Zu den diesjährigen Kleist-Festtagen in Frankfurt bot sich ein ganz besonderes Konzerterlebnis. Die Reihen des Saals prall gefüllt, die dumpfen Geräusche der Menschen im Hintergrund, die Bühne leer. Auf einmal hört man eine vielen bekannte, kratzig-zarte Stimme. Keine Instrumente, niemand betritt die Bühne, der Saal lauscht leise. Dann kommt er langsam die Treppe hinuntergelaufen, die Köpfe drehen sich, er singt und begleitet sich selbst mit der Gitarre. Nun geht es los – die restlichen Musiker betreten nach und nach die Bühne. Die Atmosphäre im Kleistforum Frankfurt ist echt, sinnig und die Menschen ungehemmt und durstig nach Musik. Bereits bei den ersten Tönen sieht man Tanzende, das Publikum klatscht und lacht und genießt. Sänger Jan Plewka (Frontmann der Band SELIG) schafft es, mit seiner offenen, sinnlichen Stimme und seiner sehr eigenen Aura, an richtigen Zeitpunkten die richtigen Emotionen an die Zuhörer und Miterleber weiterzuschenken. So tobt der Saal einerseits bei den altbekannten, schnellen und botschaftsschwangeren Rio-Songs wie „Alles Lüge“, „Keine Macht für Niemand“ und dem „Rauch-Haus-Song“. Andererseits legt sich Stille und Besinnung über die Zuhörer, als Plewka ganz allein am Flügel sitzt und behutsam, fast zärtlich, Reiser‘s „Weit von hier“ ins Mikrofon spricht und singt. Zwischen Band und Publikum gibt es keine Distanzen, man fühlt sich nicht nah dran, sondern mittendrin, singt laut mit und würde am liebsten auch auf die Bühne springen. Die Musiker gehen durch die Reihen, mit Mütze in der Hand um den Leuten „das Geld aus den Taschen zu ziehen“, dabei singen sie und alle anderen: „Der Turm stürzt ein! Der Turm stürzt ein! Halleluja, der Turm stürzt ein!“. Zwei Stunden lang bieten „Jan Plewka und Die Schwarz-Rote Heilsarmee“ musikalischen Hochgenuss und für so manche im Saal wahrscheinlich einen Moment, um sich zu erinnern. Ein Blick ins Publikum zeigt aber auch viele junge Menschen, die begeistert dem einzigartigen Konzert folgen. Nach langen, von den Besuchern beklatschten Zugaben, heißt es dann „Es ist vorbei, bye, bye!“ Doch natürlich folgt auf einen so schönen Abend eine After-Show-Party, zu der Jan Plewka (Gesang), Marco Schmedtje (Gitarre), Dirk Ritz (Bass), Martin Engelbach (Schlagzeug) und Lieven Brunckhorst (Piano, Blech) auch alle einluden, um gemeinsam zu den Lieblingsplatten der Band in die Nacht zu tanzen.

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