Ein aufregendes Jahr mit vielen ereignisreichen Monaten liegt hinter uns. Ein streitbares Jahr. Viele Konflikte wurden ausgetragen, viele Auseinandersetzungen gesucht und auch gefunden. Die Politik ist im Großen wie im Kleinen komplizierter geworden. Pragmatische, sachorientierte Lösungen scheinen ferner denn je. Politik wird zum Spektakel, Politiker zur Marke. Jüngstes Beispiel ist Martin Schulz. Hoffnungen auf einen Neubeginn wurden auf einen Mann projiziert, die schlichtweg nicht erfüllbar waren. Auch er kann sich schließlich nur in dem Rahmen der gegebenen Möglichkeiten bewegen. Und so wurde das, was nach Neubeginn aussah, zwangsläufig schnell zur Landung auf dem harten Boden der Realität.

Dabei sind Meinungsverschiedenheiten für die Entwicklung, für das Vorankommen auch in Fürstenwalde unersetzlich, ich bin der Letzte, der sich nicht auseinandersetzen will, wenn es sachdienlich ist, wenn es der Stadt guttut. Wie heißt es so schön: Nur wo Reibung ist, ist auch Feuer. Und Feuer braucht es, um etwas zu bewegen. Allerdings hat sich etwas Grundlegendes verändert. Die Auseinandersetzungen sind immer häufiger persönlicher Natur. Und damit meine ich nicht, dass Politiker persönlich angegriffen werden. Das Engagement für eine Sache, egal ob richtig oder falsch, wird heute nicht mehr für das Gemeinwohl, sondern aus eigener Betroffenheit heraus gesucht. Frei nach dem Motto „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“. Aber soll das der richtige Weg sein? Wollen wir so in den nächsten Jahren weitermachen? Eine Mentalität hält Einzug, die den Eigennutz über das Allgemeinwohl stellt. Die Politik ist dazu da, das eigene Leben möglichst bequem und zufriedenstellend zu gestalten. Nein, ist sie nicht! In der Politik geht es darum, das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren und nicht den lauten Gruppen Wohlbefinden zu verschaffen. Das Bild ist immer größer, als seine einzelnen Teile.

Beispiele:
Ein paar Altanschließer würden Gebührenerhöhungen für alle an das Abwassernetz angeschlossenen Haushalte in Kauf nehmen (und wir reden hier nicht vorrangig über Einfamilienhäuser, sie müssten zu großen Teilen von den Mietern in den Sozialbauten aufgebracht werden), weil sie die ihnen abverlangten Beiträge als ungerecht ansehen. Warum sind sie ungerecht? Weil sie nicht von den durch die Beiträge getätigten Investitionen profitieren, ihnen keine modernen Anlagen zur Verfügung stehen? Nein, weil sie im Nachhinein ihren Beitrag zahlen mussten und nicht wie alle anderen, als sie angeschlossen wurden.

Anderes Beispiel:
Wir sollen eine Schule erweitern und 5,3 Kilometer entfernt vorhandene Kapazitäten einer anderen Schule nicht nutzen, weil eine Handvoll Eltern den Weg unerträglich findet? Sehr schwierig. Kein Kompromiss, trotz Busshuttleangebot der Stadt. Aber keine Lösung ist gut genug – mein Weg oder kein Weg. Das darf es einfach nicht sein. Betroffene kann ich im Einzelfall zwar verstehen, aber darum geht es nicht. Die Politik muss das große Bild sehen, die Entwicklung der gesamten Stadt im Blick behalten. Dieses Sankt-Florian-Prinzip darf nicht zur Gewohnheit werden, so kommen wir nicht voran. Ganz Fürstenwalde soll sich entwickeln und zwar nicht nur für Betroffene und Facebooker.

Und auch das war für uns ein großes Thema im vergangenen Jahr: Die Vision unserer Stadt für das Jahr 2030. Wir haben das integrierte Stadtentwicklungskonzept – die Grundlage für alle Förderanträge der kommenden Jahre – gemeinsam erarbeitet. Unsere langfristigen Ziele sind hier festgeschrieben. Auf das Fürstenwalde, das darin beschrieben wird, können wir uns freuen. Und darin geht es nicht nur um die Akademie in der Aufbauschule und das Wiederbeleben des Jagdschlosses, es geht auch um einen Gesundheitscampus in Nord, der entwickelt werden kann und um den Bahnhof und sein Umfeld mit den vielen Möglichkeiten. Dass dort junge Unternehmen, ein Haus der Vereine und Kindertageseinrichtungen angesiedelt werden können.

Auch der Einbezug unserer Neufürstenwalder ist hier wichtig. Große Sorge bereitet mir, dass es auf unsere Ausstellung „Gekommen, um zu bleiben“ solch massive Reaktionen gab. Anfeindungen gegenüber den Menschen, die sich engagieren, die unsere Stadt bereichern? Die Ausstellung zeigt, was möglich ist. Und ganz ehrlich: Welche Wahl haben wir? Die Frauen, Männer und ihre Kinder nicht zu integrieren? Wo führt das hin? Wollen wir das für Fürstenwalde? Ich bin mir sicher: Nein! Nutzen wir lieber die Chance, auch wenn es keine einfache Aufgabe ist. Ich schlage vor, dass wir jeweils auf Menschen zugehen, nicht auf Asylanten, Fremde oder Flüchtlinge, sondern einfach auf den einzelnen Menschen, egal wo er oder sie herkommt. Und ich bin mir dabei bewusst, dass es schwierig ist, dass es oft Kluften gibt, die unüberwindlich scheinen.

Und sehr viele Menschen gehen bereits diesen Weg, viele helfen und engagieren sich ehrenamtlich, stoßen zwar oft auf Probleme, aber geben nicht auf. Diesen Menschen möchte ich in diesem Jahr besonders danken, die sich für das Allgemeinwohl, für andere stark machen. Und wenn es nur der Nachbar ist, dem Sie helfen.

Und ich möchte ihnen Mut machen. Sie stehen nicht alleine, viele machen schon mit und viele können noch mitmachen. Auch dies ist es, was uns die Weihnachtszeit mit ihrem eigentlichen Ursprung verdeutlicht – Mitmenschlichkeit

Machen Sie mit!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein friedvolles, besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Übergang ins neue Jahr und Glück und Gesundheit für das vor uns stehende Jahr 2018.

Hans-Ulrich Hengst
Bürgermeister Fürstenwalde

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