Das Dorffest der Superlative

Im Grunde genommen fiel am 18. Januar dieses Jahres, auf der Grünen Woche und zwar zum Brandenburg-Tag, der Startschuss für das 13. Brandenburger Dorf- & Erntefest. Die Wahl war auf die Gemeinde Steinhöfel mit ihrem Austragungsort Beerfelde gefallen. Der Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region Brandenburg-Berlin e.V. hatte alle Gemeinden des Landes zur Bewerbung um die Ausrichtung des Brandenburger Dorf- und Erntefestes 2016 aufgerufen. Unter vielen anderen hatte sich auch die Gemeinde Steinhöfel mit dem Ortsteil Beerfelde beworben.

Eine Auswahlkommission aus Vertretern des Landesbauernverbands, des Brandenburger Landfrauenverbands, des Verbands pro agro sowie des Ministeriums hatte Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger die Gemeinde Steinhöfel mit dem Ortsteil Beerfelde als Ausrichter 2016 vorgeschlagen. Wenige Tage vor Ausrichtung des 12. Brandenburger Dorf- und Erntefests in Paaren/Glien hat der Minister diesem Jury-Vorschlag zugestimmt. Mit diesem Wissen liefen zum Zeitpunkt der offiziellen Bekanntgabe auf dem Brandenburg-Tag aber schon längst die Vorbereitungen zu dem geschichtsträchtigen Fest. Ein Jahr Vorbereitung hat es bedurft, die Dorfgemeinschaften sowie Brandenburg bis ins kleinste Detail zusammenzuschweißen. Bodo Oehme, der das Fest ein Jahr zuvor in gleicher Konstellation in Schönwalde-Glien veranstaltet hatte, sagte auf der Grünen Woche, dass die Messlatte durch seine Gemeinde schon recht hoch angelegt sei. Das war Beerfelde sehr wohl bewusst und besonders Horst Wittig, den Ortsvorsteher und Initiator mit seinem 20-köpfigen Organisationsteam, sowie Steinhöfels Bürgermeisterin Renate Wels konnte das nicht schrecken, denn sie hatten ja einen Plan und jede Menge Mitstreiter. Das Fest hier in den Landkreis Oder-Spree zu holen, war eine fulminante Idee. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Beerfelder war am letzten Samstag ganz deutlich spürbar. Der strahlende Sonnenschein bei gefühlten 30 Grad Hitze trug allerdings auch zum Erfolg bei. Schon bei der Anreise war die perfekte Organisation zu bemerken: Auf der Straße stand ein freundlicher junger Mann der Freiwilligen Feuerwehr und wies den Fahrzeugen den Weg zur Park-Maut-Stelle. Hier wiederum entrichtete man seine kleine Gebühr und hatte dann die freie Auswahl, sich auf dem riesigen Gelände seinen geeigneten Parkplatz zu suchen. Besser geht es doch nicht! Und der Weg bis zum Zentrum des Geschehens war auch nicht wirklich weit, ein kleiner Spaziergang. Mit dem Fahrrad war es natürlich um einiges einfacher: Wohin das Auge auch blickte, Fahrräder über Fahrräder – ein schöner Anblick. Beerfelde hatte sich herausgeputzt, vom Dorfanger bis zum Festplatz reihten sich die Handwerks- und kulinarischen Stände wie an einer Perlenkette auf – ganz im Sinne des dörflichen Lebens. Die Höfe, die in zweiter Reihe stehen, hatten mit Pfiff gepunktet, sie beherbergten ebenfalls Attraktionen, wie zum Beispiel einen Tierhof, eine Kinder-Area oder eine Ausstellung über die Technik vergangener Zeiten wobei diese es wirklich in sich hatte. Auf dem Technikhof Trabant Müller verbargen sich Moped-Roller aus der DDR, die so extravagant in Schuss gebracht worden sind, als wären sie gerade vom Band gelaufen. Dabei waren unter anderen ein IWL-Roller und vier Bauserien Pitty von 1955, Wiesel Baujahr 56, Berlin Baujahr 62 und ein Troll Baujahr 64 . Allesamt gehörten sie einem der Sponsoren des Festes, Swen Fettke aus Molkenberg, der diese liebevoll restauriert und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Auch die Trabant-Variationen von stinknormal bis hin zu extravagant – mit Leder-Schalensitzen und getönten Scheiben – waren echte Hingucker. Überragendes gab es dann noch in der Aussichtsgondel zu sehen, die sich ständig in luftiger Höhe befand. Die Haupttribüne bildete auf dem Gelände den Mittelpunkt. Hier musste man unweigerlich vorbeigehen, wenn man alles sehen wollte. Zu den Ehrengästen an diesem Tag gehörten Ministerpräsident Dietmar Woidke und Jörg Vogelsänger, Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft. In seiner Rede fand Dietmar Woidke klare Worte: „Hier wird selbstbewusst präsentiert, was bei uns auf dem Land geleistet wird. Man kann hautnah erleben, wie hervorragend man in Brandenburgs ländlichen Regionen leben und auch arbeiten kann, die Landwirtschaft ist gut aufgestellt. Unsere Dörfer bleiben am Puls der Zeit und zeigen damit auch, dass die Landwirtschaft und die Jobs eine Zukunft haben. Auf dem Land in Brandenburg verbinden sich Tradition und Moderne.“ Woidke machte in seiner Ansprache auch auf aktuelle Probleme aufmerksam: „Aufgrund der beschämenden Dumpingpreise in der Milchwirtschaft und der witterungsbedingt nicht optimal gelaufenen Ernte gibt es in diesem Jahr für einige landwirtschaftliche Betriebe teilweise erhebliche ökonomische Schwierigkeiten.“ An die Verbraucher gerichtet, sagte er: „Es liegt entscheidend auch vom Kaufverhalten der Kunden ab, ob es den Bauern wirtschaftlich gut geht. Dumping rächt sich für alle!“ Die polnische Partnergemeinde Czermin hat zu diesem Fest ebenfalls eine Delegation entsendet. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Czermin, Marietta Cierniak, sprach von einer großen Ehre für die Gemeinde, dieses Fest ausrichten zu dürfen, man wünsche großartiges Gelingen. Der Respekt gegenüber den Bauern, egal in welchem Land man lebe, könne nicht höher geschätzt werden. In ihrem Land sei es Brauch, beim Erntedankfest gemeinsam das Brot zuteilen. Mit diesen Worten überreichte sie das Brot an die Bürgermeisterin und sie brachen es gemeinsam. Nun folgte der langersehnte Umzug, der in 40 Bilder gefasst war und alles, was mit der Landwirtschaft und dem dörflichen Leben zu tun hatte, zeigte. Horst Wittig übernahm nun das Zepter auf der Haupttribüne und begrüßte mit den Gästen die herrlich geschmückten Erntefahrzeuge, Traktoren, Kutschen und die Gäste der verschiedenen Gemeinden des Landkreises und des Landes Brandenburg. Alle Akteure des Umzuges waren in super Stimmung, winkten, lachten und begrüßten die vielen Hundert Gäste, die den Festumzug begleiteten und die Allee bevölkerten. Auch hier kann man für die gelungene Umsetzung nur den Hut ziehen. Fleißige Helfer sicherten den Fahrweg der teilweise riesigen Fahrzeuge, zum Beispiel der Mähdrescher, gekonnt ab -denn es sollte ja keiner zu Schaden kommen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Haupttribüne befanden auf dem Dorfplatz mehrere Zelte, die zum Verweilen und Entdecken einluden. Eines beherbergte die vielen zur Wahl stehenden Erntekronen, eine schöner als die andere. Unweit davon stand die Agrargenossenschaft Ranzig in den Startlöchern – mit einem riesigen Ochsen am Spieß. Derweilen fand auf der Bühne die Wahl der Erntekönigin statt. Die „alte“ ist auch gleichzeitig die neue Erntekönigin, Anne Schubert aus Angermünde konnte sich gegen ihre Mitbewerberinnen durchsetzen, die durchaus auch das Zeug dazu gehabt hätten. Auch mit einer großen Torte wurde das Fest gebührend gefeiert: Bäckermeister Uwe Mahlkow aus Fürstenwalde hatte diese für das Fest angefertigt, nur die heißen Temperaturen waren leider nicht so gut für eine Torte. Dietmar Woidke und Renate Wels schnitten die Festtorte gemeinsam mit Horst Wittig und Jörg Vogelsänger an. Nun blieb nur noch eins: Anlässlich des 13. Brandenburger Dorf- und Erntefestes in Beerfelde pflanzte Ministerpräsident Woidke einen Apfelbaum der alten Sorte „Gravensteiner“ als Symbol dafür, dass traditionelle Sorten wiederbelebt werden. Darum, so Woidke, beteilige er sich gern am „Apfelstraßen“-Projekt des Landfrauenvereins Oder-Spree und der Gemeinde Steinhöfel, das eben diesem Ziel diene. Im weiteren Verlauf hatten nun die vielen Tausend Gäste alle Zeit der Welt, sich alles ganz genau anzuschauen. Bemerkenswert war, dass man am Wegesrand viele Bänke aufgestellt hatte, die zum Verweilen und Rasten einluden. Auf dem Festplatz Nr. 2 tobte das Leben – und zwar für die Kinder: Auf einem großräumigen Areal gab es alles, was das Kinderherz begehrt zu „ertoben“. Ganz vorne mit dabei war natürlich das THW mit dem Ortsverband aus Fürstenwalde. Gleich daneben gab es für die Erwachsenen den erfrischenden Gerstensaft des Fürstenwalder Rathausbräus gemeinsam mit den Braufreunden. Auf der Star-Bühne griffen die Künstler wie „Joes Bigband“ ordentlich in die Tasten oder an die Saiten. Derweilen war auf dem Acker nicht nur eine Maschinenschau aus der Vergangenheit zu sehen, sondern ebenfalls alles, was eine moderne Landwirtschaft heute benötigt. Das Pflügen mit dem Pferd oder dem Traktor fand bei den Gästen großen Anklang.  Daneben stand just in dem Moment Gerhard Fettke, der mit seinem Famulus von 1968 und dem 2-Scharr-Pflug bereits in den Startlöchern stand, um beim Schauflügen dabei zu sein. Begeistert war auch seine Enkelin Greta, die schon mal die Richtung am Lenker vorgab. Die Panzerkutscher hatten sich ihr Areal schon abgesteckt und fuhren die Gäste mit einem Schützenpanzer BMP mit hohem Fun-Faktor mit „übelster“ Geschwindigkeit quer über den Acker. Das Programm über dem gesamten Tag war sehr abwechslungsreich, ausgiebig gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden. Renate Wels und Ortsvorsteher Horst Wittig schätzten gemeinsam ein, dass ihre Arbeit mit den vielen Mitstreitern und Unterstützern definitiv ein super Erfolg war: „Das hätte nicht so toll funktioniert, wenn nicht alle an einem Strang gezogen hätten. Vielen Dank an alle, die für das Gelingen dieses einmaligen Festes in der Region mit ihren Ideen und ihrer beispiellosen Hingabe beigetragen haben“, meinte beide einstimmig. Dass das Geschehen noch lange nachhallen wird, für die Gemeinde Steinhöfel, im Speziellen aber für Beerfelde, ist wohl sicher. Darüberhinaus zeigen sich beide überrascht und beeindruckt, dass so viele Gäste gekommen sind. Die Zahl, die gehandelt wird, liegt bei knapp über 20.000 Besuchern.

Die Wahl der schönsten Erntekrone

1. Platz – Gemeindeteil Luckaitz des Ortsteils Schöllnitz der Gemeinde Luckaitztal im Amt Altdöbern (Landkreis OSL): Diese Erntekrone wird der Landtagspräsidentin übergeben und steht einige Wochen im Plenarsaal des Landtages.

2. Platz – Uckermärker Landfrauen: Diese Erntekrone wird dem Ministerpräsidenten übergeben und steht einige Wochen in der Staatskanzlei.

3. Platz – Ortsgruppe Falkenberg des Kreislandfrauenvereines Oder-

Spree e.V.: Die lokalen Landfrauen werden ihre Erntekrone dem Landwirtschaftsminister übergeben. Diese Erntekrone ist gleichzeitig auch Publikumsliebling geworden.

Der diesjährige Fotowettbewerb stand unter dem Motto „Brandenburg und seine jungen Bauern“.

Gewonnen haben: Rudolf Fischer aus Kolkwitz (OT Zahsow) überzeugte mit dem Bild eines jungen Fischers bei der Arbeit. Antje Wieland aus Berlin hatte ihren Sohn Jonas bei der Arbeit mit der Forke abgelichtet. Anika Pundrich fotografierte ihren Ian beim Arbeiten am Futtertisch der Rinder

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