Traditionen & neue Herausforderungen  

    Ein Jahr vor der Wende stand für Eberhard Freyberg fest, dass es mit der gesamtwirtschaftlichen und politischen Situation in der DDR so für ihn nicht weitergehen konnte. Jedoch wollte er nicht, wie so viele andere, das Weite suchen und das Land Richtung Westen verlassen. „Das ist doch meine Heimat! Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich geheiratet, hier habe ich meine Kinder aufgezogen und hier ist mein Lebensmittelpunkt“, sagt Freyberg im Gespräch. Eines wollte er aber, genau wie viele andere auch: Veränderung – und seine Veränderung sollte heißen, nicht mehr nach der Melodie der Obrigkeit zu tanzen. Und so wie der Freiheitsdrang bei vielen eintrat, so eben auch bei Eberhard Freyberg. Voller Ehrgeiz hatte er für sich eine Idee entwickelt, um das weitere Auskommen der Familie zu gewährleisten. Die Familie wusste bis dato nur sehr vage von den ersten Gedanken zur Selbständigkeit, dafür war aber der Freundeskreis im Bilde.

    Als er mit seinen Plänen an die Öffentlichkeit trat, standen dann Familie und Freunde hinter ihm, und sogar die Gemeinde begrüßte den Schritt, am Bahnhof in Wendisch Rietz einen Imbiss zu eröffnen. „Eigentlich wollten wir zum 1. Mai eröffnen, aber wie es immer so ist, alles Gute ist ja nie beieinander“, erinnert sich Eberhard Freytag. Der Imbiss wurde dann mit Freunden und Familie aufgebaut und bekam auch schließlich seine Zulassung am 1. Oktober 1988 – und war fortan ein beliebter Treff. Durch das nahegelegene Erholungsgebiet, das sehr stark frequentiert war, hatte er sein Auskommen. In der Woche kamen an drei Tagen, so erzählte er, immer so um die 600 neue Gäste – „und die haben auch Appetit mitgebraucht!“ Sein gastronomisches Verständnis war allgegenwärtig, immerhin hatte er schon bei der Handelsmarine gekocht und wusste, worauf es ankam.

    Es gab natürlich hier und da auch Probleme zu lösen, aber im Osten der damaligen Zeit kannte man sich und jeder nutzte die Chancen, die er hatte, um das Angebot qualitativ hochwertig zu halten oder auch kleine Neuerungen mit einzufügen. Als die Wende kam, wurde es still und man musste sich neue Wege erschließen. Eine dieser Ideen war das Motorradtreffen, das wurde von einigen belächelt. „Zur damaligen Zeit“, so Eberhard, „waren wir immerhin schon 12 Motorrad-Enthusiasten. Ich fahre ja selbst Motorrad, eine Honda, eine wirklich treue Seele. Natürlich haben wir das Motorradtreffen am Märkischen Buffet ausgebaut. Wir sind doch Ossis, wenn nicht wir, wer dann?“ Die Zeit des Aufbruchs war gekommen, die 90ziger waren die Zeit des wilden Ostens. Freunde kamen und holten sich Rat für die bevorstehende Selbständigkeit, immerhin wusste Eberhard schon, worauf es ankam und konnte mit seinem Wissen gut helfen.

    Mit Freude erinnerte er sich an den angehenden Eigentümer der Storchenklause, der in der Wendezeit die Erfahrungen von ihm nutzte. Anfang der 2000er Jahre, so erinnertet er sich, kam der erste wirkliche Knackpunkt in der eher erfolgreichen Geschichte des Märkischen Buffets, als die B 246 komplett neu ausgebaut wurde. Das kennen wohl viele Gewerbetreibende aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn der Weg zum Geschäft für die Kunden versperrt ist. Eberhard Freytag konnte noch von Glück reden, dass die Gemeinde dabei ein Einsehen bei den Mietzahlungen hatte. In der Folge erwarb er das Areal und baute es, soweit die finanziellen Mittel zur Verfügung standen, weiter aus. 2010 zog er sich zurück und überließ seinem Sohn Steffen das Feld – mit seinen 30 Jahren war der genau im richtigen Alter und die Erfahrung hatte er auch, da er in seiner Jugend oft ausgeholfen und sich so sein Taschengeld aufgebessert hatte.

    Zweimal im Jahr sind die Biker da, zum Saisonanfang & zum Ende, und da kommt dann quasi ganz Brandenburg zu Besuch. Dann ist rund um das Märkische Buffet der Ausnahmezustand – alles, was nur im Entferntesten mit Motorrad zu tun hat, ist in Wendisch Rietz zu Gast. Auch wenn sich Eberhard zurückgezogen hat, steht er dann und wann noch mal hinter der Theke und hilft aus, besonders eben bei den Treffen der Biker. „Es ist eben eine Frage der Einstellung“, sagt der alte Hase. „Wir sind eine Familie und füreinander da!“

    Ja, die Zeiten haben sich geändert und die Herausforderungen gleich dazu. Er vermochte noch 7 Tage die Woche durchzuarbeiten, doch derzeit, das sagt auch Steffen, ändern sich die Bedürfnisse der Gäste. Daraus zieht er nun eine Konsequenz und wird für die Wintermonate das Märkische Buffet in den Winterschlaf versetzen – aber nicht so lange, denn das Frühjahr steht schon bald vor der Tür und dann ist Saison!

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