Es gibt viele schöne Zitate, in denen man sich fürchterlich über die Verderbtheit der Jugend auslässt, über deren schlimme Eigenschaften, als da wären Nichtsnutz, Respektlosigkeit, Vergnügungssucht und mehr. Viele von ihnen bereits 5.000 – in Worten: fünftausend – Jahre alt. Da darf sich einer schon wundern, dass es die Menschheit überhaupt bis hierher geschafft hat, mit Smartphone, EKG und Atombombe, um nur ein paar wesentliche Errungenschaften der Zivilisation zu nennen. Nicht zu vergessen die Demokratie. Allerdings geht die langsam vor die Hunde, wie es mir scheint. Das Neue an dieser Art Ausblick scheint, dass nun keiner kommen kann, von wegen, dass das schon die alten Sumerer beklagt hätten. Bekanntlich wäre die Demokratie noch nicht so alt und hätte auch etwas kürzere historische Wurzeln als z.B. die Jugend. Hat sich was! Seit der antiken Attischen Demokratie (5000 v. Ch.) quält sich diese Gesellschaftsform noch schlappe 2.000 Jahre länger herum! Aber glauben Sie, auch nur einer wäre in dieser ganzen Zeit mit ähnlichen Vorwürfen an die Demokratie wie an die Jugend zitierbar? Das soll ab sofort anders sein: Ich beklage, dass die Sitten in der Demokratie immer mehr verkommen. Grundwerte verfallen, die Korruption kämpft in einer Reihe mit scheinaltruistischer Machtbesessenheit. Im Städtchen um die Ecke mag das noch angehen, spätestens auf Staatsebene wird es aber kreuzgefährlich. Was in den USA derzeit abgeht, ist eh schwer zu begreifen. Es ist aber auch nicht zu ignorieren, dazu ist der unmittelbare Einfluss auf unser Leben zu groß. Da sind, um in Bildern zu sprechen, zwei Wagen ins Rennen gegangen, von denen einer nicht alle Speichen am Rad und der andere gravierende Kupplungsprobleme hat. Wahrscheinlich würde man beiden die aktuelle TÜV-Plakette verweigern müssen. Wenn sie denn eine bräuchten. Was treibt gesunde Menschen dazu an, trotz offensichtlicher Qualifikationsdefizite nach dem höchsten Amt in einem der mächtigsten Staaten zu greifen bzw. zu eifern? Geldgier kann es nicht sein, denn erstens haben beide genug davon (falls es ein „genug“ gibt), zweitens kostet so ein Wahlkampf mehr als eine ganze Reihenhaussiedlung. Bleibt also nur Machthunger. Und da beginnt für mich der Sittenverfall, nicht nach menschlichem Vermögen wird ausgewählt, sondern nach pekuniärem. „Gefährlich wird es, wenn Dumme fleißig werden“, ein alter Spruch. Ich möchte hinzufügen „Noch gefährlicher wird es, wenn Reiche machtgeil werden“. Im Brandenburger Landtag ist es zum Glück noch etwas anders herum, da strebt man erst mal nach Macht, dann nach Einkommensvergrößerung. Dazu mag man stehen wie man möchte, mir stößt an der Sache vor allem die Begründung auf. Ich kann keine 4,4-prozentige Einkommensentwicklung in Brandenburg wahrnehmen, nicht mal rein rechnerisch, selbst wenn man die Brandenburger Lottomillionäre des letzten Jahres dazu nimmt. Acht Riesen monatlich und ein „kleiner“ Zuschlag, weil man sich ja nun selbst rentenversichern muss. Beim letzten Mal stimmte übrigens die Linke dagegen, wenn ich mich recht erinnere. Bei der folgenden Wahl hat es ihnen wenig genützt. Diesmal stimmte die AfD gegen die Diätenerhöhung, hoffentlich profitieren die nicht kräftiger davon…Nein, ich bin nicht neidisch, ich bin glücklich mit meinem Leben, auch wenn mein Oller, dieser elende Versager, deutlich weniger als 10 Prozent des Diätenbetrags als Rente heimschleppt. Was mich tröstet, ist die Gewissheit, dass er mit diesem Hungersalär kein Einzelfall ist. Daran sollte man auch nicht rühren, denn dann könnte es zu Ungerechtigkeiten kommen, nicht wahr, Mutti Angela?

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