Gedenktafel zur feierlichen Einweihung enthüllt

Am vergangenen Dienstag lud die Wohnungswirtschaft Fürstenwalde an historischer Stätte der Philharmonie zur „Vollendung des Baues“ und gleichzeitig zur feierlichen Einweihung der Erinnerungstafel ein. Viele Gäste waren der Einladung gefolgt, um bei dem historischen Ereignis mit dabei zu sein.

Bürgermeister Hans-Ulrich Hengst sagte unter anderem: Wir weihen heute symbolisch die Villen am Stadtpark ein. In Kürze werden hier Mieterinnen und Mieter einziehen oder Eigentümer ihre Wohnung in Besitz nehmen. Sie haben sich ganz bewusst für hochwertiges Wohnen in Bahnhofs- und Stadtnähe und doch im Grünen entschieden. Ganz wenige Orte in Fürstenwalde verbinden diese Vorzüge auf solch hervorragende Weise. Wenn die neuen Mieter einziehen, dann sollten sie sich auch bewusst sein, dass an dieser Stelle natürlich schon früher gelebt und gearbeitet wurde. Einen solch schönen Platz wussten auch unsere Altvorderen zu schätzen. Noch gar nicht lange her ist es, dass die zuletzt recht verwahrloste Philharmonie abgerissen wurde. Ca. 20 Jahre Leerstand und mehrere Versuche, eine Waschbärenfamilie zu vertreiben, lagen zwischen dem Abriss im Jahr 2015 und der letzten Nutzung im Jahr 1994 durch die Rote Armee. Als „Haus der Offiziere“ war die gute, alte Philharmonie fast 40 Jahre der Ort, an dem die Rote Armee im Wesentlichen unter sich ihre Kulturveranstaltungen feierte. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude für kurze Zeit für alle zugänglich und Ort für Bürgerversammlungen, Konzerte und Chorauftritte, bevor es ausschließlich den Siegern vorbehalten war. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Haus schon mehr als 80 Jahre auf dem Buckel und war für viele Fürstenwalderinnen und Fürstenwalder ein Sehnsuchtsort. Die Philharmonie, wie das Gebäude damals hieß, war ein angenehmer und schöner Ort, ein Zentrum des kulturellen und sozialen Lebens, mit dem viele Fürstenwalder schönste Erinnerungen verbanden. Und so wundert es nicht, dass von 1889 bis 1929 die Freimauerloge „Am rauhen Stein“ im Obergeschoss der Philharmonie ihre Heimstatt hatte. Deshalb begrüße ich auch an dieser Stelle recht herzlich: den Vertreter der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland, Klaus-Jürgen Wilcke, Kapitelmeister des Großen Ordens-Kapitels „Indisolubilis“ Berlin, den Vertreter der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“, Thomas Engel, National-Großmeister, den Vorsitzenden Meister der Johannislogen „Zum aufrichtigen Herzen“ Frankfurt (Oder), und Frau Christa Wolff aus Hamburg, Tochter des Fürstenwalder Freimaurers Walter Loechel (von 1931-1935). Auch wenn das Freimaurertum bis heute für die allermeisten ein Buch mit sieben Siegeln ist und eine gewisse Verschwiegenheit ja auch zu den Prinzipien der Freimaurer gehört, so können wir uns doch ganz sicher darauf einigen, dass die fünf Grundideale der Freimaurer, nämlich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität, nicht nur die Ideale der französisch-bürgerlichen Revolution in sich aufnehmen, sondern mit dem Aufruf zu Toleranz und Humanität auch heutige Erfordernisse bereits vorweg genommen haben. Auch die Vorstellung der Freimaurer, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten aller führt, würde auch heute so manchem sehr gut tun. Insofern ist es aus meiner Sicht sehr, sehr löblich, mit dieser Tafel an diese großartige, humanistische Tradition zu erinnern, die auch in Fürstenwalde bis Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts gelebt wurde. Vielleicht ist die Enthüllung dieses Schildes, die wir heute vornehmen, ein guter Schritt in diese Richtung, die der Freimaurerei auch den Nimbus der Geheimniskrämerei ein Stück weit nimmt und Transparenz herstellt. Ich jedenfalls wünsche dem Häuserensemble zufriedene Bewohner. Ich danke allen am Bau Beteiligten und wünsche den Eigentümern und Mietern, dass sich ihre Wünsche und Erwartungen realisieren.

florian-wilkeHistoriker Florian Wilke

Vor 155 Jahren wurde der Grundstein für eine erste Bebauung an dieser Stelle gelegt. Gegen Ende des 19 Jahrhundert hieß das Haus dann „Philharmonie“ und wurde annähernd 25 Mal umgebaut , dabei entstanden unter anderem auch größere Säle. Man hatte noch Pläne, das Gebäude aufzustocken, aber der Erste Weltkrieg machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und die Pläne wurden verworfen. Es kam noch eine zweite Kegelbahn hinzu, ein kleines Kulissenlager und moderne, aber nicht passende Fenster an der Frontseite, aber die Qualität der Anbauten wurde mit der Zeit immer schlechter. Nach 1945 gab es dann Bürgerversammlungen durch die sowjetische Militäradministration und für kurze Zeit wurde auch kulturell einiges veranstaltet. Kurze Zeit später übernahm die Rote Armee den Komplex, machte aus der Philharmonie ein Kulturhaus der Streitkräfte und nannte es „Haus der Offiziere“. Auch in dieser Zeit wurde angebaut. Nach der Wende war das Haus dem Verfall preisgegeben.

stefan-sarrachStefan Sarrach zur Geschichte

Es war ein Zufallsfund im Fürstenwalder Museum: Lose, handschriftliche Blätter, die von Christa Wolff, Tochter des Fürstenwalder Freimaurers Walter Loechel, Anfang der 90ziger Jahre dem Museum überlassen wurden. 1935 hatten die Nazis die Freimaurerlogen verboten. Ab 1945 war kein Platz mehr für die geheime Bürgerliche Loge im Osten. Walter Loechel sammelte im Verborgenen alles, was mit der Loge zu tun hatte und behütete das Wissen. Auf einem Zettel der Sammlung standen auch noch Adresse und Telefonnummer der Tochter, und man konnte den Kontakt herstellen. Es ergaben sich weitere Hinweise, die bis in das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz nach Berlin führten. Dort stieß man auf eine Sammlung mit Dokumenten der Freimaurerlogen. Besonders wertvoll ist ein Kalender Walter Loechels, der alle Geburts-und Hochzeitstage seiner Logenbrüder mit Daten ihrer Aufnahme beinhaltet. Am 22. März 1989 gründeten 19 Fürstenwalder Freimauer die St. Johannis-Loge am „rauhen Stein“ und pachteten die erste Etage der Philharmonie.

error: Der Inhalt ist geschützt!
X