Elf Mädchen und drei Jungen aus sechsten Klassen des Landkreises Oder-Spree haben am Samstag in Fürstenwalde in der Aula der Europaschule Palmnicken den Sieger auf Kreisebene im Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ermittelt. Sie waren zuvor bei Schul- und Stadtausscheiden als beste Vorleser ihres Jahrgangs gewählt worden. Alle waren zu diesem Ausscheid pünktlich zur Stelle und saßen gespannt mit ihren Eltern bereit. Die Aufregung konnte man spüren bei den Finalisten an diesem Samstagnachmittag. Die Vorlesekultur war recht beachtlich, dem einen viel es leicht, dem anderen war das so nicht geheuer. In jedem Falle war zu bemerken, dass sich alle gut vorbereitet hatten und auf wichtige Details achteten – nicht nur zu lesen, sondern auch ins Publikum zu schauen und mit Gestik zu punkten. Die jungen Bücherfans nahmen das Publikum zunächst in kurzen Leseproben aus selbst gewählten Lieblingsbüchern mit auf eine abwechslungsreiche Reise – ins Meer, in die Welt des Katers Winston, zu Drachen und Halbvampiren. Andere Teilnehmer lasen Geschichten, die Abenteuer mit Pferden, den Streit unter rivalisierenden Fußballteams oder die Trennung der Eltern thematisieren. Ganz gut hatte das Beatrice Schlender mit ihrem selbstbewussten Auftreten verstanden, voll fröhlich die Bühne betreten, eine kurze und prägnante Vorstellung ihres Buches „Hilfe, ich bin ein Genie“ zu geben und mit klarer Aussprache und Betonung die Geschichte zu lesen. Bei Wiebke Nikolay hingegen war alles ganz anders, sie nahm das Ganze entspannter als die vorhergehenden Mitstreiter. Sie nahm Platz, lehnte sich zurück und stellte mit klaren Worten ihr Buch vor, „Ostwind 2“, schaute den Zuhörern ebenfalls offen ins Gesicht und achtete ebenfalls auf richtiges Betonen und Gestik. Die drei Jungs versuchten natürlich auch, sich mit ihren Lieblingsbüchern in die Herzen der Jury zu lesen, doch sie hatten es um einiges schwerer. Als alle 14 Finalteilnehmer den ersten Teil hinter sich gebracht hatten, gab es eine kleine Verschnaufpause. In der Zwischenzeit kam die Jury zusammen und tausche sich schon mal aus, bis dann der zweite, etwas schwierigere Teil seinen Anfang nahm. Es galt, eine Textpassage aus einem vom Veranstalter ausgewählten Buch vorzutragen, das die Teilnehmer vorab nicht kannten. Es war die Geschichte eines Kindes, das an seinem 12. Geburtstag erfährt, dass es adoptiert wurde. Viele überzeugende Kurzlesungen machten der fünfköpfigen Jury, die besonders auf Lesetechnik, Interpretation und Textverständnis achtete, die Entscheidung nicht leicht. Im Sport würde man von einem Zielfotoentscheid sprechen, den Henriette Lange für sich entscheiden konnte. Die 11-jährige Gewinnerin des Kreisausscheids besucht in Beeskow die Grundschule an der Stadtmauer. Besonders gern liest sie lustige Geschichten und Abenteuer. Marina Aurich, die mit ihrem Team des Archiv-, Lese- und Medienzentrums der Kreisverwaltung den Lesewettstreit organisiert hatte, wünschte der Gewinnerin viel Glück für die nächste Wettbewerbsrunde und allen im Saal weiter jede Menge Lesespaß. Der deutschlandweite Wettbewerb der jungen Vorleser erlebt derzeit seine 58. Auflage. Mehr als 600.000 Kinder der sechsten Klassen beteiligen sich in jedem Schuljahr am Lesewettstreit. Die Aktion soll zur aktiven Auseinandersetzung mit Büchern anregen, gibt Einblicke in die Vielseitigkeit der Kinder- und Jugendliteratur, fördert aber auch das gegenseitige Zuhören.

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