Und allen Bedenkenträgern zum Trotz scheint es, zumindest auf Nebenstraßen, ganz gut auch ohne Streusalz zu gehen. Ein bisschen erinnert es mich an meine Jugendzeit, da die Straßen bei Minusgraden mit einer Schicht festgefahrenen Schnees bedeckt waren, dessen Farbe leicht ins Beige changierte. Selbst als Radfahrer kam man damit gut zurecht, brauchte man sich doch nicht mit Matsch zu plagen, den vorbeifahrende Autos zu allem Überfluss auf die unteren Extremitäten spritzten. Es war also doch nicht alles schlecht, früher… Nicht auszudenken, was an Geldern gespart werden kann, wird auf das Überwürzen von Straßen und Wegen verzichtet! Freilich, es ist eine Einkommenseinbuße für den jeweiligen Winterdienst damit verbunden, immerhin entfällt die Marge auf das Salz. Doch wirklich Sorge muss ich mir deshalb wohl nicht machen, man wird Mittel und Wege finden, das weggebrochene Einkommen auf andere Art zu kompensieren. Vielleicht wird nun der unversalzene Streusand teurer. Wie dem auch sei, Straßenbäume und Hundepfoten werden es danken. Was ich nicht glaube ist, dass die Bedenkenträger weniger geworden sind. Und unter denen gibt es wahrlich harte Hunde. Da kann es schon mal vorkommen, dass Paragraphenschutz vor den Schutz von Menschenleben gestellt wird. „Gefährder“, wie es so schön auf Neudeutsch heißt, dürfen nicht vorsorglich festgesetzt werden, solange sie noch keinen Anschlag verübt haben. Da kann einer nur hoffen, dass es zunächst mal andere trifft. Für einen bösen Scherz halte ich die Einstellung von deren Herkunftsstaaten, ihre Landsleute nicht zurücknehmen zu wollen. „Wir sind nicht die Abfall von die Deutschland“ oder so ähnlich lautete ein Transparent auf einer Demonstration in Tunesien kürzlich. Kann ich nur erwidern: „Wir sind nicht die Heimat von durchgeknallten Fundamentalisten und Extremisten!“ Jede zögerliche Haltung, das Übel an der Wurzel zu packen, treibt leichtgläubige Wählerscharen in die Reihen von Populisten. Genau genommen gehen „Bedenkenträger“ eigentlich über Leichen. Im wahrsten Sinne. Dahinter steht mutmaßlich eine gnadenlose Profilierungssucht, den politischen Gegnern was am Zeug zu flicken, in der Hoffnung auf ein paar mehr Prozentpunkte bei den nächsten Wahlen. Es geht doch schon längst nicht mehr vordergründig um Sachpolitik. Und da sehe ich nicht wirklich Ausnahmen. Bei keiner der etablierten Parteien. Das ist schäbig. Außerdem ist es noch kreuzgefährlich. Schließlich zeigt (nicht nur) unsere Geschichte, in welche Abgründe die Unzufriedenheit von Wählern führen kann. Was ich an dieser Stelle nicht ohne Bedauern zugeben muss ist, dass ich auch kein Patentrezept aus dem Dilemma Machterhalt vs. vernünftige Politik habe. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin mitnichten ein Fan von Duterte. Was der macht, ist keine Politik, sondern Postwildwest. Aber vor Heiko und Thomas hat ja wohl kein Mensch wirklich Angst! Vielleicht umschreibt der Begriff „suboptimal“ deren Vorgehen ziemlich treffend. Hoffen wir also in unser aller Interesse, dass unser Leben mit Vernunft und Weisheit wieder in geregelte Bahnen geführt wird, bevor der Ruf nach einem „starken Mann“ überhandnimmt. Wie pflegt mein Oller immer zu sagen: „Erna, du willst natürlich am liebsten immer eine starke Frau haben!“

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