„Erna“, sagte mein Oller kürzlich zu mir, „Erna, ich geht zum THW!“ Soweit sah er eigentlich ganz gesund aus, also begann ich mir Sorgen um seine gesundheitliche Verfassung zu machen. Ich hab nichts gegen das THW, bin aber schon in einem Alter, wo man sich um die Konfirmations-Beihilfen der Enkel sorgt – will sagen, auch meine dickere Hälfte hat die Zeit, in der man eine Einberufung zum Reservistendienst befürchten muss, längst hinter sich. Nun kennen wir uns lange genug, dass er meinen fragend-skeptischen Blick durchaus zu deuten weiß. Die folgende Erklärung haute mich zwar nicht aus den Pantinen, drüber lachen konnte ich aber auch nicht. Er habe unlängst auf dem Weg durch die Stadt eine richtig große Werbetafel des THW gesehen. Echt cool, mit einem umgekippten Tankdings drauf und alles bei Nacht, so mit Licht und richtigen Männern! Sensationell! „Angeltour“ stand drüber und „Raus aus dem Alltag!“ Jedenfalls sah das alles viel, viel spektakulärer aus als bei einem PKW-Unfall auf der Gegenspur einer Autobahn, erklärte er mir aufgeregt. Ich bin schon eine üble Spaßbremse, denn mir fielen sofort diese abscheulichen Gaffer ein, die sich auf Straßen jeder Kategorie bei einem Unfall die Hälse verdrehen und das Tempo derart verringern, dass Zeit für einen Handy-Schnappschuss bleibt. Mit etwas Glück ist sogar ein Toter drauf oder zumindest ein Stückchen davon… „Raus aus dem Alltag!“ ist da für meinen Geschmack schon ziemlich makaber. Ganz zu schweigen davon, welche psychischen Belastungen so ein THWler auszuhalten hat, der dabei ist, wenn Mensch und Technik auseinander geklaubt werden. Wer kommt auf sowas? Werbefritzen? Nun, es muss aber auch für die absurdeste oder geschmackloseste Idee einen Abnehmer – sprich: Auftraggeber geben, der für den Mist am Ende bezahlt. Einer bezahlt hier auf jeden Fall: der gute Geschmack, der Anstand. Erinnern Sie sich noch an die Grillwurst-Werbung, die einem Prominenten hierzulande aufs Bein fiel? Ist noch gar nicht so lange her. Das war selbst meinem Mann zu deftig und ich darf versichern, dass es nicht der Neid war, der seine Ablehnung provozierte. Was mir aufstößt ist, dass der Gesetzgeber in Sachen Werbung sonst nur leider nur wenig Spaß versteht. Fischkonserven, auf denen Bilder nahezu unversehrter Fischleiber, nett auf Tellern angerichtet, prangen,  müssen mit dem Zusatz „Serviervorschlag“ versehen sein. Damit keiner glaubt, in der Büchse befände sich ein ganzer Hering in zwei Hälften samt Petersilie und Tomate. Deshalb der Zusatz „Serviervorschlag“. Aber haben Sie mal versucht, mit dem Pamps aus der Büchse auf diesen Vorschlag einzugehen? Viel Spaß! Wenn auf einer Ananas-Konservenbüchse eine Ananas drauf ist, leuchtet das irgendwie ein, oder? Wenn auf der Büchse einer gesunden Mischung mit Huhn und wertvollen Cerealien ein Hund abgebildet ist, ist das irgendwie doch verkehrte Welt, finde ich. Denken Sie in dem Zusammenhang doch mal an Babynahrung… Blättert man einen Versandhandel-Katalog durch, fällt auf, dass Möbel, Vasen oder andere Gefäße beispielsweise stets mit dem Hinweis gepaart sind, „Preis ohne Deko“ oder ähnlich. Keine Angst also, wenn Sie ein Bücherregal bestellen, sind noch keine Bücher drin, Sie haben also Platz für die eigenen. Zum Sektgläser-Set gibt es folgerichtig auch keine Flasche Schampus. Darauf wird eindeutig hingewiesen. Neulich nun verweilte der Blick meines Mannes ziemlich lange auf den Damenwäscheseiten eines Katalogs des GustavVersands. „Bestell doch mal sowas für dich!“, forderte er mich auf. Da das nicht so oft vorkommt, ließ ich mir das nicht zweimal sagen. Nach wenigen Tagen war das Bestellte da. Stolz präsentierte ich meinem Schatz Stück für Stück. Nach der Vorführung brummte er unzufrieden: „Eigentlich müssten die zumindest bei den Unterwäschebildern im Katalog auch immer „Serviervorschlag“ oder „Lieferung ohne Deko“ drunterschreiben.

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