Zolska“. Dabei waren vor allem über Polen und Tschechien Unmengen von Regen niedergegangen und hatten die Flüsse über die Ufer treten lassen. Er erinnerte daran, dass in den Nachbarländern mehr als 100 Tote zu beklagen waren: „Auch Ihnen gilt heute unser Gedenken.“
    Mit Blick auf die damaligen Schäden in Brandenburg ergänzte Woidke: „Wer die Verzweiflung der betroffenen Menschen in ihrem ganzen Ausmaß verstehen will, muss die damaligen Ereignisse auch in ihrem zeitlichen Zusammenhang sehen. Die politische Wende in der DDR lag gerade acht Jahre zurück. Viele Flutopfer hatten sich eine neue Existenz aufgebaut und die nicht immer einfache Zeit der ersten Nachwendejahre verdaut. Völlig unvorbereitet mussten sie nun erneut einen dramatischen Einschnitt in ihrem Leben verkraften.“

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