Kunstgalerie Altes Rathaus Fürstenwalde wieder geöffnet

Die Kunstgalerie im Alten Rathaus der Stadt Fürstenwalde gehört zu den beliebten Ausstellungsorten der Region. Unterschiedlichste Facetten der Kunst und ihrer Formsprache haben in den Jahren hier ihre Ausstellungserfolge mit zahlreichen Gästen feiern können. Die Attraktivität zeichnet sich durch die verschiedenartig geschichteten Zweige des Kunstverständnisses aus. In der pandemischen Lage war es ja lange unmöglich, sich Ausstellungen selbst begreifend anzuschauen und sich ein Urteil als Betrachter zu bilden. Um wenigstens eine Alternative zu haben, wurden aufwendig gestaltete virtuelle Rundgänge initiiert – mit Erfolg. Und jetzt sind wir alle gerade wieder auf dem aufsteigenden Ast, um aus dem Vollem zu schöpfen.

Mit der neuen Ausstellungseröffnung in der Kunstgalerie mit dem Bildhauer Ehrhard Thoms, der im Übrigen aus Spreenhagen stammt, ist es gelungen, einen experimentierfreudigen Künstler mit einer großen Vielseitigkeit an Ausdrucksweisen in seiner Kunst zu gewinnen. Seine vielseitigen Interessen, auch an Historischem, ließen bei ihm einst sogar den Wunsch aufkommen, sein stetig wachsendes Wissen an andere Menschen weiterzugeben und Lehrer zu werden. Aber nicht nur in diesem Berufsfeld können Wissen und Erkenntnisse vermittelt werden. Ehrhard Thoms wurde Bildhauer. Seine Leidenschaft für die Erzeugnisse der Vergangenheit blieb aber bestehen und so begibt sich der Künstler noch heute auf Flurbegehungen und „Ausgrabungen“.

Während der Archäologe ausgräbt, um historische Zusammenhänge erklären zu können, gräbt Ehrhard Thoms aus, um aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Materialien neue, künstlerische Zusammenhänge zu konstruieren. Zu sehen ist eine durchdachte Ausstellung mit Werken aus Holz, Kalkstein und Marmor, was allerdings bei weitem nicht alles ist. Skulpturen, Skizzen, Zeichnungen, Drucke und auch Collagen aus den unterschiedlichsten Materialien zeichnen ihn aus. Was einem gleich ins Auge sticht ist, dass sich in vielen Werken der Sinn um den weiblichen Körper dreht. Manifestiert sowohl in Stein als auch in Holz und auf Papier – großzügig gezeichnet macht es den Weg frei für Interpretationen.

Ehrhard Thoms versteht es wie kaum ein anderer, dem kantigen und unvollkommenen Material einen voluminösen, anziehenden und leidenschaftlichen Torso zu entlocken. Er geht auf die natürliche Beschaffenheit ein und seine künstlerische Bearbeitung variiert von komplett neuer Formgebung bis hin zu minimalistischen Eingriffen, die lediglich das Wesen des neu entstehenden Objektes betonen. Dabei kann es ausreichen, dass die bearbeitete Stelle anders farbig aus dem Material heraustritt. Ähnlich den antiken Kultbildern, fordern die in Stein oder Holz gehauenen Akte eine Interaktion und Kommunikation mit dem Betrachter.

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