Teilhabe an der Gesellschaft – nur ein Schlagwort?

Geht es dem Ministerium wirklich um das Wohl der Kinder?

Die Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Lernen“, Erich Kästner in Fürstenwalde, engagiert sich seit Jahren auf hohem Level für ihre Schüler. Das wurde wieder ganz deutlich am vergangenen Dienstag beim Halbjahres-Pressegespräch. Die Lehrerschaft ist immer bemüht, ihren Schülern nur das Beste zu bieten und diese mit in das Geschehen einzubinden. Die AG Konfliktlosten ist so ein Beispiel: Die Lehrer hatten die Schüler, die Interesse hatten, dazu aufgerufen, sich für die Teilnahme an dieser AG anzumelden. Es waren bis zu 20 Schüler, die Interesse zeigten, als dann aber klar wurde, worum es geht, blieben nur 7 Schüler übrig. Diese wollten es aber wirklich wissen. Es geht, wie es der Name schon sagt um Konfliktlösungen. Sie werden dabei von Ivette Linde, der Schulsozialarbeiterin, angeleitet und unterstützt. Der Inhalt ist denkbar einfach: Es ist wichtig, dass die Kinder lernen Konflikte zu lösen und es kommt darauf an, wie man das machen kann. Die Kinder sprechen ihre eigene Sprache und verhalten sich auch anders als Erwachsene. Also liegt es nahe, dass es Kinder gibt, die ihre Altersgenossen verstehen und so zur Lösung mehr beitragen können als Erwachsene. Natürlich ist bei den Begegnungen der Streitparteien immer ein Erwachsener zur Unterstützung dabei, um wenn nötig helfend einzugreifen. Es hat sich aber gezeigt, dass dies oftmals nicht nötig ist. Am Beispiel von Lise-Marie und Anne konnte man das sehr gut einschätzen: Etwas zögerlich erzählten sie von ihrer bewundernswerten Arbeit mit ihren Mitschülern und dass es ihnen nicht nur Spaß macht, sondern dass sie auch etwas für die Zukunft lernen – eben Konflikte zu lösen. Es soll schon vorgekommen sein, dass diese Erkenntnisse sogar im privaten Umfeld zum Erfolg geführt haben. Zweites großes Thema war die Schülerbegegnung im polnischen Skawina, ein Vorort von Krakau, Anfang Mai dieses Jahres. Frau Rieger, Klassenleiterin der Klasse 6a sowie Projektleiterin der Schülerbegegnung in Krakau, war federführend an der Realisierung beteiligt. In Vorbereitung auf diese Fahrt nach Polen nahmen die Lehrer Kontakt zur Botschaft auf. Diese reagierte und schickte eine Lehrerin, die dann den Schülern im wahrsten Sinne des Wortes einen Crashkurs in den wichtigsten Verhaltensformen und Einblicke in die Sprache gab. Die Kinder der Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt waren begeistert von diesem Angebot und lernten schnell. Die Fahrt war geprägt von Stolz und Spaß, weil es in ein für die meistern Kinder fremdes Land ging und sie dort auch Kinder aus Polen sowie der Ukraine kennenlernen konnten. Das Kennenlernen war dann aber doch etwas schwieriger als gedacht, aber, wie die Schulsprecher David und Marvin sagten: „Es gibt ja noch Arme und Bein und etwas Englisch.“ Mit einem Tanzprojekt fielen dann schnell die Ängste auf beiden Seiten, alle Kinder lernten HipHop und als Nebeneffekt sich auch gegenseitig kennen. Gemeinsam erkundeten sie in der Folge die Stadt Krakau, dabei veranstalteten sie auf dem zentralen Marktplatz einen sogenannten Flashmob. Sie begeisterten dabei Touristen aus Österreich, Norwegen, Israel und anderen Ländern so sehr, dass viele spontan einfach mitmachten. Genau das sind Erlebnisse, die die Kinder garantiert nicht so schnell vergessen werden. Der letzte Tag war am traurigsten, denn nun waren sie Freunde geworden und mussten wieder zurück nach Fürstenwalde. Der positive Aspekt hierbei ist, so Sylvia Schumann, Schulleiterin der Förderschule Erich Kästner, dass die Kinder dem Englisch-Unterricht nun besser folgen und sich anstrengen, die Sprache zu erlernen und diese dann auch einsetzen. Weitere Themen waren die Fahrradprüfung der 6. Klasse, der geplante zentrale Wandertag zum Kindertag und das jährlich stattfindende gemeinsame Sportfest Mitte Juni. Besonderer Stolz wird es für die Schüler der Förderschule Erich Kästner sein, wenn die Jahrgangsstufe 10 schulintern ihre schriftliche Abschlussarbeit in den Fächern Mathematik und Deutsch schreibt und auch eine praktische Prüfung ablegt. Ein gewisses Manko gibt es allerdings hierbei: Die Abschlüsse werden nicht anerkannt. Man ist schon seit Jahren bemüht, hier eine Lösung zu finden und eine Akzeptanz im Ministerium für Bildung Jugend und Sport in Brandenburg zu realisieren. Die Gespräche hierzu haben stattgefunden, nur leider gibt es bis heute keine Resonanz aus dem Ministerium. Denn wenn die Kinder auch in diesem Stadium ihres Lernprozesses einen anerkannten Abschluss bekämen, würde ihr Selbstwertgefühl dadurch noch mehr gestärkt werden. Das ist es doch eigentlich, was das Ministerium propagiert – Inklusion und Teilhabe an der Gesellschaft. Also warum engagiert man sich hier nicht?

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