Forscher der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde HNEE untersuchen derzeit in Kooperation mit der Wissenschaftsförderung der Sparkassen-Finanzgruppe, ob Schließungen von Bankfilialen im ländlichen Raum tatsächlich eine Einschränkung für die Bankkunden sind.

    Fast jeden Tag berichten regionale Medien von Filialschließungen bei Regionalbanken und über den Unmut der lokalen Bevölkerung, der sich auf die Einschränkung des Zugangs zu grundlegenden Finanzdienstleistungen bezieht.

    Doch wird der Zugang tatsächlich eingeschränkt, wenn gleichzeitig digitale Angebote und mobile Vertriebswege ausgeweitet werden?

    „Mit Blick auf die Zahl der Filialen pro Einwohner oder auch Quadratkilometer galt Deutschland lange Zeit als overbanked“, beobachtet Prof. Dr. Alexander Conrad, Leiter des Bachelorstudiengangs Regionalmanagement. Das lag vor allem an den regional verankerten lokalen Sparkassen und Kreditgenossenschaften, fügt Prof. Dr. Doris Neuberger von der Universität Rostock hinzu, die zusammen mit dem HNEE-Professor das Forschungsprojekt „Physische und digitale Erreichbarkeit von Finanzdienstleistungen“ koordiniert. Die beiden Wissenschaftler gehen daher der Frage nach, ob nicht durch die Schließungswelle vielmehr eine Angleichung an das europäische Versorgungsniveau stattfindet. Belegbare Zahlen gibt es dazu derzeit noch nicht – bislang wurde das Problem eher von Emotionen begleitet statt durch Fakten untermauert. „Mit den bisherigen Messansätzen lassen sich die Fragen daher nicht hinreichend beantworten. Es braucht neue Messansätze, die neben dem physischen auch den digitalen Zugang einbeziehen“, sagt Prof. Dr. Alexander Conrad. Zugleich müsse man neben den stationären auch mobile Versorgungswege berücksichtigen.

    So hänge beispielsweise das mobile Onlinebanking stark von der verfügbaren Internetanbindung im ländlichen Raum sowie der Fähigkeit der Zielgruppe ab, Smartphones bedienen und nutzen zu können. Beides seien Kriterien, die Einfluss auf die Versorgungsqualität haben. „Überraschend ist dabei auch, dass trotz zunehmender Nutzung von Onlinebanking eine Umfrage1 unter Jugendlichen aus dem Jahre 2015 belegt, dass 49 Prozent überhaupt nicht der Aussage zustimmten, dass Banken heutzutage keine Filiale mehr bräuchten“, berichtet Prof. Dr. Doris Neuberger.

    In der auf einem Jahr beschränkten Studie kooperieren die Wissenschaftler mit der Wissenschaftsförderung der Sparkassen-Finanzgruppe e. V., durch die die Untersuchungen mit insgesamt 40.000 Euro finanziert werden. Das Projekt ist an der HNEE angesiedelt und wird in Forschungsaktivitäten der Universität Rostock integriert. Ende des Jahres werden die Ergebnisse gesammelt vorgestellt und fließen in strategische Überlegungen und der Argumentation gegenüber Kundinnen und Kunden sowie Aufsichtsorganen, z.B. im Rahmen der Diskussion um Geschäftsstellenanpassungen der Sparkassen-Finanzgruppe, mit ein. 

    Am 18. Januar findet am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ein Kick-Off-Meeting statt, wobei mit den dortigen Forscher*innen über eine Zusammenarbeit diskutiert und das Projekt insgesamt vorgestellt werden soll

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