800-jähriges Deutsches Leben in Mittel- und Osteuropa

Ein schwieriges Thema in der heutigen Zeit nehmen Lothar Hofrichter vom Haus Brandenburg-Freundeskreis e.V und Wolfgang Löschel vom Bund der Vertriebenen Kreisverband Oder-Spree, die Organisatoren, mit der bevorstehenden Ausstellung genauer unter die Lupe. Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Leben, wie es vor der Zeit der Vertreibung ausgesehen hat. Wie die Menschen zu jener Zeit gelebt, gearbeitet und gefeiert haben, welche Traditionen gepflegt wurden, wie die kulturellen Feste aussahen und vieles weitere mehr. Beide Organisatoren stammen aus Schlesien und wissen um die prekäre derzeitige Situation in Deutschland. Doch darauf kann man jetzt keine Rücksicht nehmen, es ist ein Thema mit dem man sich auseinandersetzen muss und das beiden sehr am Herzen liegt. Die Geschichte von Menschen, die aus ihrem Leben gerissen und wegen politischer Wirren vertrieben werden, ist heute aktueller denn je. Hier jedoch geht es um die 800-jährige Geschichte der Deutschen in Mittel- und Osteuropa.

Die Idee, die Ausstellung hierher zu holen, ist dem Umstand geschuldet, das sich keine andere Möglichkeit bot in dieser Breite auf sich aufmerksam zu machen und gegen das „Vergessen“ anzugehen. Der Bund sowie die Länder haben sich trotz Bundesvertriebenengesetz weder für die Vertriebenen eingesetzt und in deren Sinn gehandelt.

§ 96 Bundesvertriebenengesetz

Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge und Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Bund und Länder haben entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten, Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Einrichtungen des Kunstschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern. Sie haben Wissenschaft und Forschung bei der Erfüllung der Aufgaben, die sich aus der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge ergeben, sowie die Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern. Die Bundesregierung berichtet jährlich dem Bundestag über das von ihr Veranlasste.

Seit vielen Jahren engagieren sie sich Hofrichter und Löschel auf vielen Gebieten und versuchen gegen das Vergessen „anzuarbeiten“. Leider ist in den Medien das Thema nicht sonderlich, erwünscht aber mit der Ausstellung „Die Gerufenen“ könnte sich das Geschichtsverständnis ändern. Beide lassen nichts unversucht, haben schon die Schulen und Schulämter im Umkreis angeschrieben und darüber informiert, für den Geschichtsunterricht das Museum in Fürstenwalde zu nutzen. Sogar die Europauniversität Viadrina, mit der man schon seit längerem zusammenarbeitet, hat signalisiert, Studenten zu organisieren, wenn es gewünscht ist, bei Führungen durch die Geschichte helfend und moderierend zur Seite zu stehen. Diese Ausstellung ist zum ersten Mal hier im Land Brandenburg zu sehen. Es war sehr schwierig, sie hierher zu bekommen und es war ebenso wenig leicht, jemanden zu finden, der in der heutigen politischen Situation gewillt ist, solch eine polarisierende Ausstellung zu zeigen. Daher war die Freude groß, als das Museum in Fürstenwalde seine Zusage gab. Die feierliche Eröffnung sollte eigentlich, so die Planung, durch die Bildungsministerin des Landes Brandenburg, Britta Ernst, sein, doch diese hatte schon abgewunken. Darüber war man sehr erstaunt, denn es geht hier auch um Bildung und Wissen, das ist durchaus seit Jahren ein ungelöstes Thema in Brandenburg. Ausstellungsbeginn ist der 10. April, die Ausstellung ist bis zum 27. Juni im Museum Fürstenwalde, Am Domplatz 7, zu sehen. Mehr Informationen unter www.dieGerufenen.de.

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