Nicht nur die Bäume schlagen derzeit aus, wie es im Volkslied heißt. Wenngleich der Mai noch gar nicht gekommen ist. Auch die Fürstenwalder Straßenlaternen schmücken sich mehr und mehr mit bunten Wahlplakaten, von denen freundliche Menschen auf’s Wahlvolk herab lächeln. Dabei muss für manchen die Zeit rückwärts laufen, sieht doch diese oder jener VertreterIn aus, wie zu Zeiten des ersten Kusses. Wahlkampf macht jung, wie es scheint.

    Mir macht Wahlkampf im Moment eher Angst. Wegen Fürstenwaldes Zukunft. Unser Bürgermeister, Mitglied des Bündnis Fürstenwalder Zukunft e.V., hat erreicht, was vor ihm noch kein Bürgermeister geschafft hat. Es rumort öffentlich in der Stadtverwaltung. Denn: Rudolph macht die Stadtverwaltung „zukunftsfähig“, was immer er darunter verstehen mag, und das auf seine ganz spezielle Weise. Na klar, die Anwürfe gegen ihn sind wenig konkret, das liegt aber möglicherweise daran, dass die anonymen Beschwerdeführer eine konkretere Aussage scheuen, um nicht identifiziert zu werden. Andererseits sind die Einlassungen des Bürgermeisters ebenso wenig konkret.

    Dass Rudolph schöne Worte kann, ist inzwischen ja hinlänglich bekannt. Die von ihm, sehr optimistisch, geschätzten 5 oder 6%, „…die versuchen Stimmung zu machen, notfalls mit politischen Mitteln, die in der täglichen Arbeit der Verwaltung nichts zu suchen haben“ (Zitat) gab es aber wohl schon immer. Ohne, dass gleich eine Palastrevolution angezettelt worden wäre. Steckt da jemand den Kopf in den Sand oder leidet Bürgermeister Rudolph schon nach so kurzer Amtszeit unter machtgeschuldetem Realitätsverlust? Oder meint er gar, dass am Ende noch 5 oder 6 % der alten Belegschaft übrigbleiben werden und hat sich schlicht vertippt? Dann bekäme der Begriff „Rudiment“ eine völlig neue Bedeutung!

    Es überrascht schon die Offenheit, oder soll man besser sagen, die Unverfrorenheit, er (Rudolph) sehe den Rücktritt des Personalrats der Stadtverwaltung positiv, weil es mit der Neuwahl des Gremiums einen „Neustart“ gäbe. Ausgesprochenes Pech für ihn, dass es nicht ganz so geräuschlos wie erhofft vonstatten ging. Ich kann mir auch gut vorstellen, wie neues Personal und ein neuer Personalrat aussehen könnten…  Mit dem Wahlversprechen eines behutsamen Umbaus der Verwaltung hat das jedenfalls überhaupt nichts mehr zu tun. Aber vielleicht gibt es ja noch ganz andere Wahlversprechen? Solche, die nicht in den Medien standen, solche, die eher unter vier Augen gegeben werden? Man wird es sehen.

    Dass den Bürgermeister eine große Affinität zu den „sozialen Netzwerken“ auszeichnet, ist allgemein bekannt und im Prinzip nicht zu bemängeln. Allerdings, dass er sein „Statement“ zum Personalratsrücktritt auf Facebook postet, schließt von vornherein all die Bürger aus, die sich dieser Art Kommunikation verweigern oder denen schlichtweg die Kompetenz im Umgang mit den neuen Medien fehlt. Die werden einfach in den Skat gerückt. Die bleiben außen vor. Nicht jeder hat Enkel, die da helfen. Wäre es nicht zu viel der Ehre, könnte man Vergleiche mit Trump ziehen – unliebsame Informationen werden als Fake abgetan, unbequeme Mitarbeiter finden so schnell wie möglich Ersatz durch treue Gefolgsleute.

    Und zum Schluss noch ein Tipp, Rudi: Der Begriff „Hexenjagd“ erweckt immer so schön den Anschein, ein Opfer böser Leute zu sein. Einfach mal ausprobieren. Aber schön behutsam!

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