Diese seltsamen Deutschen

Ehrlich – ich verstehe die Deutschen nicht! Präziser formuliert: Ich verstehe UNS Deutsche nicht! Da gelingt es einer Organisation, die vorgibt, das Abendland retten zu wollen, Tausende auf die Straße zu bringen. Bloß wegen ein paar Hunderttausend Flüchtlingen. Es werden Ängste geschürt, dass der Kulturverlust einer ganzen Nation drohe. Mal nebenbei und unter uns: Wenn ich an das Fernsehprogramm der Privatsender denke, empfinde ich den Verlust dieser Kultur nicht als einen solchen. Das ist es aber nicht, was mich verwirrt. Mich irritiert das irrationale Verhältnis der Deutschen zu den wirklichen Gefahren oder Skandalen. Sind wir wirklich nicht mehr in der Lage zu erkennen, wovor wir uns wirklich fürchten müssten? Fangen wir mal beim Thema „Gefahr“ an, und da bin ich schon bei einem meiner Lieblingsthemen: „Glyphosat“, ein universelles und hoch wirksames Herbizid (Unkrautvernichtungsmittel). Sie erinnern sich? Es geht immer noch hin und her, ob verbieten oder nicht, ob krebserregend oder nicht. Es gibt da sich widersprechende Untersuchungen und Gutachten, je nachdem, wer sie in Auftrag gegeben hat. Die Medien messen diesem Thema nur wenig Bedeutung bei, entsprechend gering ist die öffentliche Wahrnehmung. Wie es aussieht, soll die Frage, ob das Mittel tatsächlich krebserregende Stoffe enthält, ganz offensichtlich durch einen weltweiten Feldversuch geklärt werden. Mit uns als Versuchskarnickel. Kürzlich schlug eben dieses Unkrautbekämpfungsmittel hohe Wellen in deutschen Bieren. Na ja, mag sich mancher gedacht haben, ich trink eh‘ keins. Inzwischen zweifele ich daran, ob es überhaupt noch Produkte gibt, in denen keine Spuren des Glyphosats zu finden sind. Nicht nur Bier wird aus Getreide gemacht – denken Sie mal an das Brot. An Gebäck allgemein! Ich warte auf den Tag, wo Backwerk, ähnlich wie bei Tabakwaren, mit Banderolen versehen wird, die Warnhinweise und Ekelbilder tragen. „Frühstücksbrote gefährden Ihre Gesundheit und die Ihrer Lieben!“ „Vollkornbrötchen – gut für den Darm, aber krebserregend!“ Haben Sie sich auch schon mal gefragt wenn Sie in landwirtschaftlich schönen Gegenden unseres Landes unterwegs waren, warum auf Möhrenackern tatsächlich NUR Möhren wachsen? Kein Stück Unkraut dazwischen! Untersuchungen fanden Glyphosat-Rückstände auch in Baumwollerzeugnissen. Dazu zählen nicht nur Unter- und Oberbekleidung, sondern z.B. auch Tampons. Nun trägt es sicher nicht zum Wohlbefinden bei, wenn der feinen Baumwollfaser Reste von Kletten oder Brennnesseln beiwohnen. Die Frage aber sei erlaubt, ob der Preis dafür nicht recht hoch angesetzt ist. Nicht nur die Baumwollfelder in Übersee werden durch das Universalherbizid „sauber“ gehalten. Größter Beliebtheit erfreut sich Glyphosat auch beim Anbau von Soja. Kaum noch ein Bereich der Lebensmittelproduktion kommt ohne diese Multifunktionsbohne  aus.

Ob das Zeug inzwischen auch im Tier angekommen ist? Ja, was glauben Sie denn?! Natürlich lagert sich das Pflanzengift aus dem Tierfutter (nicht nur aus dem Sojamehl) im Fleisch der Schlachttiere an. Trotzdem, viel Spaß beim nächsten Grillen – soll ja ohnehin das Krebsrisiko steigern. Läge hier nicht mal ein Grund vor, auf die Straße zu gehen, um zu protestieren? Man schlüge dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Es wäre tatsächlich mal ein Beitrag zur „Rettung des Abendlandes“, und man käme nicht zum Grillen – und das ist zweifellos gesünder.

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