Maria, du lebst in unseren Herzen und Erinnerungen fort


 

Wir trauern um unsere Freundin und Genossin.

Die kleine Maria Meinl kennt jeder in der Stadt. Immer aktiv, immer unterwegs. Selbst in den letzten Monaten, in denen sie so sehr gegen ihre schwere Krankheit ankämpfen musste, war sie mit ihrem Rollator in der Stadt zu treffen.

Maria Meinl war immer da und immer überall. Sie war es, die die Stadt zu Fuß erlief und daraus ihr Wissen um Zustände und Umstände zog. Ständig „auf Achse“ und somit bestens informiert für ihr großes Ehrenamt, Stadtverordnete der LINKEN zu sein. Dafür wurde sie auch mit dem Goldenen Raben der Stadt geehrt. Fraktionsübergreifend. Geachtet und anerkannt. Diese Ehrung war auch eine Anerkennung ihrer Lebensleistung vor und nach 1989.

Die Anerkennung für einen sehr persönlichen und oft auch schmerzhaften Prozess der Selbstbefragung, -überprüfung und auch Korrektur von Positionen und Meinungen, die einmal „unverrückbar“ erschienen. Und dies immer öffentlich, immer in der ersten Reihe – auch immer anfeindbar.

Wie im November 1989, als sie als einzige der SED-Kreisleitung vor dem Dom sich den Menschen, ihren Fragen und ihrem Zorn stellte. Das hat ihr Achtung eingebracht. Mancher Mann hatte nicht den Mut dieser kleinen Frau. Sie war eine durch und durch politische Frau und stand konsequent zu ihrem Leben, auch dem als Sekretär für Agitation und Propaganda der SED-Kreisleitung.

Maria war eine immer auf Ausgleich bedachte Frau. Sie suchte keinen Streit; Streit war ihr fremd und tat ihr körperlich weh. Eher war sie harmoniesüchtig. Doch Ungerechtigkeiten machten sie wütend. Sie kämpfte ihr Leben lang für Gerechtigkeit, für eine Welt in Frieden und Solidarität!

Deshalb engagierte sie sich bis zuletzt für den Solidaritätsdienst SODI und seine Hilfsprojekte für die Kinder aus der durch die Katastrophe von Tschernobyl am stärksten verstrahlten Zone in Weißrussland. Dem kleinen Kyrill, einem schwerkranken Jungen von dort, war sie die deutsche Oma. Sie organisierte die aufwendige Behandlung im Helios-Klinikum. Sie gewann die Ärzte ebenso wie sie mithalf, das Geld für die Behandlung und den Aufenthalt in Deutschland zu sammeln. Dieser Junge verdankt Maria nicht mehr und nicht weniger als sein Leben. Wobei die Katastrophe von Tschernobyl für Maria zum persönlichen Thema wurde: Sie reiste mehrfach in die Witebsker Region und sammelte fleißig Spenden bei fast jeder Gelegenheit.

Viele Fürstenwalder kennen sie als „Oma der Stadt“. Sie war für viele Kinder die Oma mit den Bonbons. Die wusste, ob es zum Sport oder zum Vorspiel geht. Die kein Spiel und keinen „Auftritt“ ihrer richtigen oder einfach „adoptierten“ Enkel verpasst hat. Eine Beziehung über Generationen, waren doch die Mütter dieser Kinder oft selbst Kinder der Hortnerin und Erzieherin Maria Meinl.

Sie trieb uns alle an, wenn es um Kinder ging. Sie hat darauf gedrungen, dass anlässlich des Frühlingsfestes oder des Kindertages Kinderfeste organisiert wurden. Sie kümmerte sich um Spiele, Kuchen, Brause und bewegte viele Menschen für ihr Ziel: immer das jeweils beste Kinderfest für die Kleinsten der Stadt.

Und ja, Maria Meinl war Mitbegründerin des Bündnisses für Familie unserer Stadt. Maria Meinl war, obwohl sicher eine der ältesten, ein mitfiebernder, brennender FSV-Union-Fan! Zum Fußball kam sie über ihren Enkel Johannes. Sie war aktive Mitstreiterin beim Fürstenwalder Heimattiergarten. Tierpatin ebenso wie Fördermitglied und gerne Mitreisende der Tierparkfahrten. Hier durfte dann oft der „Zehn-Uhr-Sekt“ ebenso wenig fehlen wie bei den Fahrten des Städtepartnerschaftsvereines, in dem sie aktiv mitwirkte.

Viele Jahre leitete sie bei der FIKS eine eigene Selbsthilfegruppe – war ansprechbar für Betroffene, obwohl sie selber betroffen war. Maria Meinls Wunsch an uns Nachgeborene war immer: Seid füreinander da und verwehrt niemandem Hilfe, der sie so dringend benötigt.

Viele Jahre kümmerte sie sich um Charlotte Fenske, eine der letzten Verfolgten des Naziregimes unserer Stadt. Mit ihr verband Maria mehr als nur eine tiefe Freundschaft. Sie hatte Hochachtung vor dieser kleinen Frau, die den Nazis so mutig entgegentrat. Eine Straße nach der Antifaschistin Charlotte Fenske in Fürstenwalde zu benennen, war ihr Wunsch. Noch in diesem Jahr wird es diese in der Ketschendorfer Feldmark geben.

In Fürstenwalde gab es keine Anti-Nazi-Demo ohne Maria Meinl. Die Mitbegründerin der Fürstenwalder Plattform gegen Rechts war gerade auch für viele junge Fürstenwalder als weltoffene, tolerante und auf Integration von Minderheiten bedachte Mitstreiterin ein Vorbild.

Jeder gesundheitliche Rückschlag macht Maria stärker statt schwächer. Ein Vorbild in ihrer – trotz sächsischer Wurzeln – eher preußischen Selbstdisziplin, gerade sich selbst gegenüber.

Doch zum Ende hin versagten auch ihre Kräfte. Sie hat losgelassen und verstarb in der Nacht zum 4. Februar friedlich nach langem Kampf gegen den Krebs.

Stephan Wende

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