Was ist Armut und wer gilt als arm?

Die Definitionen von Armut sind unterschiedlich und spiegeln vielfältige Positionen gegenüber den Ursachen, den Möglichkeiten und der Erfassung sowie der Bekämpfung der Armut wider. Armut besteht aus einer Kombination von Einkommensarmut, und zwar geringe Rente, Pension oder geringe weitere Einkünfte und der Lebenslagenarmut zum Beispiel schlechte Wohnverhältnisse, Gesundheit sowie soziale Beziehungen und Kontakte. Armut bedeutet immer eine Unterversorgung in wesentlichen Lebensbereichen. Damit kann Armut nicht allein als absolute Armut, das heißt Mangel an lebensnotwendiger Nahrung, Kleidung, Unterkunft oder Gesundheitsfürsorge, Gefährdung und/oder unmittelbare Bedrohung der physischen Existenz verstanden werden, sondern ist stets im Verhältnis zu den jeweiligen Lebensverhältnissen wirklichkeitsnah zu betrachten. Diese Betrachtungsweise wird als relative Armut bezeichnet. Als arm gelten demnach Menschen, die über zu geringe materielle, soziale und persönliche Möglichkeiten verfügen, um ihren dritten und vierten Lebensabschnitt im Vergleich zum allgemeinen Lebensstandard einigermaßen zufriedenstellend zu gestalten. In der Regel folgt daraus eine soziale Ausgrenzung für diese Menschen. Die vielfältigsten Ursachen von Armut im Alter sind in der Regel im Lebenslauf erworben. Mangelnde Bildungschancen führen meistens zu niedrig qualifizierten Arbeitsplätzen mit geringen Entlohnungen. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist höher als bei qualifizierter Arbeit. Geringer Lohn, Langzeitarbeitslosigkeit sowie die Minderung der Erwerbsfähigkeit sind Hauptrisikofaktoren, um in Altersarmut zu geraten. Gesundheitliche Beeinträchtigungen und die Pflegebedürftigkeit kommen hinzu.

Wie kann sich materielle und immaterielle Armut zeigen?

Armut im Alter wird in der Gegenwart, insbesondere im öffentlichen Raum, immer deutlich sichtbar. Der alte Mensch, der Flaschen sammelt, um das Pfand einzulösen, gehört inzwischen zum Bild der Stadt. Folgende Erscheinungsformen und Kennzeichen lassen sich in Bezug auf Armut im Alter nennen: Zunehmende Erwerbsnotwendigkeit älterer Menschen; eine steigende Inanspruchnahme von Grundsicherung; verschämte Armut, d. h. Mangel an Geld, der verheimlicht wird  und durch  Einsparungen von Teilhabe am öffentlichen Leben kompensiert wird; Krankheit und vorzeitig einsetzende Pflegebedürftigkeit; Isolation. Gemessen wird Armut, indem ein bestimmtes Niveau definiert wird, ab dem ein Mensch als arm gilt. Dies geschieht in der Bundesrepublik Deutschland mit Hilfe des sogenannten Nettoäquivalenzeinkommens, eines bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Einkommens. Demnach gelten derzeit Menschen als arm, die über weniger als 979,75 Euro pro Monat als Einkommen verfügen. Schon heute wird dieses Einkommen allein durch die durchschnittlichen Altersrenten nicht erzielt bzw. nur knapp überschritten. Die nachfolgend aufgeführte Tabelle zeigt die erreichbaren Rentenwerte bei einem Stundenlohn von 10,80 Euro und – zum Vergleich – bei einem Stundenlohn von 16,48 Euro. In diesem Zusammenhang sei auch auf den vereinbarten Mindestlohn von 850 Euro pro Stunde und dessen Auswirkungen hingewiesen. Rund 557 Euro nach 40 Beitragsjahren bei einem Rentenniveau 51% bei 40 Beitragsjahren und einem Rentenniveau von 43% wären es rund 470 Euro, entsprechend der in der Tabelle angewandten Berechnung.

Gemäß WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans Böckler-Stiftung) Report 12 vom Januar 2014 verdienen in der Bundesrepublik 8,2 Mio. abhängig Beschäftigte unter 10 Euro pro Stunde. Das sind 24,2 Prozent aller Beschäftigten. Grundsicherung bezogen im Jahre 2013 im Landkreis Oder-Spree 1,3 Prozent  (562 Menschen) der über 65 Jahre alten und älteren Menschen. Diese Auswahl an Fakten lässt erkennen, dass ohne Veränderung der Einkommenssituation der Menschen im Rentenalter der Anteil der Grundsicherungsempfänger stark ansteigen wird. Bereits heute sind die Lebenslagen älterer Menschen von deutlich erkennbaren Ungleichheiten bei den Einkommen geprägt.

Birgit Bartolf

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