„Erna“, sagt mein Mann, „Erna, du denkst zu viel!“ Klar, wenn man nur alle 2 Wochen die Gelegenheit hat, sich mal so richtig auszuleben – sprich: auszuschreiben – ist das nicht so einfach.

Die Ereignisse, denen man sich widmen könnte sind für eine einfache Zeitungsspalte kaum zu verkraften. Freilich, Fürstenwaldes Zukunft ist immer für eine bissige Bemerkung gut – deren selbsternannte Vertreter provozieren das einfach! Aber sind sie wirklich wichtig? Wer die lokale Tagespresse verfolgt, wird genervt abwinken. Der Erdogan, mit seinem – verzeihen Sie das Bonmot – getürkten Putsch, der uns Frühgeborene und noch nicht Gealzheimerte fatal an die Art der Machtergreifung der Nazis 1933 erinnern muss, hat ebenfalls einen gewissen Anspruch auf Aufmerksamkeit. Doch den nehme ich mir später noch mal vor, der gibt garantiert weiteren Stoff für Kolumnen, wenn nichts anderes gerade greifbar ist. Der Sommer-, Herbst-, Frühlings- und Winterfüller par excellence gewissermaßen! Warten Sie es ab. Im Augenblick schaue ich, wie viele andere auch, auf Great Britain. Sie haben es gewagt. Sie wollen raus, sie sind raus. Ein bisschen erinnert mich das Ganze an eine gescheiterte Ehe: es sind immer die Kleinigkeiten, die zur Trennung führen. Stets wählte man die gleiche Partei, bevorzugte den gleichen Wohnsitz, doch an der Konsistenz des Frühstückseis schieden sich die Geister. Meist ist es doch so, oder? Gern können Sie mich der unbedarften Betrachtungsweise globaler wirtschaftlicher Zusammenhänge bezichtigen, aber haben nicht auch Sie mit Unverständnis auf den EU-festgesetzten Krümmungsradius von Spreewaldgurken reagiert? Hat nicht auch Sie das Verbot des Handels bzw. der Existenz alter Apfelsorten zumindest irritiert? Lobbyarbeit hin – Lobbyarbeit her. Ich sag jetzt mal nichts zu Glyphosat! Aber dass nun auch noch diverse Viecher, Waschbären beispielsweise, zu „unerwünschten“ Tieren erklärt werden, schlägt meinem persönlichen Fass den Boden raus! Nicht die Tatsache als solche. Auch mich stört seit längerem, dass diese Gefährten der Nacht regelmäßig meine Gelben Säcke bzw. deren Inhalt inspizieren und öffentlichwirksam vorsortieren. Aber dass Tierparks und ähnlichen Institutionen künftig die Haltung und Fortpflanzung dieser Tierarten EU-gesteuert untersagt werden soll, ist doch die Vorwegnahme eines Treppenwitzes. Denn was wird künftig passieren: Waschbär, Mink, Marderhund und demnächst wahrscheinlich Elster und Ziesel werden vom Aussterben bedroht sein. Das Ergebnis werden teure Wiederansiedlungsprogramme sein. Gefördert auch durch EU-Mittel. Der Biber hat es ja schon vorgemacht. Wie für eben diesen wird es in absehbarer Zeit wieder Schutzprogramme für Viehzeug geben, deren es nicht bedürfte, würde man aktuell und bedarfsgerecht für eine vernünftige Regulierung sorgen. Deshalb mein Appell an meine EU: Kümmert euch um den Weltfrieden, kümmert euch um eine Umwelt, in der ich keine Angst um meine gesunde Ernährung haben muss, kümmert euch um die Kinder, dass sie in einer Welt aufwachsen können, die ihnen Anstand und Würde als Grundwerte mit auf den Weg gibt. Aber lasst meinen Heimattiergarten machen, was er seit Jahrzehnten macht. Und macht – das ist nur ein Vorschlag – die Büros der Lobbyisten dicht. Die würden prima Flüchtlingquartiere abgeben. Es sind halt die Kleinigkeiten, die ein Verhältnis zerrütteln können. Leider (oder zum Glück?) kann man zu Brüssel nicht so einfach sagen: „Schatz, ich geh‘ nur mal rasch Zigaretten holen…

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