„Mensch Erna, was ist denn heute los mit dir?“ Mein Oller kommt mit der neuen Situation nicht klar. ICH habe die Kommandozentrale erobert, sprich die Fernbedienung unseres Hundertfuffzigzollers an mich genommen, wobei „genommen“ den Vorgang nur unzureichend beschreibt. Jetzt zappe ich wütend und mit zunehmender Verzweiflung durch die Kanäle. Ich will es nicht mehr hören! Ich weiß, was passiert ist. Ich bin schon empört, tief betroffen und in Gedanken bei Opfern wie Hinterbliebenen. Aber die Öffentlich-Rechtlichen sind sich einig – in schlechtester Boulevard-Manier berichten sie in Endlosschleife über das sehr böse Ereignis. Wobei „berichten“ den Kern nicht wirklich trifft. Vielmehr werden wenige Fakten wieder und wieder wiederholt, man macht sich nicht mal die Mühe, den Wortlaut zu verändern. Und für den, der erst jetzt zugeschaltet – äh, anfängt zu lesen, wiederhole ich nochmal: „Berichten“ trifft den Kern nicht wirklich. Vielmehr werden wenige Fakten wieder und wieder wiederholt, man macht sich nicht mal die Mühe, den Wortlaut zu verändern. Und für den, der erst jetzt zugeschaltet – äh, anfängt zu lesen, wiederhole ich nochmal: „Berichten“ trifft den Kern nicht wirklich. Vielmehr werden wenige Fakten wieder und wieder wiederholt, man macht sich nicht mal die Mühe, den Wortlaut zu verändern. Und für den, der erst jetzt zugeschaltet – äh, anfängt zu lesen, wiederhole ich nochmal… So stelle ich mir Gehirnwäsche vor. Die Krönung jedoch war diesmal 3sat. Sonst oftmals unser „Rettungssender“, wenn hüben schier gar nichts mehr kommt, heute versagt er auf ganzer Linie. Der Sprecher wirkt gehetzt, als käme er gerade direkt und zu Fuß vom Breitscheid-Platz in Berlin. Aber welcher Österreicher kennt schon Rudolf Breitscheid! Kurzerhand machte man aus dem „Breitscheid-Platz“ einen „Brettscheid-Platz“. Und da können wir noch froh sein, dass kein „Holzscheit-Platz“ draus geworden ist!

    Was sich hier etwas irritierend ausnimmt, ist inzwischen in unseren Nachrichtensendungen, Specials, Sonderberichten, News und wie man noch alles zu den ehemaligen Informationsprogrammteilen sagt, Gang und Gäbe. Mutmaßliche Nachrichtensprecher und -sprecherinnen sprechen schon lange keine Nachrichten mehr. Wie es ihnen geht, weiß ich nicht, mir geht die Art, wie Infos heute an den Mann gebracht werden, fürchterlich auf den Kranz. Ich fühle mich permanent belehrt: Was ist weniger gut, verachtenswert, abzulehnen oder abscheulich. Oder, was ist ganz, ganz toll. Niemand muss sich mehr informieren, was dieser oder jener Politiker tut. Es genügt, zu hören, wie sich ein Ansager oder eine Ansagerin über jemanden äußert, um zu wissen: Toller Typ! Oder: Arschloch! Ein angemessen besorgtes Gesicht, eine warnend-betroffene Stimmlage, selbst den dritten Aufguss eines Nachrichtendetails noch als Sensation zu verkaufen – darin liegt offenbar die hohe Kunst eines zeitgenössischen Moderators. Allein die mutmaßliche Inflation von „mutmaßlich“ macht mich fertig. Die schönste Formulierung aber war diesmal für mich: mutmaßlicher Verdacht! Darauf muss man erst mal kommen. Doch lassen wir uns die mutmaßliche Laune zum mutmaßlichen Fest nicht vermiesen! Unser Nordmann, der mutmaßlich künftige Weihnachtsbaum, wartet darauf, in die warme Stube zu kommen. Es steht zu erwarten, dass in wenigen Tagen ein, möglicherweise geschenkebeladener, älterer Herr bei Ihnen zu Besuch kommt. Vielleicht ist etwas dabei, das auch ihnen Freude bereitet. Besonders die jüngeren Leute unter ihnen, wahrscheinlich Ihre Kinder (oder: Ihre wahrscheinlichen Kinder?) werden sicherlich Freude empfinden.

    Man könnte gut ganz ohne „mutmaßlich“ auskommen, aber das möchte ich nun auch wieder nicht.

    Frohes Fest!

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