Perfekte Umrahmung für Eintrag ins Goldene Buch

quintastik-konzert-erkner-2

Die Stadt Erkner hatte in der letzten Woche in den Rathaussaal zum weihnachtlichen Konzert eingeladen. Die Besonderheit war, dass man an diesem Abend nicht nur das wunderbare Konzert des Querflötenensemble „Quintastik“ genießen konnte, sondern auch noch Zeuge einer besonderen Auszeichnung wurde, die ein verdienter Bürger der Gemeinde für sein Schaffen und Wirken erhalten sollte. Das Konzert der fünf jungen Virtuosen war ein ausgesprochener Hörgenuss. Der Klang der Querflöten hat etwas Entspannendes, den tiefgreifenden Stücken von Vivaldi über Smetana bis hin zu Gershwin zu lauschen, war für die Gäste ein schönes und intensives Erlebnis. Im weiteren Verlauf des Abends wurde Pfarrer i.R. Josef Rudolf mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Erkner geehrt. Nicht vielen wird solch eine besondere Ehre zuteil. Die Laudatio sprach Reinhard Peschke: Den Grundsatz, den Pfarrer Josef Rudolf in seinen 42 Priesterjahren geprägt hat, war „Kirche darf sich nicht nur innerhalb der Kirchenmauern vollziehen, sondern sie muss auch in die Welt hinein hören“. So sei es für ihn undenkbar gewesen, nur für die Seelsorge seiner Gemeinde da zu sein. Er war auch immer in der Gesellschaft präsent. Zwei Beispiele aus seiner Zeit in Schöneiche machen dieses sehr deutlich: Als Rektor des damaligen Sprachen-Seminars ging er im Januar 1990 zusammen mit seinen Theologie-Studenten in die Ruschestraße nach Berlin, um an der Erstürmung der Stasizentrale teilzunehmen. Und als Pfarrer leitete er gemeinsam mit seinem evangelischen Amtsbruder den dortigen Runden Tisch, an dem man begann, das DDR-Unrecht aufzuarbeiten. 2004 übernahm er die St. Bonifazius Gemeinde in Erkner. Sein Wirken war immer mit Enthusiasmus und Zielstrebigkeit verbunden. So hat er sich Initiative der evangelischen Pfarrerin Cordula Heilmann hin mit ins Geschehen eingebracht und dafür gesorgt, dass der jüdischen Bürger, die durch den Nationalsozialismus in Erkner ihr Leben verloren, in Form von Stolpersteinen gedacht wurde. Beide Kirchen bildeten gemeinsam mit andern demokratischen Kräften aus Politik, Wirtschaft, gesellschaftlichen Kreisen und Schulen sowie Bürgern der Gemeinde einen Arbeitskreis. Nach langen und aufwendigen Recherchen konnten dann 2006 die ersten Stolpersteine verlegt werden. Weitere Projekte begleitete er, wie beispielsweise die Städtepartnerschaft von Erkner und Choluchow oder auch das Lokale Bündnis für Familie. Ein großer Verdienst ist Pfarrer Rudolph zuzuschreiben: Er verstand es, Menschen für Aufgaben zu begeistern. In seiner Gemeinde konnte er so manchen dafür gewinnen, sich gesellschaftlich zu engagieren. Durch sein Wirken wurde die katholische Gemeinde immer sichtbarer, denkt man da nur an die Festumzüge bei den Heimatfesten. Dort präsentieren sich ganz selbstbewusst die Mitglieder der Bonifatius Gemeinde, seit 2015 übrigens gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde. Die Stadt Erkner und die Gemeinde Bonifatius tun einander gut. Geschätzt wird Pfarrer Josef Rudolf nicht nur wegen seiner Offenherzigkeit, er hat auch die seltene Gabe, ein guter Zuhörer zu sein. Durch seine offene, kommunikative und auch humoristische Art konnte er sehr gut Brücken schlagen.
Nach der Ehrung sagte Pfarrer i.R. Josef Rudolf, er wäre darauf hingewiesen worden, hier jetzt keine Predigt zu halten. Das fiele ihm zwar schwer, aber es gehe in Ordnung. Er bedankte sich für die vielen herzlichen Worte und für die Ehre, sich ins Goldene Buch eintragen zu dürfen. Er schloss mit einem Kompliment an den Bürgermeister: „Wenn Sie zum vorweihnachtlichen Konzert laden, kommen so viele Menschen. Mir ist das leider zu oft nicht vergönnt gewesen.“

error: Der Inhalt ist geschützt!
X