Ehrlichkeit & Mut zum Gestalten

„Service wird die neue Qualität von morgen sein“

Helios-Neujahrsempfang-8Ich hatte bereits die Gelegenheit, in diesem Jahr mehrere Neujahrsempfänge zu besuchen – der der Stadt Fürstenwalde hat mich am meisten beeindruckt, endete er doch am Ende mit „Trebus Helau / Fürstenwalde Helau“ und das trotz eines zumindest in Teilen völlig zurecht belastenden Bildes des Jahres 2016. Gerade erst ist das Jahr 2016 zu Ende gegangen, der Jahresabschluss für die Region steht – im Ergebnis eines der schwersten, für die Region, uns und mich das schwerste Jahr bislang und dennoch haben wir bis zum Ende und auf der Zielgeraden alles gegeben, den Mut zwischenzeitlich nicht sinken lassen. Dafür meinen herzlichen Dank an Sie alle. Das macht uns eben gemeinsam aus – gemeinsam gewinnen und verlieren. Dass, was so weithin politisch manifestiert wird – „die Welt ist aus den Fugen“ galt in manchen Teilen auch für uns – Begriffe wie postfaktisch und die Aussage „was passiert, wenn Fakten nicht mehr heilig sind“ sind Themen, mit denen wir bereits 2016 in unseren Krankenhäusern der Region konfrontiert wurden und vermutlich auch in der Folge in einer weiter schneller und emotionaler werdenden Zeit im täglichen Umgang mit Menschen stellen und dies akzeptieren müssen. Am Ende – trotz vieler fordernder Situationen im Jahr 2016 – die Erkenntnis – wir machen es besser, haben weithin Mut, auch kritische Themen mit Ehrlichk eit und Offenheit anzugehen, haben verstanden, dass das Aufschieben von Entscheidungen die Dinge nicht besser macht, dass nur Mut, Dinge vor anderen zu entscheiden und durchzustehen Chancen birgt und es eben viel Kraft und Reife und Durchhaltevermögen braucht, Dinge visionär zu denken, zu entscheiden zu gestalten und durch- und auszuhalten. Bundespräsident Joachim Gauck hat es mehrfach beschrieben „sobald ein Bürger die Achseln zuckt und sagt, „was geht es mich an“ bekommt der Staat ein Problem – solange es möglichst viele gibt, die von den Angelegenheiten sagen „Das geht mich an“, so lange lebt der Staat. Überträgt man dies in die Krankenhäuser der Region, so werden wir weiter erfolgreich sein, solange die große Mehrzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Dinge in unseren Kliniken händelt wie ihre eigene Angelegenheit und nicht so tut, als ginge es sie alles nichts an – das ist unsere große Aufgabe, auch in den nächsten Jahren und insbesondere auch in 2017. Im Kleinen wie im Großen haben wir allzu oft mit Gleichgültigkeit und zu wenig Identifikation zu tun. Unsere Region Mitte Nord hat am Ende des Jahres 2016 nochmals an medizinischer Qualität zugelegt, ist am Ende die beste HELIOS Akut Region mit 90% erreichter medizinischer Ziele – Bad Saarow erreicht dies auch. Beeindruckende Leistung – sehr herzlichen Dank an Sie alle. Wird das gesehen und honoriert und ist das am Ende genug, um erfolgreich zu sein? Nein, allein gute Medizin zu machen, reicht nicht mehr aus, das machen auch andere. Das habe ich bereits im letzten Jahr gesagt, aber noch nicht wirklich eine Idee für ein wie besser gehabt – jetzt wissen wir, wenig mehr kann ganz viel wert sein. Ein Wartezeitenmonitor auf der Rettungsstelle in Berlin Buch zum Beispiel. Bei diesem Pilotprojekt sehen die Patienten nach Triagierung, wie lange sie voraussichtlich zu warten haben und bekommen am Ende eine Information aufs Handy, wenn es nur noch 20 Minuten sind (das werden wir in 2017 auch in den anderen Häusern der Region haben), die Umstellung der Patientenbefragung – bislang hat der aktuelle Patient nichts von einer Anmerkung oder Anregung, die er während seines Patientenaufenthaltes macht – das werden wir ändern und online gestalten, so dass eine Bemerkung zum Essen zur Reinigung etc. bis zum Mittag des Tages eine Reaktion erzeugt und der Patient eben sieht, dass sich Einbringen Sinn macht und Veränderung schafft (auch das werden wir für Bad Saarow ins Auge fassen).
Apps, in denen die Patienten die Befunde ihrer Aufenthalte sehen, Termine in Sprechstunden über Callcenter oder online gebucht werden können – keine Vision mehr – aktuell in der Befassung mit den Datenschützern – gehe ich davon aus, werden wir in 2017 in die Realität überführen und auch für Patientinnen und Patienten in Bad Saarow und der Region anbieten. Service wird die neue Qualität von morgen sein – das trifft auch für Krankenhäuser der Region zu. Dazu gehört auch, dass wir uns mit unseren Standorten weiter öffnen und den Anforderungen unserer Partner stellen – realisieren wir heute bereits unterstützend für den Landkreis die Einschulungsuntersuchungen für kommende Schülerinnen und Schüler, denken wir im Moment darüber nach, betriebsärztliche Untersuchungen und Checkups bei Vertragspartnern außerhalb unserer Kliniken anzubieten. Neben all den Servicethemen dürfen wir die Medizin aber dennoch nicht aus den Augen verlieren, auch hier haben wir uns dem Fachkräftemangel und den daraus resultierenden Herausforderungen zu stellen – Mut, die Regionalisierung der Medizin zu betreiben, Zentren wie das HELIOS Gefäßzentrum Berlin-Brandenburg mit drei Kliniken in Berlin und Brandenburg unter Leitung von Andreas Gussmann oder das orthopädische Zentrum in Sachsen-Anhalt mit Beteiligung von vier Kliniken unter Leitung von CA Friedrichs zu gründen und eben nicht mehr an jedem Standort im Ringen um Fälle und BWR jeden hochspeziellen Eingriff durchzuführen, greift der Mindestmengendiskussion weit voraus – erzeugt aber weiter Sicherheit für unsere  Patienten. Diesen Weg werden wir trotz auch interner Verlustängste weiter zu gehen haben. Sicher ist, wir haben genug Ideen auch für das Jahr 2017 und werden sie in die Realität umsetzen, wenn wir es weiterhin schaffen, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Erfordernisse zu vermitteln, so dass sie die Dinge als ihre eigene Angelegenheit betrachten. Wir bleiben klar konsequent, durchsetzungsstark und ehrlich: Wir entscheiden Dinge, weil wir die Zeit reif dafür halten, uns mit den Fakten beschäftigen und Mut zum Gestalten haben, die Dinge nicht nur aufs Verwalten beschränken und nicht dem Postfaktischen erliegen.
Bad Saarow hat all diese Tugenden über die Jahre auf sich vereint und wird das auch in 2017 weiter tun. War die Entscheidung, eine Kita zu gründen, lange eine schwer zu vertretende visionäre Position, stehen wir drei Jahre danach nun mit vielen Widerständen im Kita Bedarfsplan – haben die Kita auch ohne finanzielle Unterstützung betrieben und werden uns unter den gleichen Vorzeichen in 2017 mit der Idee befassen, die 81 Plätze wegen des dringenden Bedarfes deutlich aufzustocken. Nachdem wir nun wissen, dass in Schulen der Umgebung Viertklässlern beim Wechsel der Hortsituation auf den Schulhof „No go areas“ gezeigt werden, weil dort gedealt wird, werden wir uns im Interesse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Kooperationspartner damit befassen, neben den Kita-Plätzen auf unserem Gelände auch eine Schulsituation zu erzeugen. Dass wir nach dem Abschluss der Sanierung und Modernisierung, dem Neubau der Rettungswache nochmals bauen werden, haben wir auch nicht gedacht – mutig angegangen, geplant und dem Konzern das Konzept vorgestellt, haben wir es in 2016 geschafft, nochmals ca. 18 Mio. Euro Eigenmittel zur Verfügung gestellt zu bekommen, um unser Haus Zukunft für Sie nochmals auszubauen – Themenfelder wie Onkologie und Altersmedizin sind weiter fordernde Aufgaben und mittlerweile behandeln wir  im Jahr ca. 35.000 stationäre Patienten in Bad Saarow. Einen großen Teil dieses Geldes werden wir bereits 2017 in den zu errichtenden Neubau stecken und sicher auch ein weiteres Richtfest zu feiern haben. All dies geht nur, wenn wir medizinisch in Bad Saarow so erfolgreich weiter arbeiten, wie bisher – Lücken zu füllen, die erfolgreiche Chefärzte wie Andreas Gussmann in Bad Saarow hinterlassen, weil sie sich für die Region einer noch größeren Herausforderung stellen, ist nicht leicht – umso stolzer bin ich, dass es nach Chefarzt Hallmann mit Dr. Jens Kühn erneut gelungen ist, einen Mann aus den eigenen Reihen zu nominieren – das macht den Standort aus. Lieber Jens, Dir alles Gute dafür. Zugleich bin ich dem Kollegen Osel sehr dankbar, dass er sich der fordernden Aufgabe des Ärztlichen Direktors gestellt hat und die damit für ihn so oft beschriebene komfortable Situation des Hinterbänklers verlassen und in die von ihm so oft als unkomfortabel beschriebene Sandwichsituation begeben hat. Ich weiß, lieber Kollege Osel, was das für Sie heißt und bin mir sehr sicher, dass wir gemeinsam mit Ihnen das Mannschaftsgefüge in Bad Saarow nochmals im Interesse unserer niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und im Interesse der Patientinnen und Patienten verstärken werden.
Am Ende ist es wie immer – wir müssen und werden zu unseren Entscheidungen stehen – Mut zur Veränderung behalten – Dinge anders machen, auch gegen Widerstände von außen und vor allem die Dinge immer als eigene Angelegenheit betrachten. Nur dann werden wir die Dinge besser als andere machen und erfolgreich bleiben. Dafür brauchen wir Sie alle, gehen wir es also an. Ich danke Ihnen, den Chefärzten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich für Ihren Mut, Dinge zu entscheiden, Ihre Bereitschaft, auch schwere Zeiten gemeinsam mit uns zu gestalten, Ihre Bereitschaft, die Aufgaben als eigene anzunehmen und Ihrem dauernden Bestreben, Veränderungen als Aufgabe anzunehmen und zu bewegen. Danke und Ihnen allen nun ein gutes gesundes Jahr 2017!

„Effizienz und Medizin gehören zusammen“

Helios-Neujahrsempfang-9 Das ökonomische Prinzip, aus immer Weniger immer Mehr zu machen und nach ständiger Effizienzsteigerung zu streben, ist uns allen präsent. Die diskutierte Frage ist, dürfen Krankenhäuser – darf die Medizin das auch? Wir sind ein privater Krankenhausträger und erwirtschaften Gewinne. Wir streben nach Effizienz und kommunizieren das offen. Im letzten Jahr war es der Bericht von Wallraff, in jüngster Presse der Spiegelartikel über den Klinikkonzern Asklepios, die dieses Effizienzstreben anprangern und vor fatalen Folgen warnen. Asklepios steht dort sinnbildlich für die Privatisierung im deutschen Gesundheitssystem. Kernbotschaft: Krankenhäuser werden gnadenlos auf Rendite getrimmt, zulasten von Personal und Patienten. Mir dessen bewusst, habe ich in der Vergangenheit im privaten Bereich manchmal sogar gezögert, wenn ich nach meiner Tätigkeit gefragt wurde. Ich habe dann pauschal gesagt, ich arbeite im Krankenhaus. Ich wollte der Diskussion über private Träger aus dem Weg gehen, denn die parolenhafte Meinung à la Spiegel ist leider allzu oft präsent. Aber stimmen mediale Bewertungen der Krankenhausprivatisierung mit unserer gelebten Realität überein? Sicher nicht. Erlauben Sie mir an dieser Stelle dem Thema unseres Gastredners vorzugreifen und meinen eigenen „Frühjahrsputz im Kopf“ mit Ihnen zu teilen. Für mich ist klar: Effizienz und Medizin gehören zusammen und können bei uns sehr gut funktionieren! Was wir in unserem Haus durch diese Effizienz im letzten Jahr erreicht haben, ist beachtlich. Wir sind wieder Akademisches Lehrkrankenhaus geworden! Darüber hinaus besetzen wir mit dem Chefarzt für Pathologie, Prof. Koch, nun den Lehrstuhl für Pathologie an der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Wir unterstützen durch Stipendien mehrere Medizinstudenten und werden durch die Mitarbeit an der MHB auch viele Ärzte im Praktischen Jahr nach Bad Saarow holen, ausbilden und so für unsere Region begeistern. Effizienz und mit ihr finanzielle Stärke sind hierfür notwendig. Ohne dies wäre ein solches Projekt undenkbar. Was haben wir noch geschafft? Wir werden in diesem und im nächsten Jahr unseren notwendigen Erweiterungsbau realisieren. Wir schaffen somit notwendige Kapazitäten, um die steigenden Patientenzahlen adäquat zu betreuen. Wir erweitern die Radiologie, um auch die Diagnostik für die Patienten schneller und besser abzubilden. Wir bringen durch den Anbau wichtige Schnittstellen für die Patientenbetreuung zusammen. So vereinen wir Kinderklinik und Geburtshilfe in einem Mutter-Kind-Zentrum. Die Neurologischen Stationen kommen näher zueinander. Das Weaningzentrum erhält mehr Platz und vieles mehr. Sehen Sie einmal, wie sich allein das Außenbild unseres Hauses seit der Privatisierung verändert hat – und es wird sich weiter entwickeln! Erweiterungen im Medizinischen Versorgungszentrum – von vielen Außenstehenden kritisch beobachtet und mit Ängsten und Befürchtungen verbunden. Für den Einzelnen aber sicher ein Segen, wenn der Sitz nicht verloren geht, sondern die Nachbesetzung durch das Klinikum übernommen wird und den Patienten somit die wohnortnahe Versorgung garantiert bleibt. Wäre das ohne Effizienz und wirtschaftlichen Erfolg möglich? Nein. Deshalb bin ich sehr stolz, für einen privaten Klinikträger zu arbeiten, welcher diese Kraft hat. Kraft, unsere Ziele und Wünsche zu verwirklichen. Kraft, Veränderungen zu erreichen und die Kraft, es auch auszuhalten, wenn es stürmisch wird. Das ist mein ganz persönlicher Frühjahrsputz im Kopf. In diesem Sinne, freue ich mich nun auf die Gedanken von Dr. Sven Sebastian zu seinem „Frühjahrsputz im Kopf“. 

„Moment, ist jeder Medizin?“

Helios-Neujahrsempfang-10 Im Namen der Ärztinnen und Ärzte des HELIOS Klinikums Bad Saarow möchte ich Sie herzlich zum Neujahrsempfang des Klinikums Bad Saarow begrüßen. Sehr geehrter Herr Pfarrer Haupt, Ihnen als Hausherren des Doms zu Fürstenwalde möchte ich recht herzlich für Ihre auch in diesem Jahr gewährte Gastfreundschaft danken. Viele von Ihnen sind bereits im Vorfeld dieses Neujahrsempfangs an mich herangetreten und haben ihr Interesse an meiner Rede bekundet, da ich ja durch die Übernahme der Funktion „Ärztlicher Direktor“, aus der kommoden Situation der Opposition nunmehr in eine Sandwichposition zwischen Medizin und Ökonomie „geraten“ bin. Lassen Sie mich auch deshalb besonders zwei Gedanken in den Vordergrund meiner Neujahrsrede stellen. Zu den ökonomischen Leistungen und der Leistungsfähigkeit des Hauses, zu den verwirklichten und geplanten Projekten 2016 und 2017 ist bereits Einiges gesagt worden. Ja, im vergangenen Jahr wurden 1.000 Patienten mehr als im Vorjahreszeitraum behandelt und ja, auch ein deutliches Umsatzplus wurde erzielt. Ist das denn alles? Sicherlich nicht. Die Ökonomisierung des Deutschen Gesundheitswesens, die Einführung diagnosebezogener Entgelte und die, vom Kodierungsgrad abhängige, Fallschwere war und ist keine Erfindung der deutschen Medizin, gleichwohl sich die Ärzteschaft durch nur geringem Widerstand „auszeichnete“. Dass Privatisierung und Medizin funktionieren können, hat HELIOS auch hier in seiner mehr als 10-jährigen Geschichte am Standort Bad Saarow bewiesen. Aber ist denn Wachstum unendlich? Ich denke, nein. Und können wir als Ärzte eine positiv regulierende Funktion einnehmen? Ich denke, ja. „Jeder Moment ist Medizin“ lautet der Leitspruch des HELIOS Konzerns und er muss, auch unter der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wohl eine Transformation erfahren. „Moment, ist jeder Medizin?“ sollte das alternative und ärztlich bestimmte, in eine Frage veränderte Korrektiv lauten. Glauben Sie uns, wir Ärzte, auch am HELIOS Klinikum Bad Saarow arbeiten für Ihr Leben gern und ja, wir sind die Vertreter eines der ältesten Berufe, denen die Aufopferung für unsere Patienten, Medizin zum Wohle der uns Anvertrauten und ein tief verwurzelter Altruismus innewohnt. Die in unserer modernen Gesellschaft zunehmende Arbeitsverdichtung, das „Messen“ der erbrachten Arbeitsleistung, das Überführen von Industrienormen in das Gesundheitssystem hat zu einer Entfremdung, zu einer schleichenden Vergiftung des von Vertrauen geprägten Arzt – Patientenverhältnisses geführt. Die Verrechtlichung der Medizin hat ihr Übriges getan. Wie sonst ist die Zunahme von Ansprüchen wegen vermeintlicher „Fehlbehandlungen“ erklärbar, wie sonst die von den Krankenkassen nunmehr auch honorierte Zweit- und Drittmeinung, die ja nichts Anderes als gesetzgegossenes Misstrauen dokumentiert? Der Umgang des Arztes mit dem Patienten hat sich inzwischen zu einem Umgang des Patienten mit dem Arzt gewandelt. Zahlreiche internetbasierte „Prangerplattformen“ bieten dem qualifizierten und auch dem nichtqualifizierten Patienten die Möglichkeit, „seinen Arzt“ ohne Gegenwehr zu beurteilen und, wenigstens verbal, zu bestrafen. Gewalt Ärzten gegenüber, meine sehr verehrten Damen und Herren, hat fast ein Viertel der deutschen Hausärzte schon einmal erlebt, zwei Drittel der Ärztinnen und ein Drittel der Ärzte fühlen sich bei Hausbesuchen nicht sicher. Die Zahlen stammen aus einer Studie der TU München. 1.500 Ärztinnen und Ärzte wurden befragt. 1986 hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil festgestellt, das sich das von Paternalismus geprägte Verhältnis des Behandlers zu seinem Patienten zu einem grundgesetzlich verankerten, auf der Freiheit des Persönlichkeitsrechts beruhendem Verhältnis auf „Augenhöhe“ verändert hat. Wir Ärzte nehmen dieses Verhältnis zunehmend zwiespältig wahr. „Gelebt, geliebt, geraucht, gesoffen und alles dann vom Doktor hoffen“ hat Eugen Roth in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts etwas drastisch festgestellt. Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist ja tatsächlich so. Das ist schon immer so gewesen und wird sicherlich auch in der Zukunft so sein. Gehen Sie bitte immer davon aus, der Arzt ist auf Ihrer Seite, nichts Menschliches ist ihm fremd. Liebe Patientinnen und Patienten, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste, lassen Sie uns gemeinsam, gerade auch in diesem neuen Jahr den Fokus auf einen fairen Umgang miteinander, auf eine hochwertige und qualitätsindikatorgeeichte Medizin richten. Lassen Sie uns das besondere Arzt-Patient-Verhältnis, ein in seiner Einmaligkeit und Empfindlichkeit herausragendes, fragiles System durch Vertrauen und Verständnis, durch Empathie und Altruismus erhalten und weiterentwickeln. Ich wünsche uns allen ein gesundes Jahr 2017.

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