Innovative Technik hilft Patienten mit undichter Herzklappe

In der Klinik für Kardiologie am Helios Klinikum Bad Saarow ist im Juli an inzwischen zwei Patienten eine neuartige Reparatur einer undichten Herzklappe mit einer Spange durchgeführt worden. Insbesondere bei Patienten, für die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters oder einer schweren Grunderkrankung eine Operation am offenen Herzen zu riskant wäre, setzen die Kardiologen dieses neue Behandlungsverfahren ein.

Nahezu zehn Prozent der Menschen über 70 Jahre entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Im Rahmen der Herzinsuffizienz kommt es regelmäßig zu einer Vergrößerung der Herzkammern, die wiederum zu einem Auseinanderdriften der Herzklappensegel führt. Die Folge dieser Umbauvorgänge im Herzen ist eine Undichtheit der Mitralklappe (eine der vier Herzklappen). Eine undichte Mitralklappe führt nicht nur zu einer verminderten Belastbarkeit und Luftnot des Patienten, sondern ist auch prognostisch ungünstig für ihn. Mit jeder Herzaktion wird ein Teil des Blutvolumens durch die undichte Mitralklappe in die Lungenstrombahn zurückgestaut. Betroffene Patienten neigen daher zur Kurzatmigkeit. „Eine Mitralinsuffizienz ist eine ernstzunehmende Herzerkrankung, die rechtzeitig diagnostiziert und behandelt werden muss, um die drohenden Folgeerscheinungen zu verhindern“, sagt Dr. med. Udo Zacharzowsky, Chefarzt der Klinik für Kardiologie im Helios Klinikum Bad Saarow.

Da in der Vergangenheit bis zu 50 Prozent der Patienten mit einer Herzinsuffizienz aufgrund ihrer Begleiterkrankungen herzchirurgisch nicht versorgt werden konnten, wurden neue minimalinvasive Verfahren, wie das „Carillon® System“ entwickelt. „Ganz ohne Eröffnung des Brustkorbs wird eine Nitinolspange in die große Herzvene eingesetzt, um eine Raffung des Mitralklappenrings zu erreichen. Durch die Raffung werden die Herzklappenränder wieder näher aneinander geführt, so dass die Undichtigkeit der Herzklappe reduziert wird“, erläutert Chefarzt Dr. med. Udo Zacharzowsky. „Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass mit diesem Verfahren nicht nur die Funktion der Mitralklappe verbessert wird, sondern auch die Vergrößerung der Herzkammern aufgehalten oder gar vermindert werden kann“, fügt er hinzu.

Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose. Direkt im Anschluss wacht der Patient im Herzkatheterlabor auf und erhält einen Druckverband an Leiste oder Handgelenk. Die weitere Überwachung erfolgt für etwa eine Nacht auf der Intensivstation. Vor der Entlassung wird der Effekt auf die Mitralklappeninsuffizienz mittels Herzultraschall überprüft. Die weiteren Kontrollen können dann ambulant beim Kardiologen erfolgen. Eine dauerhafte Blutverdünnung ist nicht erforderlich.

Die zwei Patienten, die im Bad Saarower Klinikum erfolgreich mit dem „Carillon® System“ behandelt wurden, litten an einer schweren Herzklappenschwäche (Mitralklappeninsuffizienz). Nach den Eingriffen kam es bei den Patienten bereits zu einer messbaren Raffung des Klappenrings. „Die von uns gesetzten Nitinolspangen werden in den folgenden sechs bis zwölf Monaten zu einer weiteren Reduktion der Mitralklappeninsuffizienz führen, so dass sich die Lebensqualität der behandelten Patienten langfristig deutlich verbessern wird“, erklärt Dr. med. Matthias Reimann, Leitender Oberarzt der Kardiologie.

Bildunterschrift:
Ein interdisziplinäres Team freut sich über den Behandlungserfolg
Ramon Götze, Anästhesiepfleger; Dr. med. Udo Zacharzowsky, Chefarzt Klinik für Kardiologie; Cindy Seiler, Schwester Herzkatheterlabor; Dr. med. Stefan Wirtz, Chefarzt Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie; Ines Thiel, Leitung Herzkatheterlabor; Dr. med. Matthias Reimann, Leitender Oberarzt Klinik für Kardiologie; Denise Makowski, Regional Manager & Clinical Specialist

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