Anlässlich der Veranstaltung zum Tag der Befreiung am  vergangenen Sonntag auf dem Ottomar-Geschke-Platz, spach der Vorsitzende der Linksfraktion, Stephan Wende, Worte des Gedenkens (Auszug):  Sonntag vor 71 Jahren, am 8. Mai 1945, wurde der zweite Weltkrieg in Europa beendet. Zwölf Jahre nationalsozialistische Diktatur und fast sechs Jahre Krieg, die Verfolgung der europäischen Juden und unzähliger anderer Opfer hatten – eine unvorstellbare, furchtbare Zahl – 55 Millionen Menschen den Tod gebracht. Vor 74 Jahren beendeten die heranrückenden Armeen der Alliierten das unmenschliche System der Konzentrationslager, jener Stätten des Grauens, in denen seit 1933 unschuldige Menschen, Juden, Sinti und Roma, Christen, Sozialdemokraten und Kommunisten gequält, gefoltert und ermordet wurden. Krieg und Terror, Bombenkrieg, Flucht über Land und See und Vertreibungen, das sind Begriffe für unendliches Leid. Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung von diesem menschenverachtenden System und es ist der Tag des Endes der Kämpfe. An diesem Tag bekennen wir erneut unsere Entschlossenheit zum Engagement für den nach dem Kriege erreichten Frieden, und wir wissen uns all‘ jenen tief verbunden, die die Hand zur Versöhnung reichten. Wir gedenken heute in Trauer der Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft. Wir gedenken dabei insbesondere der Millionen Juden, die in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden. Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma, der damals sogenannten Geisteskranken und Abartigen, der Menschen, die um ihrer religiösen oder politischen Überzeugung willen litten und starben. Wir gedenken der Opfer des Widerstandes in den besetzten Staaten und der Opfer des deutschen Widerstandes. Und wir gedenken derer, die als Gerechte unter Einsatz ihres eigenen Lebens Menschenleben retteten. Wir gedenken der Zivilbevölkerung, die – als der Krieg heimkehrte – bei Fliegerangriffen, in Gefangenschaft, bei Flucht und Vertreibung ihr Leben verlor. Ihr allen gemeinsames Opfer, das der verfolgten Menschen und geschundenen Völker, mahnt uns, den Widerstand gegen alte und neue Nazis gemeinsam zu organisieren. Dabei dürfen wir nie vergessen, wie systematisch die Nazis damals vorgegangen sind, um Massenmord und Weltkrieg vorzubereiten. Das ist der Grund, warum wir überall und an jedem Ort alten und neuen Nazis die Stirn bieten. Der demokratische und soziale Rechtsstaat, in dem alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht,  in dem die Grund- und Menschenrechte geachtet werden,  in dem demokratische Parteien, freie Gewerkschaften und Religionsfreiheit ebenso garantiert sind wie die Verpflichtung zur Sozialstaatlichkeit ist das, was die Mütter und Väter des Grundgesetzes als Antwort auf die Nazis formuliert haben: Statt Menschenverachtung und Tyrannei – Menschenwürde und Demokratie.

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