Was war das für ein schöner Gassenhauer. Den Spätergeborenen sei es erläutert: Gassenhauer nannte man im Volksmund Lieder, die ein jeder kannte und die gern überall, also auch auf den Straßen (Gassen), gesungen oder gepfiffen wurden. Das stammt aus einer Zeit, in der man den Volksmund noch zitieren konnte, ohne als Rechtsaußen verortet zu werden. Die Menschen mochten die Gassenhauer. In diesen Adelsstand wurde nur Liedgut erhoben, dass eine Mehrheit für sich zu begeistern wusste. Zumeist waren das Schlager.
    Als in den 60er Jahren die Beatmusik Furore machte, rutschte die Schlagermusik in eine Ecke, die sie eigentlich nicht verdient hatte. Schlager wurde gleichgesetzt mit Schnulze, Herzschmerz oder Schlimmerem. Wobei dem Beat dieses Urteil nur erspart blieb, weil die Texte auf Englisch daher kamen und ein großer Bevölkerungsanteil diese Sprache nur unzureichend beherrschte. Die Übrigen verstanden zumeist das Genuschel eh nicht und Booklets mit den Songtexten kamen erst mit der CD auf. Aber das Luder „Schlager“ erwies sich als zäher Brocken! Längst spricht man nicht mehr von Beatmusik, die wich längst einer alles überdudelnde zeitgenössische Popmusik, einem undifferenzierbaren Einheitsbrei. Zugegeben, mit Ausnahmen. Wer kennt heute noch Procul Harum oder The Animals? Aber Dagmar Frederic, Frank Schöbel und Chris Doerk, um bloß einige zu nennen, touren heute noch durchs Land. Als Udo Jürgens quasi von der Bühne herab direkt in den Himmel kam, weinten nicht nur Rentenempfänger. Und beim Eurovision Song Contest feiert der Schlager Jahr für Jahr fröhliche Urständ‘.
    Das hat offenbar nun die Stadt Fürstenwalde ins Kalkül gezogen, als sie einen betagten Schlagerbarden für das 2017er Stadtfest verpflichtete. Mein Oller und ich freuen uns jedenfalls auf Bernhard Brink, der „zur besten Sendezeit“ das Fürstenwalder Stadtfest rocken wird. Na ja, vielleicht ist „rocken“ nicht ganz das rechte Wort. Schauen wir mal, wie hoch der Altersquerschnitt des Publikums ausfällt. Aber vielleicht kommt doch ein Gutteil Jungvolk dazu, denn wie sagte ein guter Freund, selbst Musiker, so treffend: „Es gibt keine schlechte Musik, es gibt höchstens schlecht gemachte Musik!“ Und so gesehen wird zum Stadtfest ein alter Hase, eben der Bernhard Brink, sicher sein Publikum in den Bann ziehen. Lasst uns also offen sein für alles Schöne. Natürlich wird es Stimmen geben, die gegen Brink als Hauptact maulen. Ich verstehe das, und vor 20 Jahren hätten mein Oller und ich bestimmt auch dazu gehört. Warten wir doch einfach mal ab, wie er bei uns Fürstenwaldern ankommt. Und wenn die Veranstalter wieder „Baden gehen“ bleibt ihnen immer noch der alte Gassenhauer: „Pack die Badehose ein…“

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