…so hieß die Veranstaltung, welche am vergangenen Freitag im Scharwenka Kulturforum in Bad Saarow stattfand.

Die Frage war wohl eher, ob denn die Violine eine Seele hat? Dass dem so ist, danach habe ich nach dem Besuch der Veranstaltung keine Zweifel. Geigenbaumeister Jörg Kühne erklärte anschaulich und mit sympathischer Leichtigkeit den Aufbau der Streichinstrumente. Der Hochgebirgsahorn und die Fichte, in über 1000 Metern langsam gewachsen, mit höchster Resonanzfähigkeit, leben auch nach der Verarbeitung in den Instrumenten weiter und hauchen ihnen gemeinsam mit dem Musiker seine Seele ein. Ich habe erfahren, dass ein und dieselbe Geige bei zwei Violinisten zwei vollkommen verschiedene Instrumente darstellt, dass jeder Quadratzentimeter Holz anders ist und es somit nie die Chance einer perfekten Kopie eines Instrumentes gibt. Auch habe ich gelernt, dass der Leim für die Geigen aus Tierhaut und -knochen besteht und wasserlöslich ist. Da kann es schon mal passieren, dass sich durch den Schweiß hart arbeitender Musiker die Decke der Geige partiell löst.

Eines der kleineren Probleme für Jörg Kühne, welcher zusammen mit seiner reizenden Gattin Prof. Elizabeth Balmas den Abend gestaltete. Prekärer wird es dann schon, wenn sich der Wurm unerkannt über die Jahre durch die Geige frisst, so dass die Decke nur noch durch den Lack zusammengehalten wird und dann komplett ausgetauscht werden muss. Für eine Violine braucht der autodidaktische Quereinsteiger und selber Musiker ca. 8 Wochen, für ein Cello drei Monate. Ohne Fernsehen und Internet lebend, verkauft der Geigenbauer seine Instrumente nur durch Mundpropaganda in alle Welt, bis nach Korea, USA oder auch Japan. Die in Bad Saarow und im Scharwenka Kulturforum schon gut bekannte Solo-Violinistin Elisabeth Balmas bereicherte den Abend mit wunderbaren Hörbeispielen. Ein gelungener Abend – lehrreich, unterhaltsam und ein Kunstgenuss in einem. Elisabeth Balmas bestreitet zusammen mit der Pianistin Juliane Sailer am 23. Juli im Hotel Esplanade auch das Eröffnungskonzert des diesjährigen Kultursommers in Bad Saarow. Dies ist auch eine Veranstaltung des Scharwenka Kulturforums.

Johann Gottlieb Cantian

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