„In den nächsten Tagen sollten Sie mehr Zeit mit dem Partner verbringen. Die Sonne steht im Zeichen des Zwergesels, eine gute Gelegenheit, alte Beziehungen zu erneuern.“

    Nun ist es so, dass ich dieser Art Vorhersagen schon immer misstraute. Im Augenblick aber ganz besonders. Denn, ob ich derzeit mehr Zeit mit meinem Ollen verbringen möchte, weiß ich nicht wirklich. Es gäbe zwar tatsächlich dafür nun mehr Zeit, aber wer will schon mit einem missgelaunten Knurrhahn den Versuch unternehmen, einen romantischen Abend an einem See zu verbringen. Oder sowas. Wie gesagt, die Zeit dafür wäre schon da, jetzt, wo Deutschland vorzeitig die Segel  auf der Fahrt zum Fußball-WM-Finale gestrichen hat. Mein Oller ist nämlich alles andere als eine Sportskanone. Beim Fußballgucken beschränkt er sich von jeher auf Spiele der deutschen Nationalelf. Alles Weitere ist ihm schlichtweg zu anstrengend! Andauernd Bier ranschleppen und ziemlich gleich auch wieder wegbringen!

    Ab jetzt gibt es diesbezüglich ja nichts mehr zu sehen und unsere Abende werden wieder mehr von den Witterungsverhältnissen als vom Spielplan bestimmt. Aber wer weiß, wie lange mein Angetrauter noch mit seinem Schicksal und dem der anderen Fußballexperten hadert. Dabei hat Deutschland im Prinzip oft doch nur gegen sich selbst gespielt und verloren, zum großen Teil jedenfalls. (Kann man übrigens überhaupt gegen sich selbst verlieren?)

    Nicht nur Drachentöter Korea weist eine stattliche Zahl an Fußballern auf, die in deutschen Ligen ihr Brot verdienen. Unter uns: Ich könnte auch nicht mit der nötigen Leichtigkeit Fußball spielen (so ich es überhaupt könnte), wenn ich wüsste, dass zig Millionen „Experten“ fortgesetzt an meinem Spiel rumnörgeln, alles besser machen würden, jeden Zweikampf gewännen und natürlich niemals einen Fehlpass schlügen. Sich auf die Seite des Siegers zu stellen, ist leicht. Dem Verlierer beizustehen, erfordert Rückgrat.

    Also Kopf hoch, ihr Verlierer! Es gibt nichts Schlechtes, das nicht auch sein Gutes hätte. Künftig kann man unbeschwert die Daumen für sein Lieblingsreiseland Schweden drücken, ohne dass der fragile Nachbarschaftsfrieden in Gefahr gerät. Man kann ab jetzt jeder guten Elf, gleich welcher Nation, ein Weiterkommen oder gar den Pokal wünschen, ohne eine abendländische Fatwa befürchten zu müssen. Oder man geht anlässlich des passenden Spiels der entsprechenden Mannschaft zum „Speedy“, gemeinsam Fußball gucken. Diesem Argument wird sich mein verfressener Oller ganz sicher nicht widersetzen. Insofern bin ich doch guter Hoffnung, dass wir künftig ein bisschen mehr Zeit miteinander haben werden. Danke, Deutschland. Und Horoskop sei Dank!

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