Da fällt einem doch ganz spontan die leidige Altanschließerdebatte ein. Während das Land Brandenburg den Kleinen Mann trotz gegenteilig lautendem Rechtsspruch hängen lässt, zeigt die Kanzlerin gegenüber den Kernkraftwerks-Betreibern rechtsstaatliche Flagge: Natürlich bekommen diese die zu Unrecht erhobene Brennelementesteuer prompt zurück. Natürlich mit Zinsen. Natürlich auch nicht erst nach Rechtsstreit und in ein paar Jahren, sondern prompt. Na, wenn das mal keinen sozialen Unfrieden stiftet. Wem ist es zu verdenken, wenn er im Angesicht solcher Gegensätze äußert, dass man es mit den „normalen“ Bürgern ja machen könne.

    Dabei geht es auch anders, wie erst kürzlich Google leidvoll erfahren musste. Seine marktbeherrschende Stellung kam das Giga-Unternehmen kürzlich recht teuer zu stehen. Bloß weil es sich und seine Unternehmungen in seiner eigenen Suchmaschine bevorzugt. Würde wohl jeder von uns so machen. Unsere kleinen „Monopolisten“ fristen dagegen ganz still, unbehelligt von EU oder Kartellamt, ihr Dasein. Welche Wahl haben sie, liebe Eigenheimbewohner, wenn sie ihre Abwässer mangels kommunaler Entsorgungsleitung abfahren lassen müssen, hinsichtlich des Abfuhrunternehmens? Gar keine. Auch bei der Leerung der Papiertonne hält man es mit dem Highlander: Es kann nur einen geben!

    Der Höhepunkt öffentlich geförderter Monopole war für mich erreicht, als mir meine betagte Freundin Hildchen von ihrer neuen Wohnung erzählte. „Stell dir vor, Fernsehen, Telefon und Internet aus einer Dose!“ Ihre Augen glänzten. Nicht nur vor Freude. Der ganze Komfort kostet nämlich eine Stange Geld. „Such dir doch einen anderen Anbieter“, riet ich ihr, „dein Enkel kann dir da doch sicher was empfehlen.“ Schließlich ist das digitale Denken ab einem gewissen Alter nicht jedermanns Sache. „Geht nicht“, murmelte sie, „wir haben nur dieses Dings-fon.“ „Wenn alle im Aufgang…“ „Im ganzen Block!“ unterbrach sie mich. „… also im ganzen Block den gleichen Anbieter haben, gibt es doch sicher satte Rabatte“, mutmaßte ich. „Wenn das, was ich monatlich berappen muss, rabattiert ist, will ich den wirklichen Preis gar nicht wissen“, winkte sie ab. „Dafür habe ich jetzt Flätt. Und einen Heispietäckaunt. Ganz toll, meint der Telefonfritze.“ „Was für ein `Flätt`?“ Zunächst war ich irritiert, dann dämmerte es mir. Hildchen hatte, soweit ich weiß, noch nie einen Computer gehabt. Dass sich daran nichts geändert hat, bestätigte sie mir auch gleich auf meine Frage hin. Für den Internetanschluss löhnt sie trotzdem, obwohl ihre Rente keineswegs üppig ist. Den Rest des Nachmittags sprachen wir von etwas anderem. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, Hildchens Enkel einmal anzurufen. Sie braucht nämlich ganz dringend „Support“. Genau wie manch Unternehmen gute Konkurrenz und ordentliche Aufsicht.

     

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