Nicht lange nach dem Woher oder Warum fragen

Um den Frühlingsgefühlen auf die Spur zu kommen, haben Professor Till Roenneber von der Uni München und seine Kollegen eine wahrhaft monumentale Studie erstellt. Die Wissenschaftler nahmen sich Geburtsstatistiken aus fast allen Ländern der Erde vor. Bis ins 19. Jahrhundert forschten sie zurück. Sie wollten wissen, zu welcher Jahreszeit am häufigsten Kinder gezeugt werden. Das Ergebnis: Nicht nur bei Pflanzen und Tieren, auch bei Menschen macht sich der Frühling bemerkbar. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa gab es um den 21. März ein klares Jahreshoch an Zeugungen. Und nicht nur hier. Auch in Kanada stieg die Zeugungsrate mit den länger werdenden Tagen.
Die Trendwende begann in den 50/60er-Jahren: Ab dieser Zeit kippen die Kurven, die zeugungsstärksten Monate verschieben sich Richtung Herbst und Winter. Nicht nur in Deutschland – auch in anderen Ländern wie Frankreich oder Spanien. Roenneberg vermutet, dass das an unserem modernen Leben liegt. Licht und Temperatur sind wichtige Umweltsignale für den menschlichen Jahresrhythmus. Heutzutage arbeiten wir aber das ganze Jahr zumeist drinnen, also unter kontrolliertem Licht und bei kontrollierten Bedingungen. Deswegen setzt der Frühlingsbeginn jetzt kein so deutliches Signal mehr wie noch vor 50 Jahren. Fazit: Die Untersuchung von Pr. Roenneberg und seinen Kollegen liefert Hinweise, dass auch Menschen jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen. Wie genau Frühlingsgefühle nun eigentlich funktionieren, das bleibt nach wie vor ein Rätsel. Also nicht lange nach dem Woher oder Warum fragen – einfach genießen!

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