Das Scharwenka Kulturforum in Bad Saarow avanciert derzeit zu einer der besten Kulturstätten der Region. Das frische, aufgeweckte und inhaltlich wohldurchdachte Programmkonzept lässt so manchen aufhorchen. Mit der Reihe „Hör mal zu“ scheinen die Akteure den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Berühmte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens geben sich derzeit die Klinke in die Hand – ob Michael Diestel, Gregor Gysi, Dr. Siegfried Lederer oder, wie erst kürzlich, der Bürgermeister der Stadt Fürstenwalde, Hans-Ulrich Hengst, und der neue Amtsdirektor des Amtes Scharmützelsee, Christian Riecke. Letztere waren am vergangenen Freitag zu Gast. Eröffnet wurde der Abend ganz im Sinne des Kulturforums, nämlich mit Lieblingsmusik der beiden Gäste, die unterschiedlicher nicht sein konnte: klassischer Walzer und der deutsche Liedermacher Reinhard Mey. Riecke wählte diesen Walzer einst zu seiner Hochzeit und ist dadurch zum begeisterten Tänzer geworden und Reinhard Mey gehört zu den bevorzugten Künstlern des Fürstenwalder Bürgermeisters, denn der steht eher auf deutschsprachige Musik, die würde er wenigstens verstehen. Darüber hinaus ist er Fan genug, auch in diesem Jahr zu einem Konzert von Mey zu gehen. Gerlinde Stobrawa hielt mit Fragen natürlich nicht hinter dem Berg und bemerkte, dass beide sich im Alter kaum unterscheiden, wohl aber auf beruflichem Gebiet. Hengst ist seit Jahren in der Verwaltung präsent, Riecke noch nicht ganz so lange. Er kann aber durchaus schon gut mithalten, was er derzeit unter Beweis stellt. Sein Motto ist „Nicht viel reden, sondern handeln“. Seit 8 Wochen ist er im Amt und will natürlich erst einmal alle Gemeinden kennenlernen, geht zu den Gemeindesitzungen, stellt sich vor und wirkt soweit möglich mit. Riecke möchte sich nicht mit fremden Federn schmücken, sein Vorgänger hat richtungsweisende Ziele schon lange vorher in die Gänge gebracht, wie z.B. den Breitband-Ausbau und das Bürgerbeteiligungsverfahren. Riecke will diese Ziele natürlich weiter voranbringen. Auch Bad Saarow hat eine Mitte, nämlich dort, wo die Kurparkkolonaden gebaut werden. Riecke bemerkte, dass sich die Baumaßnahmen im Zeitplan befänden. Beim Parkhotel gäbe es Investoren, die ihre Pläne bereits vorgestellt hätten. Selbst der Uferwanderweg würde kommen, worauf man sich jetzt schon freue. Christian Riecke ist gebürtiger Fürstenwalder, er hatte im Vorfeld den Wunsch, einen handwerklichen Beruf zu erlernen und wurde zum Elektriker ausgebildet, aber so richtig war er da nicht angekommen. Auf verschlungenen Pfaden ist er dann beim Jugendamt in der neugegründeten Kreisverwaltung Fürstenwalde gelandet, hat dort als Sozialarbeiter in verschiedenen Positionen gearbeitet und sich dann entschieden, eine Verwaltungsausbildung zu absolvieren und nebenbei noch ein sozialpädagogisches Studium erfolgreich abgeschlossen. Riecke war später lange im Jugendamt Beeskow und später in Potsdam beschäftigt. Vor 14 Jahren kehrte er zurück in heimische Gefilde. Riecke ist bis heute der Region eng verbunden. 

Hans-Ulrich Hengst hatte eine behütete und glückliche Kindheit und auch er wollte nach der Schule einen handwerklichen Beruf erlernen, nämlich den eines Werkzeugmachers. Doch da gab es dann einen Autounfall und nach fünf Wochen Lehre war Schluss mit lustig. „Dann kam das Umdenken, mit den Händen ging es ja nun nicht mehr. Dann mach ich eben was mit dem Kopf“, erzählte Hengst. Er habe dann die Handelsschule absolviert. Danach folgte die Ausbildung in der Kommunalverwaltung in seiner Heimat. Nach der Wende wurde händeringend nach fachkundigem Personal für die Verwaltungen in den neuen Ländern gesucht – und was will man sagen: Seit 22 Jahren ist Hans-Ulrich Hengst schon hier

im Verwaltungsapparat von Fürstenwalde tätig. Er hatte unter dem damaligen Bürgermeister Manfred Reim seinen Weg begonnen und durchaus auch das eine oder andere bewegt. Er selber sagte witzelnd: „Alles was passiert ist, kann ich leider nicht auf andere schieben, denn das war ich.“ In den 90er Jahren in Fürstenwalde stand die Stadtmitte im besonderen Fokus. Man hatte hier mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen, konnte dann aber doch etwas Gutes aus der Situation schaffen. Man wollte der Stadt wieder ein Gesicht geben und hat verschiedene Bauprojekte, wie Rathauscenter und Fürstengalerie, realisieren können. Die Verbindung zur Eisenbahnstraße wurde wiederhergestellt. Aus Sicht des heutigen Bürgermeisters waren das ganz fundamentale Bedürfnisse, die für die Zukunft der Stadt und die Infrastruktur wichtig waren. 2010 wurde Hengst dann in das Amt des Bürgermeisters gewählt.

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