Zum 75. Geburtstag von Lothar Bisky

In diesen Tagen wäre Prof. Dr. Lothar Bisky 75 Jahre alt geworden. DIE LINKE in Fürstenwalde und ihr Bundestagsabgeordneter Thomas Nord erinnerten in einer bewegenden, aber mit vielen heiteren Momenten bestückten Feierstunde an ihren vor drei Jahren verstorbenen Parteivorsitzenden und Fürstenwalder Bundestagsabgeordneten. Dazu hatten sie persönliche als auch politischen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern von Lothar Bisky eingeladen. Einige von ihnen berichteten in zwei von Thomas Nord moderierten Gesprächsrunden. „Wir wollten keine Trauer- oder Gedenkfeier veranstalten. Das hätte Lothar auch nicht gewollt“, erzählt Thomas Nord. „Wir wollen den Menschen Lothar Bisky in den Mittelpunkt stellen. Sich an ihn zu erinnern, ihn täglich präsent zu haben, ist die größte Ehre, die wir ihm erweisen können.“ Dass er das immer noch ist, wurde im Gespräch schnell deutlich. Zu oft wechselten die Erzählenden vom Präteritum ins Präsens, wurde klar, wie sehr Lothar Bisky und seine Art Politik zu machen, den demokratischen Sozialisten heute noch Anspruch ist und gleichzeitig fehlt. „Die Lücke ist riesengroß, die er hinterlassen hat!“, so Nord, der ihm als Bundestagsabgeordneten für Oder-Spree folgte und im September 2017 das Direktmandat im Bisky-Wahlkreis gewinnen möchte. Lothar Bisky war von 2005 bis 2009 der Bundestagsabgeordnete der LINKEN für Oder-Spree und Frankfurt (Oder). Ein Bundestagswahlkreis, den er selber immer als „den schönsten in der ganzen Bundesrepublik“ bezeichnete. Eine Region, die er schon seit seiner Zeit als Landtagsfraktionsvorsitzender der PDS und als Vizepräsident des Brandenburger Landtages kennen und schätzen lernte. „Es sind die Menschen hier, die diesen Landstrich so stark prägen“, erklärte er oft mit Bewunderung und Anerkennung. Hier fühlte er, der pommersche Landarbeitersohn, sich zu Hause. „Auch weil die Weite der Landschaft, der Wind an der Oder ihn an seine alte Heimat erinnerte“, erzählte Stephan Wende, der als persönlicher Mitarbeiter von Lothar Bisky im Podium saß. Schmunzelnd erinnerte er daran, wie verwirrt bis anerkennend die Landwirte reagierte, wenn am Feldrand das Auto von Bisky hielt und der Abgeordnete und Parteivorsitzende wie selbstverständlich ausstieg und fragte, wie die Ernte ausfällt, welche Probleme es gibt. „Und ganz nebenbei hatte er wieder Erde aufgenommen, die ihm langsam zwischen den Fingern hindurchrieselte.“ Erdverbunden und bodenständig, so war Lothar Bisky. Darin waren sich die Anwesenden einig. Er engagierte sich und warb auf seinen vielen Auslandsreisen, wie seine Mitarbeiter zu berichten wussten, für die Region Oder-Spree. Für das Bier aus Neuzelle in China und die Äpfel aus Markendorf genauso wie für die Viadrina in Oxford. Er kämpfte für die Zukunft des EKO in Eisenhüttenstadt, für die noch so kleine Überlebenschance der Gas-, Mess- und Regeltechnik GmbH (GMT) in Petersdorf und für das Glunzwerk in Beeskow. „Er war geachteter und geschätzter Gesprächspartner für Kommunen, Vereine und Verbände“, erinnert sich Wende. Die Wahlkreistage waren voller Gesprächstermine und die Autofahrten wurden für Telefonate mit Akteuren und Entscheidern im Wahlkreis genutzt. „Mancher war ganz schön baff, wenn am andere Ende der Telefonleitung Lothar Bisky war und immer kompetent und auf den Punkt genau fragte und Unterstützung anbot“, erinnerte sich Stephan Wende. Legendär waren auch die von ihm organisierten Kulturveranstaltungen im Wahlkreis. So las er im Gerhard-Hauptmann-Museum in Erkner aus seinen Büchern und zeigte Filme seiner Studierenden im Eisenhüttenstädter Kino. „Und die Tagesthemen hatten eine Live-Schalte aus dem Union-Kino in Fürstenwalde, weil Lothar Bisky hier mit Skinheads talkte“, so Wende. Die bundesdeutsche Medienwelt war hier durcheinander geraten, war es doch zu ungewöhnlich, dieses direkte Weltenaufeinandertreffen. „Wobei es für Lothar, der ja zu Zeiten der DDR auch Chef des Instituts für Jugendforschung war, gar nicht ungewöhnlich war, sich mit Subkulturen zu beschäftigen.“ Diese sind doch die Triebkraft von Gesellschaft, beschrieb er oft.

Mit dem Kultur-Staatsminister Bernd Neumann stritt der Kulturwissenschaftler Bisky für den Erhalt der Sammlungen auf der Burg Beeskow wie für das Dokumentationszentrum für DDR-Alltagskultur in Eisenhüttenstadt – beides Einrichtungen, die heute gesichert in die Zukunft blicken können und Besucher aus Nah und Fern anziehen. Nach Alternativen für ein vernünftiges Leben suchen! – diesem Lebensmotto von Lothar Bisky wollen die LINKEN in Oder-Spree treu bleiben.

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