Nein, ich rege mich nicht mehr auf. Aufregen wirkt verkürzend auf unser Dasein und schränkt außerdem dessen Qualität zu Lebzeiten, wenn es eben drauf ankommt, deutlich ein. Unsere Entscheidungsträger wissen schon, was sie tun. Das wissen wir wiederum, wir haben sie schließlich gewählt! Also, worüber wollte ich mich doch gleich heute nichtaufregen? Ah ja, eigentlich sollte heute Glyphosat dran sein, Sie wissen schon, das Zeug, das inzwischen fast überall drin ist, und bei dem sich die Experten mit den Lobbyisten nicht einig sind, ob es nun krebserregend ist oder nicht. Besagte Substanz gibt es jedoch schon so lange, dass es da auf eine Woche mehr oder weniger nicht ankommt, deshalb will ich mich hier ein wenig über das Thema Altanschließerbeiträge nichtärgern. Im Grunde ist dieser Drops zwar längst gelutscht, spätestens seit das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts folgte und die Anschlussbeitragsbescheide kippte, die vorsahen, dass auch für bereits bestehende und schon bezahlte Anschlüsse deren Besitzer nochmals zur Kasse gebeten werden sollten. Ein klarer Fall, wie man meinen sollte. Hier ist der Fakt, da ist das Urteil, Umsetzung desselben, fertig! Liebe Leute, so einfach geht das natürlich nicht. Weil offenbar ein paar tausend Altanschließer mit ihren rechtswidrig eingeforderten und eingetriebenen Beiträgen die Wasser-/Abwassergebühren für alle anderen, es dürften zigtausend sein, gewissermaßen subventioniert haben. Nun ist das Geschrei groß, die Zweckverbände fürchten den finanziellen Kollaps, Politiker warnen vor kräftig steigenden Gebühren in Zukunft, wenn das Geld an seine unfreiwilligen Spender zurück fließt. Man fragt sich: Geht’s noch?! Sollte auch hier wieder einmal nicht das Verursacherprinzip greifen? Wird auch diesmal wieder niemand zu seiner Verantwortung stehen? Lassen Sie mich ein Beispiel bemühen: Hierzulande braucht es nicht viel, dass das Finanzamt eine Schätzung der Höhe des Einkommens und damit die Höhe der Steuervorauszahlung vornimmt. Dazu braucht man nur ein paar Mal ein paar Fristen verstreichen zu lassen. Das hat man dann ein Jahr über an der Backe, selber schuld! Der Fiskus darf das, das ist rechtens. Allerdings kriegt man später seine eventuell zu viel gezahlte Steuer zurück. Und nun stellen wir uns mal vor, dass der Staat sagt: „Bürger, du hast zwar zu viele Steuer gezahlt, und eine Erstattung steht dir sehr wohl zu, aber bedenke: Müssen wir das an dich zurückzahlen, werden wohl die Kita-Gebühren steigen müssen. Oder wir machen eine Schule dicht. Oder wir können Straßen nicht reparieren… Schließlich ist die Kohle eingeplant.“ Mal sehen, wie im Altanschließer-Fall das Land Brandenburg reagiert. Immerhin hat der Brandenburger Landtag mit rot-roter Mehrheit im März den Nachtragshaushalt mit einer Aufstockung von einer guten halben Milliarde Euro beschlossen. Geht doch!  Für die Erledigung des leidigen Anschließer-Themas? Wohl eher nicht. Ein Schelm, der Arges dabei denkt!

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