Am Montag war Deutschlands Tag des Kopfschmerzes. Bis dato ahnte ich nicht im Mindesten, dass MeckPomm solche Bedeutung genießt! Sie erinnern sich: Landtagswahlen im hohen Norden (von Sachsen aus gesehen). Das Wahlergebnis war zwar vorauszusehen, aber alle taten überrascht. „Alles Idioten“, würde mein Mann sagen. Er meint das nicht böse! Er ärgert sich nur andauernd über das schlechte Gedächtnis der Menschen hierzulande. Keine Sorge, auch diese Kolumne bleibt selbstverständlich unpolitisch, falls das überhaupt bei einer Kolumne geht.
    Jedenfalls steht fest, dass nicht nur politische Erfolge allein durch das miserable Gedächtnis des Menschen gefeiert werden können. Der Mensch vergisst gern.  Wenn sich die Kumpels meiner besseren Hälfte in gehobener Bierseeligkeit ihres Wehrdienstes erinnern, Story auf Story zum zigsten Mal zum Besten geben, bin ich jedes Mal glücklich, dass mein Oller nicht bei der Fahne geblieben ist. Das klingt nicht wie „Es war nicht alles schlecht“, sondern eher wie „Oh Mann, war das toll!“. Es ist eine der Überlebensstrategien der Natur, den Menschen vergessen zu lassen. Doch Obacht: Das ist nicht immer gut! Stellen Sie sich vor, Sie müssten jeden Morgen aufs neue Laufen lernen. Oder den Umgang mit Messer und Gabel. So schnell vergisst man nicht? Haben Sie eine Ahnung! Wenn Politiker gewählt werden wollen, machen sie Versprechungen. Das nennt man Wahlprogramm. Nach der Wahl, quasi über Nacht, ist davon vieles bereits vergessen. Deshalb sollte man grundsätzlich Parteien wählen, die bei der Wahl zuvor die 5-Prozent-Hürde nicht geschafft hatten. Die konnten ihre Versprecher ja nicht wahr machen. Überhaupt, ohne die kollektive Vergesslichkeit würde unsere Gesellschaft ratzfatz zusammenbrechen. Erinnern Sie sich noch an BSE? Das ist keine Partei, sondern die Ursache dafür, dass wir vor Jahren unsere Rindfleischtiefkühlvorräte der Mülltonne überantworteten, weil wir Angst hatten, blöd zu werden. Oder Antibiotika im Schweinefleisch. Man gab sich überrascht, obwohl derartige Studien aller paar Jahre Sommerlöcher und Zeitungsspalten füllen. Das kann schlimme Folgen haben. Als so etwa vor Jahresfrist „Rotes Fleisch“ in Verruf kam, weil es aber auch sowas von ungesund sei, setzte ich auf eine „Weißes-Fleisch-Diät“. Sprich, ich reduzierte den Anteil „Roten Fleisches“ dadurch, indem ich konsequent eine Schweinebauch-Diät durchzog. Mit ganz viel Weiß im Fleisch. Das Ergebnis: Nach etwa 4 Wochen erklärte mir meine Waage eines Morgens: „Einer von euch muss runter!“ Und danach: „Der andere auch!“ Kürzlich sorgte eine „brandneue“ Information für völkisches Entsetzen: Limonaden enthalten Zucker! Wer hätte das gedacht! Darauf wäre ich nie von selbst gekommen. Und so viel! Es steht zwar auf dem Etikett, aber wer liest das schon? Ohne Mist, es ist wirklich verdammt viel von diesem Volksgift in den weißen, gelben oder braunen „Erfrischungs“-Getränken. Was mich irritiert ist, dass der sonst so fürsorgliche Gesetzgeber dazu keine Meinung hat. Wie gerne würde ich ab und an des Abends eine Tüte mit der Nachbarin teilen – allein, ich darf es nicht. Ist verboten. Auf den Schachteln meiner geliebten Kippen prangen neuerdings Ekelbilder. Warum sind auf den Limo-Etiketten keine amputierten Diabetikergliedmaßen zu sehen? Das erklär‘ mir mal einer. Aber schlimmer noch: Geht überhaupt noch was ohne Zucker? Meine Oma tat früher immer eine Prise Salz an den Sonntagskaffee. Als Kind fand ich das eigenartig. Heute wundere ich mich, dass selbst meine geliebte Bockwurst, und nicht nur die, Zucker hat! Ernsthaft, achten Sie mal auf die Packung oder fragen Sie erst gar nicht. Am besten, Sie vergessen es. Das Vergessen ist eine große Gabe der Natur. Würden wir uns alles merken – wir würden kurz über lang verhungern, verdursten, von Sex will ich gar nicht reden. Und wir würden nicht mehr wählen gehen. Aber das, ganz ernsthaft, geht ja nun gar nicht! Übrigens, es gibt in Deutschland noch keinen Tag der Vergesslichkeit. Schade. Ich würde den 3. Oktober dafür vorschlagen.

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