Maulbeerbaum-Pflanzung & historischer Geschichtsvortrag

    Seit Montagvormittag ist Erkner um einen Baum reicher. Aus Anlass des Jubiläums 100 Jahre Bahnhofsiedlung wurde ein Maulbeerbaum auf dem Siedlerplatz gepflanzt. Auf die Frage von Bürgermeister Henryk Pilz, ob denn eines der Kinder aus dem Kinderhaus „Sonnenschein“ schon mal einen Baum gepflanzt hat, war gleich der kleine Leon zur Stelle. Er war der erste Helfer, der die große Schippe griff, die viel größer im Vergleich zum kleinen Steppke war. Das dazugehörige Wasser kam von der Physiotherapie Sabrina Ludin, die den fast zwei Meter großen Maulbeerbaum mit Wasser versorgen wird. Eine richtige Patenschaft ist hingegen die Schule „Am Rund“ eingegangen, die sogar zwei Baumpatinnen zur Pflanzaktion entsendeten.

    Waren schon zur Baumpflanzaktion um die 50 Siedler dabei, sprengte die Abendveranstaltung am Montagabend alle Erwartungen. Mehr als 70 Gäste kamen ab 18 Uhr in den Großen Saal der GefAS, um den offiziellen Auftakt der Feierlichkeiten rund um die Bahnhofsiedlung zu begehen. Auf das Datum genau vor 100 Jahren wurde die Siedlungsgenossenschaft „Eigen Heim“ G.m.b.H. gegründet. Die Mitglieder dieser Genossenschaft bauten die Bahnhofsiedlung auf.

    Zwei Vorträge standen im Mittelpunkt des Abends. Ortschronist Frank Retzlaff sprach über die Vorgeschichte der Bahnhofsiedlung. Dazu diente ihm Material aus dem Landeshauptarchiv Potsdam, welches bisher unveröffentlicht ist. Bereits im Jahre 1906 wurde im „Berliner Tageblatt“ für Erkner ganz rege Werbung gemacht.

    Da stand sinngemäß zu lesen, dass Erkner „der schönste Vorort Berlins“ sei. Geplant war zu diesem Zeitpunkt ein Villenviertel zu schaffen, so zwischen Bahnhof Erkner und Woltersdorf. Kurios war nur: dieses Areal gehörte gar nicht zu Erkner, sondern zum Köpenicker Forst. Und so fand zuerst einmal in den Jahren 1907/1908 eine Umgemeindung statt. Ab 1909 befassten sich ca. 30 Gremien und Institutionen mit dem Bebauungsplan und meldeten sich auch zu Wort, wobei jeder nur seine eigenen Interessen im Blick hatte, vermutete Frank Retzlaff. Dann kam der Erste Weltkrieg und nach dem Ende trat im Jahre 1919 das Reichssiedlungsgesetz in Kraft. Dies besagte, wo kein gemeinnütziges Siedlungsunternehmen vorhanden war, sollte dies entstehen, um neue Ansiedlungen zu schaffen.

    Dies war ein wirksames Instrument damals, um der Wohnungsnot entgegen zu treten. Immerhin entstanden in der Bahnhofsiedlung nach der Gründung der „Eigen Heim“ G.m.b.H über 400 Parzellen mit Häusern und ca. 1250 Quadratmeter große Gärten, vornehmlich zur Selbstversorgung. An den Vortrag von Frank Retzlaff, der mit historischen Dokumenten reich bebildert war, schloss sich ein Referat von Dr. Horst Miethe an. Er verlas persönliche Bekenntnisse der Siedler von den Anfangsjahren bis hin zur DDR-Zeit.

    Ein geselliges Beisammen rundete diesen Tag voller Erinnerungen ab.

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