Am vergangenen Mittwochabend fand in Erkner im Kino Movieland gemeinsam mit dem einladenden Landtagsabgeordneten Volkmar Schöneburg, der  Arbeitsgemeinschaft Cuba si, der Partei DIE LINKE sowie dem Regisseur Daniel Abma die Filmvorführung des Dokumentarfilms „Transit Havanna“ statt. Das Thema scheint auch hierzulande viele Menschen zu bewegen. Mit großem Interesse verfolgten die Gäste den 90-minütigen Film. Der Dokumentarfilm von Regisseur Daniel Abma gibt abseits von Stereotypen einen sehr feinfühligen Einblick in das Leben von Transgender-Kubanern. Es ist weitgehend unbekannt, dass das Transgenderthema in Kuba so progressiv angegangen wird, meint Schöneburg und führt weiter aus: „Es ist spannend zu verfolgen, wie die Tochter des Staatspräsidenten, Mariela Castro, die sexuelle Revolution mit sozialistischen Botschaften verknüpft.“ Die drei Hauptprotagonisten des Films geben einen sehr offenen Blick in ihr Leben im aktuellen Kuba. „Unsere Charaktere stecken in einem Prozess des Wandels. Genau wie Kuba selbst“, sagt Regisseur Daniel Abma. Dies ist die dritte Filmvorführung von Volkmar Schöneburg in seinem Landkreis Oder-Spree. Zweimal im Jahr führt Schöneburg im Kino Movieland Erkner sowie im Filmtheater Union Fürstenwalde kostenlose Filmveranstaltungen durch. Als medienpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag Brandenburg möchte Schöneburg damit die regionale Kinolandschaft fördern und das Kino als kulturellen Erlebnisort nutzen. Nach „Der Staat gegen Fritz Bauer“ und „Neuland“ findet mit „Transit Havanna“ im Kino Movieland Erkner erstmals eine Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Cuba si in der Partei DIE LINKE statt. Der  Dokumentarfilm erzählt das Leben der drei Protagonisten auf einfühlende Art und Weise. Einmal im Jahr kommen zwei Ärzte aus Holland und Belgien nach Havanna und führen dort auf Initiative von Fidel Castros Nichte kostenlos geschlechtsangleichende Operationen durch. Mariela Castro organisiert dies im Sinne der sozialistischen Revolution. Ihr Motto: „Nein zur Homophobie, ja zum Sozialismus!“
Feinfühlig erzählt, wunderbar fotografiert und als Kinoerlebnis montiert interessiert sich der Film dafür, wie es Menschen geht, die an Wendepunkten ihres Lebens stehen. So wie die Protagonisten Malú, Odette und Juani, die für ein Leben im richtigen Körper kämpfen.
Malú ist Aktivistin und Wortführerin in der Transgender-Community und wartet schon seit Jahren auf ihre Chance zur OP.
Odette sagt von sich, sie sei der beste Panzerfahrer Kubas gewesen. Streng religiös lebt sie in ständigem Zwist mit ihrer Mutter und Großmutter und verdingt sich als Ziegenhirtin.
Juani sagt, er sei der erste transsexuelle Kubaner und erzählt, dass es wegen des Embargos jahrelang kein Testosteron für seine Behandlung gab.
Der Film taucht ein in die kubanische Gesellschaft und zeigt – aus dem speziellen Blickwinkel der LGBT-Community gesehen – fern von Klischees, wie Kuba tickt, mehr als 50 Jahre nach der Revolution. Und dann kommt auch noch der historische Moment der Öffnung Kubas dazu… Eine gute Gelegenheit, um über das Geschehene in der Dokumentation zu sprechen, gab es zum Ende hin – eine ungezwungene Gesprächsrunde mit dem in den Niederlanden geborenen Regisseur Daniel Abma und Volkmar Schöneburg und dem Aktivisten, so wurde er eingangs bezeichnet, von Cuba si, Jörg Rückmann. Im Vordergrund stand natürlich die Frage, wie es dazu kam, diesen Film zu drehen. Was waren die Intensionen, was war auschlaggebend, dass Abma diese Dokumentation gedreht hat? Für ihn, so schien es, war es ein Aufgreifen eines Themas, das ihn als solches natürlich auch bewegte. In seiner Community hat er einen sehr guten Freund, erzählte er, der  selbst diese Problematik durchlebte. Durch ihn erfuhr er von dem gesamten Ausmaß der Transgender-Problematik auf Kuba. Der Freund verhalf ihm wiederum, Kontakte zu knüpfen zu den Chirurgen, die in jedem Jahr nach Kuba fliegen, um dort zu helfen. Daniel Abma war fasziniert und gebannt von diesem Thema, denn Kuba galt eher verschlossen zu dem Zeitpunkt. Er flog nach Kuba und traf auf Mariela Castro, er sah das Leben mit zwei Gesichtern, war begeistert von der aufopfernden Arbeit, die an den Tag gelegt wurde, um eine Lösung herbeizuführen. In diesem Zusammenhang traf er auch auf die drei Protagonisten und dann war klar: Wir machen eine Dokumentation über das Leben der drei. Daniel Abma hat sein Regiestudium an der Filmuniversität Babelsberg absolviert. Für seinen ersten längeren Dokumentarfilm „Nach Wriezen“ begleitete Abma straffällig gewordene Jugendliche drei Jahre lang nach ihrer Haftentlassung. „Nach Wriezen“ wurde auf diversen Festivals gezeigt und wurde u.a. bei „Sehsüchte“ 2013 als bester Dokumentarfilm und für den besten Schnitt ausgezeichnet und 2015 mit einem Grimme-Preis geehrt.

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