Rettet die Spinner!

Leute, heute rufe ich euch zu: „Rettet die Spinner!“ Ehe es zu spät ist. Sie kennen alle diese gern benutzten Floskeln, die eine höchst suggestive Wirkung haben. So wurden Wolf und Biber erbarmungslos verfolgt, Bartgeier gnadenlos gejagt. Im Ergebnis stand die Ausrottung, die Folge davon war eine hemmungslose Geldverschwendung für deren kompromisslose Wiederansiedlung.

Deshalb: Rettet die Spinner! Wer jetzt denkt, es kommt ein Plädoyer für unsere Politiker jedweder Ebene oder Partei, der irrt gewaltig. Es geht weder um die Retter des Abendlandes noch um andere solcher Spinner, es geht um den EICHENPROZESSIONSSPINNER! Haben Sie mal diese possierlichen Tierchen beobachtet? Wie ein bunter Teppich fließt der EPS am Stamm der Eiche empor (oder herab), Ein Naturschauspiel, das an Lavaströme erinnert. Nun ja, für die Eiche ist das Ergebnis ähnlich, als wenn sie tatsächlich von Lava umspült wird – sie geht ein. Pech für den Baum. Nun eilt dem EPS der Ruf voraus, durch seine feinen Härchen Allergien auslösen zu können. Da hören wir aber schon den Konjunktiv heraus: können. Weiß man’s genau? Und wie ist das mit dem Konjunktiv: Beim Glyphosat ist es so, dass es nicht verboten wird, weil seine krebserregende Wirkung nicht nachgewiesen ist, es ist also nicht bewiesen, dass es krank macht.

Die Schießtrainingsstätten der Polizei in Brandenburg sind geschlossen worden, weil es nicht erwiesen ist, dass die Rückstände des Schießbetriebs nicht gesundheitsschädlich sind. Es ist also nicht bewiesen, dass sie nicht krank machen. (Lesen Sie das ruhig zweimal, ich war auch fasziniert!) Und der Eichenprozessionsspinner? Als Wolf und Biber ausgerottet wurden, gab es auch „gute Gründe“ dafür. Und wir dürfen das jetzt ausbaden. Millionen für Wiederansiedlungsprogramme. Und was ist, wenn unseren Kindern oder Enkeln später das Fehlen des EPS’s auffällt? Wer soll das bezahlen, schließlich werden die „Experten“ immer teurer. Außerdem finde ich es äußerst inkonsequent, wenn einerseits Millionen für ein Bibermanagement verballert werden, andererseits 1,3 Mio. Euro im vergangenen, 1/4 Million immerhin in diesem Jahr gegen den Eichenprozessionsspinner in die Luft geblasen werden. „Ich habe jedenfalls noch keine Eiche gesehen, die durch den Eichenprozessionsspinner abgestorben ist“, beteuert Naturschutzreferent Axel Heinzel-Berndt. (laut MOZ, 10. Mai 2016) Na bitte! Dafür kann man ein massives Sterben der Eichen längs des 125-jährigen Oder-Spree-Kanals zwischen Fürstenwalde und Kersdorf miterleben. Eigentlich ist „Sterben“ nicht der rechte Ausdruck: besser passt, wie es scheint, „Morden“. Denn die Eichen, zwischen geschätzten 70 und 125 Jahre alt, sterben nicht einfach so aus Jux und Tollerei, sie werden zwischen Knöchel- und Hüfthöhe (bei kleinen Menschen) sauber entrindet, zum Teil bis zum Kernholz. Das haut selbst den stärksten Schwarzafrikaner um, hätte mein Vater gesagt. Diese Schwerarbeit leistet, staatlich subventioniert, Meister Bockert, wie man mancherorts den Scheißbiber liebevoll nennt. Könnte man nicht die armen EPS umsiedeln, bei den ohnehin zum Tode verurteilten Eichen ansiedeln? Da können sie doch kaum noch Schaden machen, es kommt eh kaum jemand vorbei, höchstens ein paar olle Angler. Für solche Umsiedlungsaktion finden sich sicher noch ein paar Millionen Euronen, notfalls können wir ja diese oder jene neue Abgabe erfinden. Das ist der Tipp für Ungeduldige. Allen, die eher zum Aussitzen tendieren, schlage ich vor: Warten wir doch ab, bis der Biber alle Eichen gekillt hat, dann hat sich die Sache mit dem Eichenprozessionsspinner sowieso erledigt.  Und dann wird‘ irgendwann mal so richtig teuer…

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