Haben sie Kinder? Ich meine, schulpflichtige Kinder? Wie sieht deren Schulweg aus? Eher lang, eher kurz? Wie oft verkehrt ein Bus? Fährt überhaupt einer?
    Manche Eltern werden seit kurzem von der Sorge geplagt, wo ihr Nachwuchs demnächst zur Schule gehen wird. Denn Fürstenwalde macht wohl künftig für seine anliegenden Gemeinden die Schulen dicht. Mangels Kapazität. Es klingt ein bisschen wie: „Fürstenwalder zuerst!“ Kommt ihnen bekannt vor? Mir auch.
    Dass Schulen und Lehrer mal wieder knapp werden könnten, hatte die Politik nicht auf der Agenda, als wegen geburtenschwacher Jahrgänge Schulen zugemacht und die Ausbildung von Lehrern gedrosselt wurden. Manch gut ausgebildeter Pädagoge wurde damals sozusagen im besten Lehreralter in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Mit ansprechenden Bezügen. Kinder, die deshalb heute wer weiß wie weit zur Schule fahren müssen, dürfen diese Suppe auslöffeln. „Freie Schulwahl“ wird wieder zur wohlklingenden Phrase. Politik und Verwaltung gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Da möchte man glatt zur Eidechse werden! Dann wäre man sich zumindest der Aufmerksamkeit und Fürsorge jeder politischen Ebene sicher. Und der der Medien. Und Geld spielte dann auch keine Rolle. Bei Spitzenkosten von bis zu über 8500 € pro Tierchen kostet deren Umzug mehr als der einer vierköpfigen Familie samt Miete für ein Jahr. Verhältnismäßig? Es sei unverhältnismäßig, Arten auszurotten. Aber wird eine Art wirklich bedroht, wenn es an den Orten, um die es hier geht von ihnen nur so wimmelt? Nebenan wohnen ganz gewiss ganz viele in Ruhe weiter. Aber es ist nunmal so: Kinder haben nur eine schwache Lobby. Kinder darf man beispielsweise hierzulande getrost überzuckern. Warum müssen die süßen Überraschungen nicht auf der Verpackung deutlich sagen, dass die größte Überraschung als niedlicher Diabetes wartet. Mit einem entfernten Zuckerfuß als Illustration. Es könnten ja die Bilder aus den Tabakwarenverpackungen nachgenutzt werden. Synergie. Und wenn man schon dabei ist, könnten gleiche Warnhinweise auf einer erschreckend hohen Zahl von Kunststoff-Spielzeugen prangen. Jeder Computer ist heute besser vor Schadsoftware geschützt als unsere Enkelchen vor Schadstoffen. Wären Kinder doch wenigstens dem Juchtenkäfer gleichgestellt! Dessen Lebensräume dürfen nicht angetastet werden, es genügt der Verdacht seiner Anwesenheit.
    Aber so sind wir Deutschen: wenn wir was machen, machen wir es gründlich. Bloß machen wir eben nicht immer was. Und während im Fürstenwalder Stadtpark mit einem speziellen Gerät der Boden um die alten Bäume gelüftet, gelockert und gedüngt wird, nagt des nachts das Maskottchen einer großen Baumarktkette eine prächtige uralte Eiche nach der anderen an den Gewässern im ganzen Land kaputt. Die siechen dann noch den Sommer über dahin, um im Jahr darauf höchstens noch prächtige Nisthöhlen für Spechte abzugeben.
    So, nun muss Omi aber los, ich muss noch unser Juchtenkäferchen von der Schulchorprobe abholen. Der letzte Bus ist natürlich längst abgefahren.

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