Kennen Sie Joseph Marie de Maistre? Natürlich nicht. Ging mir nicht anders, und daran hätte sich auch nichts geändert, wenn ich nicht im weltweiten Netz nach dem Verursacher der These gestöbert hätte, dass jedes Volk die Regierung hätte, die es verdient. Starker Tobak, oder? Immerhin ist das Zitat aus einem Brief des Schriftstellers und Philosophen mehr als 200 Jahre alt. Ich meine, im Augenblick können wir wirklich nicht meckern. Wir Deutschen. Aber muss das so bleiben? Es ist noch nicht wirklich lange her, da hätte ich meinen Hintern darauf gewettet, dass es ein Trump nie und nimmer auf den Thron der Vereinigten Staaten schafft. Bloß gut, dass ich es nicht getan habe, ich müsste sonst jetzt im Stehen sitzen. Dabei hätte mich der Wahlsieg der PiS in Polen zumindest stutzig machen müssen. Dass das Verfassungsreferendum in der Türkei ganz nach Erdis Wunsch ausging, war so gesehen ganz und gar logisch. Nun drohen uns in gut einem Monat Bundestagswahlen. „Möchtegern-Trumps“ und „Quasi-Kaczynskis“ erklären  dem geduldigen Wahlvolk, wie schlecht es um selbiges bestellt ist. Man möchte glatt auswandern, nach Syrien oder Marokko zum Beispiel, denn hier ist es scheinbar nicht auszuhalten. Komisch, es wandert aber keiner aus. Fast.

    Fast noch bedrohlicher – weil dichter dran – im kommenden Jahr die Bürgermeisterwahl. Klar, Fürstenwalde hat sich prächtig entwickelt in den letzten Jahren. Immer, wenn wir Besuch von außerhalb bekommen, höre ich fassungslos zu, wenn Lobeshymnen über meine ehemalige Kreis- und derzeitige Heimatstadt angestimmt werden. Freilich schmeichelt es mir. Schließlich wohne ich hier. Andererseits verstehe ich es nicht. Der verlotterte Wochenmarkt! Fürstenwaldes zentraler Platz zwischen Dom und Altem Rathaus präsentiert sich mehrmals in der Woche als Sammelsurium von Buden, Pavillons, Wagen, Zelten und „Wasweißich“ mit einem recht überschaubaren Angebot an Notwendigem. Das muss doch dem Besucher auffallen! Dann die Parkverbotsfalle im Zentrum: ok, ok, alles de jure wasserdicht. Entsprechende Schilder an allen Zufahrtsstraßen. Bloß, wenn ich in eine fremde Stadt komme, wonach sucht mein Auge? Nicht danach, jedenfalls. Zehn Euro versus Imageverlust. Geld stinkt nicht.

    Und hier nochmal zur gefälligen Erinnerung: Die August-Bebel-Straße ist immer noch der kürzeste Weg zwischen Fürstenwalde und Bad Saarow – wäre sie denn durchgehend befahrbar. Nein, es wird wirklich kein 10 km langer Tunnel gebaut. Auch keine Golden Gate II. Es sind lediglich ein paar hundert Meter Straße, die grundhaft erneuert werden. Seit dem Frühjahr nun schon. Hoffen wir bloß, dass wirklich gut wird, was so lange währt. Unseren Besuch stört das nicht wirklich. Der kommt ja nur alle paar Jahre nach Fürstenwalde. Ich dagegen komme nur alle paar Jahre hier raus. Wahlkampfmunition gibt es also reichlich. Aufgemerkt, ihr Verführer! Angeprangert also! Wahlversprecht! Der dusslige Wähler wird’s schon glauben. Und ganz gewiss wieder alzheimern.

    Copy Protected by Chetan's WP-Copyprotect.
    X