Schuljubiläum, Digitalisierung & Sprache

Die Pandemie und ihre Folgen werden uns allen noch lange im Gedächtnis bleiben, wenn wir in den kommenden Jahren – hoffentlich – von diesen erlöst sind. Die Schüler der Erich-Kästner-Schule mit Sonderpädagogischem Förderschwerpunkt Lernen haben, wie die gesamte Schullandschaft, mit einem Wust an Regeln zu kämpfen, um der pandemischen Lage Herr zu werden. Mit der Zeit funktioniert das halbwegs, die Kinder und Jugendlichen gewöhnen sich langsam an den Umstand, ob mit oder ohne „Schnuffi“. Aber so richtig gibt es keine Lösung und den Kindern, die es gewohnt sind, in ihren Pausen zu toben und im Unterricht je nach Klassenstufe im Abstand zu Freunden mit Schnuffi zu sitzen, kann man das eigentlich auch nicht erklären.Zum traditionellen Pressefrühstück hatte die Schule in die Aula eingeladen, und wie immer gab es wieder viel Interessantes zu erfahren. Das Lehrerkollegium um Schulleiterin Petra Schumann ist immer bestrebt, die Kinder und Jugendlichen der Schule auf das Leben vorzubereiten und sie planen in diesem Rahmen viele Aktionen, die für die Schüler auch ganz wichtig sind. Die Erich-Kästner-Schule stellt ihre Schuljahre unter bestimmte Leitgedanken, um zu verdeutlichen, wie wichtig einzelnen Themenschwerpunkte im Jahr berücksichtig werden. Bei den Klassenstufen 1-6 ist „Respekt & Toleranz“ der Leitgedanke des Jahres und die Klassenstufen 7-10 beschäftigen sich mit „Medienkompetenz“.

Die komplette Schüler- und Lehrerschaft befindet sich seit Montag im besonderen Ausnahmezustand, denn die Schüler begehen eine Woche lang in allen Phasen des Schulunterrichts und allen Aktivitäten außerhalb des Schulareals die Jubiläumswoche zum 25-jährigen Geburtstag ihrer Schule. Die europäische Schulpartnerschaft mit Polen und der Ukraine spielt dabei der Schule toll in die Karten – und jetzt, wo zaghaft wieder einiges möglich ist, ist das Zusammentreffen mit den Partnerschulen eine schöne Abwechslung. Die Schüler konnten sich Mitte September mit ihren Kommilitonen aus der Ukraine und Polen in Gdansk treffen und abwechslungsreiche und aufregende Tage verbringen.

Mit beim Talk war Beate Neumeister, sie ist seit 15 Jahren Schulsozialarbeiterin, getragen von der Jusev, in der Erich-Kästner-Schule. Ihr Erfahrungsschatz ist unermesslich, doch es sei am Anfang für sie recht schwer gewesen, nicht so sehr, bei den Kindern zu landen, sondern sich den Respekt der Lehrer zu erarbeiten. Die Lehrer, die eigentlich immer Einzelkämpfer gewesen seien, empfanden sie eher als Bedrohung ihres Aufgabengebiets, als daran zu denken, dass sich die Zeiten und die Probleme nun viel vielschichtiger entpuppen würden als in vergangenen Zeiten. Es hätte gedauert, bis ein Miteinander stattgefunden habe – und heute sei sie gar nicht mehr wegzudenken.

Beate Neumeister wird gebraucht – heute mehr denn je. Das Vertrauen spielt natürlich eine wesentliche Rolle, ohne dem geht nichts. Sie habe auch in den Jahren ein Kommen und Gehen gesehen, von Mitstreitern, die den Druck und die soziale Kompetenz einfach nicht realisieren konnten. Besonders die Männer seien schneller weg gewesen als der Schall, das empfinde sie als sehr schade, denn sie würden auch gebraucht, um vielleicht hier und da die väterliche Rolle auszufüllen. Nun hat sie seit dem neuen Schuljahr eine Mitstreiterin und gemeinsam kümmern und helfen sie im Schulalltag.  

Zunehmend, so führte Petra Schumann aus, kommen auch Schüler in die Schule mit Migrationshintergrund, die die deutsche Sprache nur in Teilen bis gar nicht beherrschen, genauso wenig wie ihre Eltern. Für das Kollegium ist es nicht leicht, bestimmte Abläufe, die für uns Normalität sind, den Eltern dieser Kinder begreiflich zu machen. Man kann nicht immer davon ausgehen, dass sie verstehen, wie es um ihr Kind in der Schule steht. Dafür gibt es jetzt einen Ansprechpartner, Falah Al Rubaiey, ein syrischer Physiker im Ruhestand, der die Vermittlerrolle super ausfüllt und hilft, das Schulsystem für die Eltern und Kindern verständlich zu machen. Er sagte, dass es mit der deutschen Sprache natürlich schwer sei, aber die Eltern verstünden nun besser – halb arabisch und halb deutsch erklärt – was auf sie zukommt. Die Zeit wird zeigen, wie schnell sie die Sprache ihres Gastlandes erlernen können.

Die Digitaloffensive macht vor der Schule natürlich auch nicht halt, neue kommunikative Tafeln, Laptops und andere technische Neuerungen halten Einzug. Ein Dankeschön geht in diesem Zusammenhang an den Träger der Schule, den Landkreis Oder-Spree, der sich schnell und kompetent dafür eingesetzt hat, dass sie Unterstützung erhielten. Darüber hinaus verwies Petra Schumann auf das nachhaltige Wirtschaften in kleinen, besonderen Schritten: Ein Klassenbuch, wie wir es vielleicht noch kennen, gibt es nur noch digital und nur die Lehrer haben einen Zugang.

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