Dieser Greenpeace-Slogan, leicht abgewandelt freilich, hat sich in meinem Kopf eingenistet. Wahlbeteiligungen von nicht mal einem Fünftel der wahlberechtigten Bürger müssen Zweifel am Sinn des Systems wecken. Oder ist man einfach der direkten Demokratie entwöhnt? Vielleicht war es vor Urzeiten doch nicht ganz verkehrt, das Wahlrecht als Wahlpflicht zu interpretieren? Denken wir mal drüber nach! Die SPD will nun die direkte Landratswahl am liebsten wieder abschaffen. Ein zunächst nachvollziehbarer Gedanke, hinsichtlich der knappen Viertelmillion Euro, die die vergeigte Wahl gekostet hat. Der Landtag wiederum hat für die nächsten Wahlen nach der Kreisreform bereits Vereinfachungen vorgesehen. Dann soll der Kreistag nur noch zwischen den beiden Bewerbern aus der Stichwahl entscheiden. Da frage ich mich: Wozu dann überhaupt vorher ein Quorum (Mindestanteil der Stimmen aller Wahlberechtigten auf den Wahlsieger in Prozent)? Es stehen dann ja dann genau die Kandidaten zur Wahl, die zuvor den nötigen Stimmenanteil nicht erreicht haben. Oder anders ausgedrückt: Wenn zu wenige Wähler dem Kandidaten ihre Stimme geben, kann er nicht Landrat werden. Außer, die Kreistagsabgeordneten sind anderer Meinung. Merken Sie was? Die nächste „wichtige“ Wahl, die zum Bundestag, kommt gewiss. Nicht auszudenken, wenn auch dann nur zur Wahlurne schlendert, der mit seiner Zeit nichts Besseres anzufangen weiß. Wer da der Meinung ist, er brauche nicht an Wahlen teilzunehmen, solange es ihm gut geht, wird irgendwann hundertprozentig ein böses Erwachen erleben. Die Ausrede, das habe man nicht so gewollt und deren Folgen sind ja hinlänglich aus der Geschichte bekannt. Bedenken Sie auch mal: 80.000 Menschen in Deutschland haben kein Wahlrecht. Wegen einer geistigen Behinderung. Zu verstehen ist das nicht. Ich kenne so viele Menschen, bei denen ich, nett ausgedrückt, ein vernünftiges Urteilsvermögen stark anzweifle, ob im Bekanntenkreis oder unter den Stadtverordneten. Ob Bundestags- oder Landtagsabgeordnete, selbst Minister oder Ministerpräsidenten lassen mich oft genug an ihrer zumindest halbwegs realitätsnahen Denkfähigkeit zweifeln. Niemand überprüft zudem im Wahlbüro, ob jemand mit „Eins, acht“ auf dem Kessel seine Kreuzchen macht. Und, nicht zuletzt wissen wir spätestens seit diesem Jahr, dass niemand zu bescheuert ist, um Präsident zu werden. Hüben wie drüben. Aber lasst uns nicht an die ganz großen Posten denken. Um Landrat zu werden beispielsweise, benötigt man keine besondere Qualifikation. Somit spielt man also in der gleichen Liga wie u.a. Tätowierer, Künstler oder Profiboxer. Wieso sollte man als Wähler also überhaupt irgendwelche Anforderungen erfüllen müssen? So gesehen könnte mein Oller für alle Bereiche die Bedingungen erfüllen, als Wähler und als Amtsträger. Eine grausige Vorstellung. Mit seinem Gedächtnis wäre der außerdem viel besser als Intendant der Öffentlich-Rechtlichen geeignet. Dann würden noch mehr olle Kamellen als heute schon über den Bildschirm flimmern. Für ihn wäre auch die 5. Wiederholung des Tatorts von 1973 etwas echt Neues. Die eingesparten Kosten würde er garantiert 1:1 in Fußballübertragungsrechte umsetzen. Mit anderen Worten, es würde sich im Vergleich zum heutigen Zustand nichts groß ändern. Hoffen wir also, dass bei der nächsten Wahl-Lotterie der richtige Kandidat die Nase vorn und genug Follower haben möge. (Erna lernt dazu, merken Sie es?) Es wird nicht für jeden der Richtige sein, das ist die Kehrseite der Demokratie. Damit sich also möglichst viele zufriedengestellt fühlen, müssen auch möglichst viele voten. Unsicher, für wen oder was? Seid getröstet, kein Übel ist so groß, dass es kein Größeres gäbe.

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