Logbuch der Veränderungen im dritten Corona-Winter

Zum Jahresbeginn ruft das Forschungsteam des Forschungszentrums [Nachhaltigkeit – Transformation – Transfer] der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde alle interessierten Bürger erneut zu Tagebucheinträgen in das Logbuch der Veränderungen auf. Sämtliche Beobachtungen und Reflektionen von Alltagsveränderungen sind willkommen. Die bisherigen Einträge wurden in sieben Masterarbeiten und drei Diskussionspapieren analysiert und aus der Perspektive der Nachhaltigkeit beleuchtet.

Corona-Pandemie, Energieknappheit, Klimakrise. Die globalen Herausforderungen sind Teil des gesellschaftlichen Alltags wie die Corona-Pandemie, die zum Umgestalten von Alltagsroutinen bewegen. Im März 2020 rief das Forschungszentrum [Nachhaltigkeit – Transformation – Transfer] die Tagebuchstudie „Logbuch der Veränderungen“ ins Leben. Seit Beginn der Pandemie konnten bereits 1.432 Logbucheinträge gesammelt werden. Sie bilden ab, welche Alltagsroutinen auf unterschiedliche Art und Weise verändert werden mussten und wie die Veränderungen individuell bewertet werden. In der Datenauswertung konnten 30 Alltagspraktiken rekonstruiert werden und sekundäre Folgen der Veränderungen beschrieben werden. So beschreiben Teilnehmende ihr verändertes Mobilitätsverhalten und die Wirkung auf andere Lebensbereiche:

„Ich habe den Eindruck, dass die Bahnen im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit immer noch etwas leerer sind, zumindest im Berufsverkehr. Und das ist sehr angenehm.“ Andere wiederum nehmen Bewertungen ihrer Beobachtungen vor: „Die Stimmung ändert sich. Die lange Zeit im „Krisenmodus“ hat aus meiner Sicht bei vielen Menschen zu einer extrem negativen Einstellung zu allem geführt.“ In den kommenden Monaten ist eine stärkere Einbindung der Logbuchschreiber geplant. Dank einer Förderung durch die Hans Sauer Stiftung können Logbuchschreiber stärker in die Auswertung einbezogen werden. In Online-Workshops werden die bisherigen Ergebnisse gemeinsam mit Bürger interpretiert werden. Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie die Alltagsveränderungen, die der Nachhaltigkeit besonders zuträglich sind, gestärkt werden können. Anfang Mai werden die Erkenntnisse des bürgerwissenschaftlichen Projekts in einer Abschlusstagung im Humboldt Forum in Berlin vorgestellt. Alle Logbuchschreiber sind zu der Tagung herzlich eingeladen.

Wie kann man mitmachen?
Das „Logbuch der Veränderungen“ ist seit dem 16. Oktober mit einer neuen Erhebungswelle online zugänglich. Obwohl die Aufmerksamkeit für Corona im Alltag zurückgeht, haben bereits 18 Logbuchschreiber bereits ausführliche Dokumentationen beigetragen. Bürgerinnen und Bürger können pseudonymisiert Alltagsveränderungen aufgrund von aktuellen Krisen dokumentieren. Rückschlüsse auf die Logbuchschreiber können nicht gezogen werden: www.logbuch-der-veraenderungen.org

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Zitate aus dem Logbuch der Veränderungen:
„Aufgrund einer LongCovid-Erkrankung kann ich seit zwei Jahren das Haus kaum noch verlassen. Mobilität spielt für mich keine Rolle mehr.“ (16.10.2022)

„Benzinpreise wegen Krieg in Ukraine auf hohem Stand! Überlege genau, wann ich mein Auto benutze. Ich fuhr vor drei Wochen bei bestem Wetter per Rad 2x 2km zu einer Veranstaltung ins Nachbardorf.“ (05.04.2022)

„Bei mir selbst hat sich in Hinblick auf die Mobilität nichts verändert, weil ich seit vielen Jahren, über 20, kein eigenes Auto mehr besitze, und entweder den ÖPNV oder das Fahrrad nutze. In meinem Umfeld konnte ich feststellen, dass auch die hartnäckigsten Autofahrer*innen öfter auf Fahrrad oder ÖPVN umsteigen, wegen der teils sehr hohen Spritkosten. …“ (17.10.2022)

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