„Nun guck dir doch wenigstens mal den schönen Baum an!“ Mein Oller, der sich sonst weniger für mich und meine Befindlichkeit als für den Sportteil in der Zeitung und für Fußball interessiert, gibt sich redlich Mühe, mich ein wenig aufzumuntern. Zugegeben, der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz in Fürstenwalde ist schön wie seit vielen Jahren nicht mehr. Gut gewachsen, sehr schön geschmückt, vor allem aber untenrum gut ausgeschnitten, sodass vielleicht nicht ganz so viele Pisser hier in diesem Jahr ihr Geschäft verrichten. Und schon ist die Stimmung wieder ganz unten, der Gedankensprung von der öffentlich-unrechtlich verrichteten Notdurft zum Abwasseranschlussbeitragsskandal ist ja kein großer. Mal ehrlich, was nun vom ZVWA beschlossen wurde, schlägt doch dem Fass die Krone ins Gesicht! Die zu Unrecht erhobenen Anschlussbeiträge werden nur denen erstattet, deren Bescheide noch nicht bestandskräftig sind, sprich denen, die gegen ihre Bescheide geklagt hatten. Diejenigen, die auf eine rechtskonforme Arbeit ihres Verbandes vertraut haben, gucken in die Röhre. Bedeutet das nun, dass man rein vorsorglich künftig gegen jede Art Gebühren- oder Beitragsbescheid Einspruch einlegen bzw. Klage erheben sollte, um später nicht blöd dazustehen, wenn sich herausstellt, dass Unrecht geschah? Geht auch nicht, sage ich euch. Die Sparkasse hat es kürzlich vorgemacht: Einer stattlichen Gebührenerhöhung ging deren Ankündigung voraus, in der eine angemessene Frist zur Zustimmung (in Form der Nichtablehnung) angegeben war. Was da nicht stand war, dass denen, die Einspruch erhoben hatten, im Gegenzug die Kündigung ihres Kontos angeboten wurde. Immerhin, man hatte also die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber zurück zum ZVWA. Dieser Verband bittet nun diejenigen, denen die unrechtmäßig erhobenen Beiträge erstattet werden, gesondert zur Kasse. In Form eines gepfefferten Abwasser-Kubikmeterpreises, der nur für sie gilt. Dass der Verbandsvorsteher mit dieser Entscheidung zufrieden ist, darf nicht wirklich verwundern. Also, was lehrt uns das? Wenn es darum geht, unrechtmäßig kassierte Gelder zurück zu zahlen, braucht man nur sein Veto einzulegen, weil die Rückzahlung zum Beispiel existenzbedrohend sei. Diese Argumentation empfehle ich Peer Jürgens. Vielleicht kann der Politiker von der Linken dann wenigstens einen recht großen Batzen vom erschwindelten Mietkostenzuschuss einbehalten. Auch die Gierpickel vom ZALF in Müncheberg könnten es mit dieser Argumentation versuchen. Aber noch einmal zurück zum ZVWA: Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass dieses Ver- und Entsorgungsunternehmen unter keinerlei Konkurrenzdruck arbeiten muss? Es gibt schlichtweg keine Mitbewerber. Der Kunde hat nicht die Wahl, wer sein Grübchen ausschlürfen soll. Er kann nicht, wie überall sonst, einfach den Anbieter wechseln. Telefon, Energie, überall habe ich Wahlfreiheit des Unternehmens. Aber beim ZVWA ist es wie beim Highlander: Es kann nur einen geben! Und das wird gnadenlos ausgenutzt. Warum eigentlich? Selbst beim lieben Gott habe ich die Qual der Wahl, weshalb soll das bei einem Ver- / Entsorgungsunternehmen anders sein? Und kommt mir jetzt nicht mit dem Weihnachtsmann, der angeblich das Weihnachtsfest ebenfalls von einer Monopolstellung her beherrscht! Der hat sehr wohl einen Mitbewerber: nämlich den heiligen Nikolaus. Schönen dritten Advent, trotzdem!

    Teile diesen Beitrag
    Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.
    Copy Protected by Chetan's WP-Copyprotect.
    X