Geht es Ihnen auch manchmal so wie mir? Sie können einfach nicht verstehen, wie manche Mitbürger ticken. Wenn Einer oder Eine sein Auto in die Parklücke werfen, sodass davor und dahinter noch genau jeweils ein halbes weiteres Fahrzeug Platz hätte, zum Beispiel. Oder wenn Eltern in der Schule Stunk machen, weil sie nicht einsehen können, dass ihre Bälger vielleicht doch nicht so schlau sind, wie sie es gerne hätten. Oder wenn sich Abgeordnete jeder politischen Ebene um des Kaisers Bart streiten. Oder wenn sich Leute in aller Öffentlichkeit – und sehr gern in exponierter Lage – diverse Mengen alkoholische Getränke einverleiben und ihr Umfeld großzügig daran teilhaben lassen. Und doch gibt es Menschen, deren Einfühlungsvermögen über dem Durchschnitt liegt.

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Kürzlich bewiesen das Richter des Verwaltungsgerichts Cottbus. Ein Verbot des Genusses von Alkohol auf angegebenen Plätzen in Forst erschien denen ungenau und nicht verhältnismäßig. Diese Art Rechtsprechung ist es, die andere Städte erst gar nicht den Versuch unternehmen lässt, etwas Wirksames gegen Gelage im öffentlichen Raum zu unternehmen. „Na denn, Prost!“, möchte man rufen. Oder der kommenden närrischen Zeit gedenkend: „Fürstenwalde Helau, Forst Helau, Cottbus Helau! Tara, Tara, Tara!“ Frage: Wie weit muss städtische Toleranz gehen, wie geduldig müssen Bürger sein? Ich weiß selbst, dass mich die Natur verhältnismäßig reichlich mit sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmalen ausgestattet hat. Muss ich mir das aber andauernd hinterherpfeifen lassen, wenn ich den Obstwagen auf dem Fürstenwalder Markt besuche? Und das dann von Leuten, auf deren Komplimente ich überhaupt keinen Wert lege! Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten und einzigen Mal erlebt, wie ein Platzverweis durch die Polizei ausgesprochen und erfreulicherweise auch durchgesetzt wurde. Was aber nötig war, bis es soweit kam, war ausgesprochen peinlich. Nicht zu reden von Hochzeitsgesellschaften, die sich nach vollzogener Trauung vor dem Alten Rathaus ablichten lassen wollen. Was da mitunter alles mit aufs Bild kommt, wollen Sie gar nicht wissen! Die tun doch nichts, die wollen nur spielen! Genau wie die „unbedeutende“ NPD. Muss man doch nicht verbieten. „Im Namen des Volkes.“ Klar, verfassungsfeindlich sind die. Na ja, die eine oder andere Bedrohung wird es ab und zu geben, aber deshalb gleich verbieten? Die paar Hanseln. Freilich, es kann passieren, dass die ein paar „Zecken“ aufklatschen oder auch mal auf den Kopf treten. Aber eigentlich ist das doch nicht so schlimm, oder? Manchmal habe ich den Eindruck, dass sowohl das Rechtsempfinden als auch das Bedürfnis nach Sicherheit einer großen Mehrheit höchstrichterlich ignoriert, ja verhöhnt wird. „Im Namen des Volkes.“ Muss denn immer erst was Schlimmes passieren? Unrecht widerfährt einem auch, wenn man beleidigt oder belästigt wird. Verunsichert ist auch der, der einfach nur verbal angemacht oder bedroht wird. Oder der Plakate in aller Öffentlichkeit erdulden muss, die bedrohlichen Inhalts sind. Ich dachte immer, man wäre sich einig darüber, dass es immer besser sei, ein Übel an der Wurzel zu packen, seine Ursachen auszumerzen, als erst hinterher zu reagieren. Aber falsch gedacht! Stattdessen regiert allenthalben eine sowas von großherzige Toleranz, beherrscht unsere Entscheidungsträger eine übermächtige Angst, vielleicht doch irgendwas falsch zu machen. Sollte das wirklich Teil der Evolution sein? Vom Wirbellosen zum Rückgratlosen, vom Entscheidungsträger zum Bedenkenträger? Und dann noch: „Im Namen des Volkes.“ Welchen Volkes denn?

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