Seit dem 1. Januar 2015 gelten im Bereich der Pflege neue gesetzliche Regelungen.

Es sind rund 20 Jahre vergangen, seit in der Bundesrepublik Deutschland die Pflegeversicherung eingeführt wurde. Es wurde seinerzeit immer mehr von künftigen und stärker wachenden Finanzbedarf für die Pflege und von immer mehr hilfsbedürftigen Menschen gesprochen. Die Pflegebedürftigkeit hat nicht  immer etwas  mit dem Alter zu tun. Es kann jeden von uns treffen.  Eine Diagnose wie Alzheimer hat in der heutigen Zeit etwas von einem früheren Schrecken verloren. Die Krankheit und der Umgang damit sind uns vertrauter und alltäglicher geworden. Die schicksalhafte Unausweichlichkeit von Alzheimer ist jedoch geblieben. Und mit ihr der Druck auf alle Beteiligten, die gestellten Anforderungen mit Würde und Menschlichkeit zu meistern. Viele wissen aus persönlichen Erfahrungen, was das im Einzelfall an zusätzlichen Belastungen für das Familienleben und den Arbeitsalltag mit sich bringen kann. Die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf spielt immer mehr eine entscheidende  Rolle in unserer Gesellschaft. Die zurzeit geltenden Gesetze zur finanziellen und personellen Unterstützung der Pflegebedürftigen und ihrer familiären, privaten oder professionellen Betreuer spiegeln die tatsächlichen Belastungen noch längst nicht realistisch wider. Leider vollzieht das jetzt in Kraft getretene erste Pflegestärkungsgesetz keineswegs einen märchenhaften Wechsel. Dennoch, es bleiben berechtige Wünsche für künftige Änderungen offen.

Trotzdem sind mit den neuen Regelungen in vielen Bereichen spürbare Verbesserungen zu verzeichnen. Gezielte Entlastungen sind zum einen bei den erhöhten Unterstützungsleistungen, wie bei Kurzzeit-, Verhinderungs-, Tages- und Nachtpflege. Neben mehr Geld gibt es mehr Spielraum bei der Kombination verschiedener Leistungen. Damit wird mehr Rücksicht auf die jeweiligen Lebens- und Arbeitssituationen pflegender Angehöriger und, oder anderer nahestehender Betreuerinnen und Betreuer genommen. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick!

1. Verbesserte Vereinbarkeit von Pflege und Beruf 

Der Begriff des „nahen Angehörigen“ wurde zeitgemäß erweitert (Stiefeltern, lebenspartnerschaftliche Gemeinschaften, Schwägerinnen und Schwäger), verankert ist ein Rechtsanspruch und Kündigungsschutz bei: bis zu 10 arbeitsfreien Tagen mit Lohnersatzleistungen im Akutfall; bis zu 6 Monate Pflegezeit (davon bis zu 3 Monate Begleitung in der letzten Lebensphase) mit zinslosem Darlehen; bis zu 24 Monaten Familienpflegezeit mit zinslosem Darlehen.

2. Mehr Spielraum für individuelle Lösungen

Ansprüche von Pflegezeit und Familienzeit dürfen je nach persönlichem Bedarf kombiniert werden und ineinander übergehen. Ab sofort können verschiedene Unterstützungsleistungen (wie Tages- und Nachtpflege sowie Kurzzeit- und Verhinderungspflege) in der jeweils gewünschten Kombination beansprucht werden.

3. Erweiterte Entlastung im Fall von Demenz

Anspruch auf Kurzzeitpflege sowie Tages- und Nachtpflege ab sofort auch für versicherte Demenzkranke der sogenannten Pflegestufe 0! Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen  (sogenannte niedrigschwellige Angebote wie „Hilfen im Haushalt oder „Alltagsbegleiter“ u. a.)

Bei Demenz-Erkrankten werden die oben genannten Leistungen mit monatlich bis zu 208 Euro bezuschusst. (alle anderen Pflegebedürftigen erhalten maximal die Hälfte dieses monatlichen Satzes)

Niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote können auch anstelle eines Teils der Pflegsachleistungen beansprucht werden.

4. Mehr Geld für ein barrierefreies Zuhause

Stärkere Förderung bei Umbaumaßnahmen: auf bis zu 4.000,00 Euro pro Maßnahme (von vorher 2.557,00 Euro) im Einzelhaushalt; auf bis zu 16.000,00 Euro für Pflege-Wohngemeinschaften. Beispiele für Umbaumaßnahmen: Beseitigung hinderlicher Schwellen, Umbauten für barrierefreie Badezimmer, Treppenlifte u.a.m.)

Für Ihre Fragen zu den neuen Betreuungs- und Entlastungsleistungen und insbesondere zu Pflegestufen stehen Ihnen die Pflegeberater der Krankenkassen sowie die Pflegestützpunkte und ABC-Beratungsstellen gerne zur Verfügung. Dort werden Sie als Pflegebedürftige und als pflegende Angehörige bestens betreut.

Empfehlen möchte ich Ihnen die Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, diese bietet Ihnen umfangreiche Informationen und erläutert die seit dem 1. Januar 2015 geltenden Neuerungen im Rahmen des Gesetzes zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Die Voraussetzungen und Möglichkeiten zur Inanspruchnahme von Pflegeunterstützungsgeld, Pflegezeit, Familienpflegezeit und zinslosem Darlehen werden ebenso dargestellt, wie Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Auf der Internetseite www.wege-zur-pflege.de finden Sie alle wichtigen Informationen, Merkblätter, Broschüren und Formulare zum Thema Familienpflegezeit zum Herunterladen im PDF-Format sowie den Verweis zur Berechnungshilfe der Familienpflegezeit. Gern berate und unterstütze ich Sie persönlich.

Ihre Birgit Bartolf,
Gleichstellungs-, Ausländer-, Behinderten- und Seniorenbeauftragte

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