Vergangenen Samstag verwandelten sich die Unterrichtsräume der Freien Waldorfschule Frankfurt (Oder) wie in jedem Jahr um diese Zeit in Märchenstuben, Kunst-ateliers, Cocktailbars und Cafés. Bereits, als die 5. Klasse mit ihrem Gesang um 14 Uhr den Martinsbasar einläutete, war der Schulhof prall gefüllt. Es folgte eine Ansprache von Geschichts-, Kunst- und Sozialkundelehrer Henrik Lorenz, der somit den gemeinsamen Nachmittag einleitete. Schon draußen vor dem Schulgebäude sorgten die Abiturienten der Schule mit Bratwurst, frisch vom Grill, für das leibliche Wohl der Gäste. Gleich nebenan spendete das Lagerfeuer etwas von der, in dieser Kälte bitter nötigen Wärme. Im Schulhaus selbst war es kuschlig warm und gemütlich, die Wände mit Tanne und anderen Naturmaterialien ausgeschmückt und der Geruch von Adventszeit und Weihnachten lag süßlich in der Luft. Wie der Brauch es in jedem Jahr von den Schulen verlangt, wurden auch dieses Mal wieder die einzelnen Klassenräume und Flure zu verschiedenen Zwecken umfunktioniert. Zum Beispiel konnten sich die kleinen Gäste im eigentlichen Erstklässlerraum, der zu diesem Anlass reich mit Blättern und Stoffen verziert wie eine gemütliche Höhle wirkte, niederlassen und sich von Geschichten und Märchen verzaubern lassen. So konnte man in den vielen Räumen unter anderem mit der zweiten und dritten Klasse Freundschaftsbändchen knüpfen sowie Laternen selbst basteln, Kerzen ziehen, Gestecke gestalten. Der Musikraum wurde als „Café International“ umgestaltet. Hier konnte man selbstgemachte Kuchen, Muffins und andere süße Leckereien vernaschen. Außerdem konnte man sich auf dem Flohmarkt, der von den Schülern der siebten Klasse initiiert wurde, umsehen und jede Menge kleine Kostbarkeiten aus Filz, Strick oder Holz erstehen. Kurz bevor das Event der Waldorfschule dem Ende zuging, konnte man sich am gemeinsamen Laternenumzug beteiligen. Warum ehren die Waldorfschulen den Martinstag jedes Jahr erneut auf diese Weise? Lehrer Henrik Lorenz, der in Frankfurt seit 2011 unterrichte, erklärte, dass man das Konzept der Waldorfschulen als eine Art der „Weltanschauungsschule“ betrachten solle. Die Nächstenliebe, das sich umeinander Kümmern und das generelle Weltbild der Schule stehe in perfekter Übereinstimmung mit der Geschichte Martins und den dadurch vermittelten Werten, die eben auch an der Waldorfschule weitergegeben werden sollen. Zudem seien Veranstaltungen wie diese eine gute Möglichkeit für die Einrichtung zu werben und waldorffremden Personen einen Einblick hinter die Kulissen des immer noch zu selten verstandenen Schulsystems zu geben. Auch Abiturientin Joy Adam, die seit der ersten Klasse die Freie Schule besucht, bestätigte, dass es sich beim Martinsbasar um ein besonderes Erlebnis handelt. Die ruhige Stimmung, die Menschen, der Geruch von Tanne, all dies wecke Erinnerungen an die ersten Basare, die sie miterleben durfte. Diese „magische“ Atmosphäre genießen auch viele Ehemalige, die sich an solchen Tagen gern erneut auf den alten Schulhof begeben.           BB

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